„Licht und Stütze sein für unseren Nächsten“: Benedikt XVI. zum Welttag der Kranken 2007

„Niemand ... darf sich einsam und verlassen fühlen“

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ROM, 7. März 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die offizielle Übersetzung der Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am 11. Februar, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau in Lourdes (Frankreich), im Petersdom gehalten hat.



Der Heilige Vater rief nach der Heiligen Messe zum XV. Welttag der Kranken dazu auf, den Kranken und Einsamen beizustehen. „Im Antlitz eines jeden Menschen, noch mehr, wenn es von der Krankheit gezeichnet und entstellt ist, erstrahlt das Antlitz Christi.“

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Liebe Brüder und Schwestern!

Heute, am Gedenktag Unserer Lieben Frau in Lourdes und dem jährlichen Welttag der Kranken, treffe ich voll Freude hier in der Vatikanischen Basilika mit euch zum Abschluß der Eucharistiefeier zusammen, der Kardinal Ruini vorstand. Mein herzlicher Gruß gilt an erster Stelle ihm und dann allen hier Anwesenden: dem Erzpriester der Basilika, Erzbischof Angelo Comastri, den weiteren Bischöfen, den Priestern und den Ordensleuten. Ich grüße die Verantwortlichen und die Mitglieder der UNITALSI, die für den Transport und die Pflege der Kranken während der Wallfahrten und bei anderen wichtigen Anlässen sorgen. Ich grüße die Verantwortlichen und Pilger der »Opera Romana Pellegrinaggi« und alle, die am XV. Nationalen Kongreß für Pastoraltheologie teilnehmen, zu dem viele Besucher aus Italien und dem Ausland erwartet werden. Weiter grüße ich die Delegation der Vertreter der »Cammini d’Europa«. Aber den herzlichsten Gruß möchte ich an euch, liebe Kranke, an eure Angehörigen und an die freiwilligen Helfer richten, die mit Liebe für euch sorgen und euch auch heute begleiten. Zusammen mit euch möchte ich mich mit denen vereinen, die an diesem selbigen Tag an den vielen Feiern des Welttags der Kranken teilnehmen, der in Seoul, in Korea, stattfindet. Kardinal Javier Lozano Barragán, Präsident des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst, steht dort in meinem Namen den Feierlichkeiten vor.

Heute ist also der Gedenktag Unserer Lieben Frau in Lourdes, die vor fast 150 Jahren einem einfachen Mädchen, der hl. Bernadette Soubirous, erschienen ist und sich als die Unbefleckte Empfängnis zu erkennen gab. Die Gottesmutter hat sich auch in dieser Erscheinung als zärtliche Mutter ihrer Kinder gezeigt und daran erinnert, daß die Kleinen, die Armen die von Gott Bevorzugten sind und ihnen das Geheimnis des Himmelreiches offenbart ist.

Liebe Freunde, Maria, die den Sohn mit ihrem Glauben bis unter das Kreuz begleitet hat; sie, die durch einen geheimnisvollen Plan mit den Leiden Christi, ihres Sohnes, tief verbunden war, wird es nie müde uns aufzurufen, die Erfahrung des Leidens und der Krankheit mit zuversichtlichem Vertrauen zu leben und zu teilen, indem wir diese dem Vater voll Glauben darbringen und so in unserem Fleisch das ergänzen, was an den Leiden Christi noch fehlt (vgl. Kol 1,24). Dabei kommen mir die Worte in den Sinn, mit denen mein verehrter Vorgänger Paul VI. das Apostolische Schreiben Marialis cultus beendete: »Dem heutigen Menschen, der nicht selten zwischen Angst und Hoffnung hin- und hergerissen wird, von der Erfahrung seiner Grenzen niedergedrückt und von grenzenlosen Erwartungen bestürmt wird, … vermittelt die Jungfrau Maria, wenn sie in ihrer biblischen Gestalt und in der von ihr in der Stadt Gottes bereits erlangten Wirklichkeit betrachtet wird, eine hoffnungsvolle Sicht und ein ermunterndes Wort: den Sieg der Hoffnung über die Angst, der Gemeinschaft über die Einsamkeit, des Friedens über die Verwirrung, der Freude und der Schönheit über die Langeweile und den Verdruß, der ewigen Dimensionen über die zeitlichen, des Lebens über den Tod« (Nr. 57). Das sind Worte, die unseren Weg erhellen, auch wenn der Sinn für die Hoffnung und die Sicherheit der Genesung zu entschwinden scheinen; es sind Worte, von denen ich möchte, daß sie besonders diejenigen aufrichten, die an schweren und schmerzhaften Krankheiten leiden.

Eben diesen besonders betroffenen Brüdern und Schwestern widmet der heutige Welttag der Kranken seine Aufmerksamkeit. Wir möchten sie die physische und geistliche Nähe der ganzen christlichen Gemeinschaft spüren lassen. Es ist wichtig, daß wir sie nicht allein lassen, daß sie nicht vereinsamen, wenn sie eine so schwere Zeit durchmachen.

Diejenigen, die ihnen mit Geduld und Liebe durch ihre berufliche Kompetenz und ihre menschliche Wärme dienen, haben große Verdienste. Ich denke an die Ärzte, die Pfleger, das Krankenpersonal, die freiwilligen Helfer, die Ordensleute und die Priester, die sich nicht schonen und sich wie der barmherzige Samariter über sie beugen, ohne auf ihren sozialen Stand, ihre Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit zu achten, sondern nur auf das, was sie nötig haben. Im Antlitz eines jeden Menschen, noch mehr, wenn es von der Krankheit gezeichnet und entstellt ist, erstrahlt das Antlitz Christi, der gesagt hat: »Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan« (Mt 25,40).

Liebe Brüder und Schwestern, in Kürze wird eine stimmungsvolle Lichterprozession die Atmosphäre neu lebendig werden lassen, die in Lourdes beim Einbruch des Abends unter den Pilgern und Gläubigen entsteht. Der Gedanke geht zur Grotte von Massabielle, wo sich das menschliche Leiden und die Hoffnung, die Angst und das Vertrauen kreuzen. Wie viele Pilger finden, vom Blick der Gottesmutter getröstet, in Lourdes die Kraft, den Willen Gottes, auch wenn er sie Verzicht und Schmerz kostet, leichter zu erfüllen, dies im Bewußtsein, daß Gott – wie der Apostel Paulus schreibt – bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt (vgl. Röm 8,28).

Die brennende Kerze, die ihr in den Händen haltet, sei auch für euch, liebe Brüder und Schwestern, das Zeichen des aufrichtigen Verlangens, mit Jesus zu gehen, dem Glanz des Friedens, der die Finsternis erhellt und uns drängt, selbst Licht und Stütze zu sein für unseren Nächsten. Niemand, besonders wer sich in der Lage schweren Leidens befindet, darf sich einsam und verlassen fühlen. Ich vertraue euch alle heute abend der Jungfrau Maria an. Sie wurde, nachdem sie unsägliches Leiden erfahren hat, in den Himmel aufgenommen, wo sie uns erwartet und wo wir – so hoffen wir – mit ihr eines Tages die Herrlichkeit ihres göttlichen Sohnes teilen können, die Freude ohne Ende. Mit diesen Empfindungen erteile ich allen hier Anwesenden und euren Lieben meinen Segen.

[© Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]