Letztes Motuproprio von Benedikt XVI.: Normas nonnullas

Einige Änderungen bei der Wahl eines Nachfolgers Petri (2)

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 1522 klicks

Papst Benedikt XVI. hat mit seinem apostolischen Schreiben in Form eines Motuproprio „Normas nonnullas" vom 22. Februar einige Änderungen und Präzisierungen bei den Konklave-Bestimmungen vorgenommen.

[Wir veröffentlichen den zweiten Teil des Motuproprio (Teil I hier) in einer eigenen Übersetzung:]

Apostolisches Schreiben in Form eines Motuproprio über einige an den Normen der Wahl des Papstes von Rom vorgenommene Änderungen

Nr. 49. Nachdem die Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Papstes gemäß der Vorschrift begangen wurden und die notwendigen Vorkehrungen für den ordnungsgemäßen Ablauf der Wahl getroffen sind, versammeln sich am festgesetzten Tag gemäß der Vorschrift in Nr. 37 der vorliegenden Konstitution alle Kardinäle im Petersdom im Vatikan oder an einem den Gegebenheiten und den zeitlichen und räumlichen Erfordernissen entsprechenden anderen Ort, um an einer feierlichen Eucharistie mit der Votivmesse „Pro eligendo Papa“ (19) teilzunehmen. Dies soll nach Möglichkeit zu einer günstigen Zeit am Vormittag geschehen, damit am Nachmittag die in den nachstehenden Nummern der vorliegenden Konstitution geregelten Prozesse stattfinden können.

Nr. 50. Von der Capella Paolina des Apostolischen Palastes aus, wo sie zu einer gelegenen Zeit am Nachmittag versammelt sein werden, begeben sich die wahlberechtigten Kardinäle in Chorkleidung in feierlicher Prozession, unter dem Gesang des „Veni Creator“ den Heiligen Geistes um seinen Beistand anrufend, zur Sixtinischen Kapelle des Apostolischen Palastes, dem Ort und Sitz der Wahlabwicklung. Bei der Prozession werden der Vize-Camerlengo, der Generalauditor der Apostolischen Kammer und jeweils zwei Mitglieder aller Kollegien der Apostolischen Protonotare „di numero partecipanti“, der Prälaten-Auditoren der Römischen Rota und der Kleriker-Prälaten der Apostolischen Kammer zugegen sein.

Nr. 51, Abs. 2. Es ist daher die Aufgabe des Kardinalskollegiums, das unter der Autorität und der Verantwortung des Camerlengo tätig ist, der gemäß Nr. 7 der vorliegenden Konstitution von der Sonderkongregation unterstützt wird, dafür Sorge zu tragen, dass innerhalb der genannten Kapelle und der angrenzenden Räume alle Vorbereitungen getroffen sind. Dies soll unter der äußeren Mitwirkung des Vize-Camerlengo und des Substituten des Staatssekretariates geschehen, damit der ordnungsgemäße Ablauf und die Geheimhaltung der Wahl sichergestellt ist.

Nr. 55, Abs. 3. Die Urheber jedweder Übertretung der oben angeführten Norm seien darüber unterrichtet, dass sie sich damit die dem Apostolischen Sitz vorbehaltene Strafe der Exkommunikation „latae sententiae“ zuziehen.

Nr. 62. Nach der Abschaffung der „per acclamationem seu inspirationem“ und „per compromissum“ genannten Wahlverfahren wird die Wahl des Papstes von Rom von nun an nur noch „per scrutinium“ erfolgen.

Ich lege daher fest, dass für die gültige Wahl des Papstes von Rom zumindest die Zweidrittelmehrheit der auf der Basis der anwesenden wählenden Kardinäle gezählten Stimmen erforderlich ist.

