Libanon: Patriarch Raï warnt vor Destabilisierung

Wachsende Zahl syrischer Flüchtlinge bedroht sozialen Frieden

Rom, (ZENIT.org) | 966 klicks

Der Patriarch der Maroniten, Béchara Kardinal Raï, hat vor einer Destabilisierung des Libanon durch die wachsende Zahl syrischer Flüchtlinge gewarnt. Gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ sagte Raï in seinem Amtssitz nahe Beirut: „Wir sind nur vier Millionen Libanesen. So große Flüchtlingszahlen können da nicht ohne Folgen bleiben.“ Es kämen „Leute ins Land, die bewaffnet sind und ihre syrischen Konflikte mitbringen“. Das ginge über die Möglichkeiten des Landes. Raï betonte: „Wir sind zu hundert Prozent für brüderliche Nächstenliebe, aber wir wollen auch unsere libanesische Kultur bewahren.“

Angesichts von 200 000 registrierten Flüchtlingen bat der Kardinal die internationale Staatengemeinschaft um Hilfe. Die Flüchtlinge müssten gleichmäßiger über die Länder der Region verteilt werden. Zudem sollten Aufnahmelager innerhalb sicherer Zonen in Syrien selbst eingerichtet werden. Das erleichtere nach dem Ende des Konflikts die Rückkehr in die jeweiligen Heimatorte. „Sobald die Flüchtlinge im Westen sind, verlieren wir sie“, beklagte Raï.

Auf die Frage, ob die Politiker des Libanon die Flüchtlingsprobleme diskutieren, sagte der Patriarch: „Ja. Aber es geht hier schnell um politisches Kalkül. Wenn Politiker von der Anwesenheit bestimmter Gruppen hier im Libanon profitieren, neigen sie dazu, die Flüchtlinge zu instrumentalisieren. Das stört unser soziales und politisches Leben.“ Der Libanon, so der Kardinal weiter, habe bereits mit den palästinensischen Flüchtlingen schlechte Erfahrungen gemacht. Sie hätten 1975 den Libanesischen Bürgerkrieg ausgelöst. Man müsse aus der Geschichte lernen, damit diese sich nicht wiederhole.

Entschieden wies der Kardinal Vorschläge zurück, besonders christlichen Syrern Zuflucht im Westen zu gewähren. „Dadurch entleert man den Nahen Osten von seinen alteingesessenen christlichen Minderheiten“, sagte er. „Die Christen sind seit der Zeit unseres Herrn Jesus Christus hier. Sie haben einen großen Beitrag zur arabischen Kultur geleistet. Jetzt die christliche Auswanderung zu erleichtern, ist deshalb ein Vergehen gegen die arabischen Länder von heute. Die Christen müssen das Salz des Orients bleiben. Will der Westen wirklich helfen, dann muss er dazu beitragen, dem Krieg in Syrien ein Ende zu bereiten.“

Der Patriarch forderte den Westen auf, die syrischen Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen. „Die internationale Gemeinschaft muss helfen, dass sich Regierung und Opposition an einen Verhandlungstisch setzen und so ihre Probleme lösen“, sagte er. „Das kann man weder durch Gewalt noch Krieg erreichen. Noch nie hat Krieg eine Lösung herbeigeführt sondern nur der Dialog.“