Libanon: Kardinal Sfeir ruft zum Dialog auf

Aufruf an die Bürger, aus der Vergangenheit zu lernen

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BEIRUT, 15. Mai 2008 (ZENIT.org).- Der maronitische Patriarch von Antiochien, der auf einer Auslandsreise zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten trifft, hat zu einem Dialog im Libanon aufgerufen. Kardinal Nasrallah Sfeir begegnete heute auch dem UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und sprach mit ihm über die sich verschlimmernde Lage im Nahen Osten.

Der Kardinal rief die Libanesen in der Tageszeitung „Orient le Jour“ dazu auf, sich an die Ereignisse des Jahres 1990 zu erinnern, die zu Hunderten von Verletzten und Toten sowie einer massiven Zerstörung geführt hatten. „Wir sollten von der Vergangenheit lernen“, appellierte der Patriarch.

Kardinal Sfeir verließ den Libanon am 4. Mai, um an seiner ersten Reisestation Katar eine Heilige Messe in der Kirche Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz zu feiern. Es handelt sich um die erste katholische Kirche in Katar, die im März eingeweiht worden war. Anschließend verbrachte der Kardinal einige Tage in Südafrika und reiste von dort in die USA weiter.

Heute, Donnerstag, traf er mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen zusammen. Am 22. Mai wird er auch US-Präsident George W. Bush treffen, der sich gegenwärtig in Israel aufhält, um an den Feiern zum 60. Jubiläum der Gründung dieses Staates teilzunehmen.

Die Kämpfe im Libanon eskalierten am 7. Mai, als das Regierungskabinett in einer Verlautbarung das Kommunikationssystem der schiitischen Partei Hizbollah verbot. Seitdem sind mehr als 80 Menschen gestorben. Papst Benedikt XVI. forderte die Gläubigen am vergangenen Pfingstsonntag in seiner Ansprache nach dem Regina Caeli dazu auf, um Frieden im Libanon zu beten. Seit November ist der Libanon ohne Präsident, da sich die Regierung und die Opposition nicht auf einen Kandidaten einigen konnten.

Kardinal Nasrallah Sfeir appellierte „angesichts der gravierenden Situation im Libanon“ an alle Parteien, „eine weitere Eskalation der Lage zu verhindern“, und er fügte hinzu: „Wir laden sie ein, wieder an den runden Tisch der Verhandlungen zurückzukehren, um eine für alle Seiten akzeptierbare Lösung zu finden, damit wieder eine Atmosphäre des Friedens, der Sicherheit und der Ruhe in den Libanon einkehrt.“

Die Vereinten Nationen sollten einschreiten, falls die Libanesen selbst nicht in der Lage sein sollten, die Souveränität des Staates herzustellen.

Des Weiteren wies der Kardinal darauf hin, dass nicht alle mit dem Ergebnis der Gespräche zufrieden sein würden. Er hoffe jedoch, dass die Libanesen sich nach ihrem Ziel ausstreckten: einem freien Libanon mit einer wiederbelebten Souveränität.

In Anbetracht der mehrmals verschobenen Präsidentschaftswahlen bat der Patriarch das Parlament, seinen Pflichten nachzugehen, warnte aber zugleich vor Verletzungen der Verfassung.