Nr. 64. Das Abstimmungsverfahren gliedert sich in drei Phasen. Die erste, die als „Vor-Abstimmung“ bezeichnet werden kann, umfasst die folgenden Teile: 1) die Vorbereitung und die Verteilung der Stimmzettel durch die Zeremoniäre – die inzwischen gemeinsam mit dem Sekretär des Kardinalskollegiums und dem Päpstlichen Zeremoniemeister in den Wahlraum zurückberufen wurden – wobei jeder der wahlberechtigten Kardinäle zumindest zwei oder drei davon erhält; 2) die Auslosung von drei Wahlhelfern aus der Gesamtzahl der wahlberechtigten Kardinäle, von drei Beauftragten zur Einsammlung der Stimmen der Kranken („Infirmarii“) sowie von drei Wahlprüfern; diese Auslosung wird öffentlich vom letzten Kardinaldiakon vorgenommen, der nacheinander die neun Namen jener zieht, denen diese Aufgaben zugeteilt werden; 3) sollte die Auslosung  der Wahlhelfer, der „Infirmarii“ und der Wahlprüfer die Namen von wahlberechtigten Kardinälen ergeben, die diese Aufgabe aus Krankheits- oder anderen Hinderungsgründen nicht wahrnehmen können, so werden an ihrer Stelle die Namen anderer gezogen, die nicht verhindert sind. Die ersten drei Gezogenen werden als Wahlhelfer fungieren, die zweiten als „Infirmarii“, die anderen als Wahlprüfer.

Nr. 70, Abs. 2. Die Wahlhelfer ermitteln die Summe aus den Stimmen, die auf jeden Einzelnen entfallen sind. Sollte niemand zumindest zwei Drittel der Stimmen in dieser Abstimmung erhalten haben, so ist kein Papst gewählt worden; hat einer hingegen zumindest zwei Drittel der Stimmen erhalten, ist die kanonisch gültige Wahl des Papstes von Rom erfolgt.

Nr. 75. Sollten die Abstimmungen nach den Nummern 72, 73 und 74 der oben erwähnten Konstitution ergebnislos bleiben, wird ein Tag des Gebetes, der Besinnung und des Dialogs eingelegt; in den nachfolgenden Abstimmungen erhalten unter Beachtung der nach Nr. 74 der genannten Konstitution festgesetzten Ordnung nur jene beiden Namen der vorausgegangenen Abstimmung das passive Wahlrecht, die die höchste Stimmenzahl erhalten haben. Nicht abgewichen werden kann von der Bestimmung, dass für eine gültige Wahl auch in diesen Abstimmungen die qualifizierte Mehrheit von zumindest zwei Dritteln der Stimmen der anwesenden und wahlberechtigten Kardinäle notwendig ist. In diesen Abstimmungen haben die beiden passiv wahlberechtigten Kandidaten kein aktives Wahlrecht.

Nr. 87. Nach der kanonisch vollzogenen Wahl ruft der letzte der Kardinaldiakone den Sekretär des Kardinalskollegiums, den Päpstlichen Zeremoniemeister und die beiden Zeremoniare in den Wahlraum. Daraufhin fragt der Kardinaldekan oder der ranghöchste und älteste der Kardinäle im Namen des gesamten Wahlkollegiums den Gewählten mit den folgenden Worten nach seiner Zustimmung: „Nimmst du deine kanonische Wahl zum Papst an?“ Nach der erhaltenen Zustimmung stellt er ihm folgende Frage: „Wie willst du genannt werden?“ Anschließend fasst der Päpstliche Zeremoniemeister, der als Notar auftritt, im Beisein zweier Zeremoniare als Zeugen ein Dokument über die Annahme der Wahl durch den neuen Papst und den von ihm angenommenen Namen ein Dokument ab.

Dieses Dokument tritt unmittelbar nach der Veröffentlichung im „Osservatore Romano“ in Kraft.

Dies beschließe und bestimme ich ungeachtet jedweder entgegengesetzten Bestimmung.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 22. Februar des Jahres 2013, dem achten meines Pontifikats.

Benedictus PP XVI.