Libanon: Seligsprechung von Jacques Haddad

Moderner Apostel der tätigen Nächstenliebe

| 948 klicks

BEIRUT, 23. Juni 2008 (ZENIT.org).- Im Libanon wurde gestern, Sonntag, ein Kapuzinerpater selig gesprochen. Der selige Jacques Haddad (1875-1954) war ein Apostel der Nächstenliebe und gründete die im Libanon tätigen „Franziskanerinnen vom Kreuz“. Die Errichtung zahlreiche Spitäler, Schulen und Hospize ist seiner Initiative zu verdanken.



Jacques Haddad ist der erste Selige des Libanon, der auch in seiner Heimat selig gesprochen wurde. Über 190.000 Menschen, darunter bedeutende Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft sowie zahlreiche Priester, Ordensleute und Laien, waren auf dem Beiruter „Place des Martyrs – Platz der Märtyrer“ zusammengekommen, um an der Zeremonie zur Seligsprechung teilzunehmen.

Kurienkardinal José Saraiva Martins, Präfekt der Kongregation für die Selig und Heiligsprechungsprozesse, leitete die Zeremonie. Mit ihm zelebrierten der maronitische Patriarch, Kardinal Mar Nasrallah Boutrous Sfeir, und der Apostolische Nuntius im Libanon, Kardinal Luigi Gatti.

„Kreuze hast du für uns getragen, deine Seligkeit ist hier sichtbar geworden“, war das Motto des Gottesdienstes an diesem Tag, von dem sich viele Libanesen erhoffen, dass er ein weiterer Schritt auf dem Weg des Friedens sein kann.

Der neue Selige wurde am 1. Februar 1975 in Ghazir als Jacques Haddad geboren. In Ghazir, einem Dorf, das etwa 25 Kilometer nördlich von Beirut liegt, ging er auch in die Schule. Das letzte Schuljahr absolvierte er am bis heute berühmten Collège Sagesse in Beirut. Danach ging er nach Alexandrien, um Arabisch zu unterrichten, und beschloss dort auch, dem Ruf Gottes ins Kloster zu folgen. 1893 trat er bei den Kapuzinern nahe seinem Heimatort Ghazir ein und begann das Studium der Theologie und Philosophie.

Der selige Jacques hat nach seiner Priesterweihe gespürt, dass er sich besonders für die Armen, Kranken und Behinderten in der Gesellschaft einsetzten sollte. Er gründete mehrere Krankenhäuser, Schulen und Hospize. 1933 gründete er dann den Orden der Franziskanerinnen vom Kreuz.

Die Liebe zum Kreuz prägte seine gesamte Zeit als Priester. Er ließ große Kreuze bauen und stellte sie an Stellen auf, wo sie besonders sichtbar waren. Zu den wichtigsten Einrichtungen, die er geschaffen hat, zählt das Krankenhaus „Kloster des Kreuzes“ für psychisch kranke Menschen.

Von Jacques Haddad sind über 9.000 Seiten schriftlicher Aufzeichnungen erhalten geblieben, in denen er sich zu fast allen religiösen Fragen äußerte, die sich ein Gläubiger stellen kann. Einmal betonte er: „Die Freude des Menschen kommt nicht vom Geld, das er besitzt, sondern von seinen Werken.“ Zudem verfasste der Kapuziner zahlreiche Gedichte, besonders zum Heiligen Geist. Sein Bruder, der später nach Kuba auswanderte, vertonte einige dieser Texte.

Der neue Selige war auch über das Gebiet des Libanon hinaus apostolisch tätig. Pater Jacques besuchte nämlich Syrien, den Irak, Jordanien und das Gebiet des heutigen Israel, um dort zu predigen und den Ärmsten der Armen zu helfen.

Schließlich wurde er sehr krank und starb am 26. Juni 1954. Seine letzten Stunden verbrachte er im Bett und betete intensiv um den Beistand der Muttergottes. Zur Superiorin der Franziskanerinnen vom Kreuz sagte er: „Lass mich zur Begegnung mit meinem Herrn gehen.“

Bei seinem Begräbnis waren über 20.000 Menschen anwesend, eine für damals unvorstellbare Zahl an Menschen, die aus allen Gegenden und Gesellschaftsschichten des Libanon gekommen waren.

Die Franziskanerinnen vom Kreuz führen heute das Werk weiter, das ihr nunmehr selig gesprochene Gründer einst begonnen hat. Sie kümmern sich um Kranke, Behinderte und Bedürftige. Vor allem nehmen sie sich der Kinder und der älteren Menschen an.