Lichtblick im Sudan

Im größten Land Afrikas wurde ein Friedensabkommen unterzeichnet

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NAIROBI, 12. Januar 2005 (ZENIT.org).- Im Sudan haben Regierung und Volksbefreiungsarmee (SPLA) nach über 20 Jahren Krieg einen wichtigen Schritt hin zu einem endgültigen Frieden gesetzt: Im kenianischen Naivasha unterzeichneten Feldkommandeure der Regierungsarmee und der südsudanesischen Rebellenbewegung vergangenen Freitag einen unbefristeten Waffenstillstand. Teil des Abkommens ist auch eine Absichtserklärung zur Umsetzung eines künftigen Friedensabkommens.



Der im Jahre 1983 angebrochene Krieg im Südsudan hat rund zwei Millionen Menschenleben verschlungen und geschätzte 3,5 Millionen Personen in die Flucht geschlagen oder vertrieben.

Der bewaffnete Konflikt brach aus, als der ehemalige Präsident des Sudans, Gaafar al-Nimeiry, das islamische Recht (Scharia) einführte. 1989 wurde im Südsudan eine Islamisierung auch mit gewalttätigen Mitteln vorangetrieben. Seitdem standen sich das Regime im Norden – die aus weißen, arabischen Muslims bestehende Regierung in Karthum – und die Aufständischen im Südens – die schwarze, meist christliche und animistische Bevölkerung – feindlich gegenüber.

Das historische Waffenstillstandsabkommen wurde im "Nyayo National Stadium" von Nairobi, der Hauptstadt Kenias, unterzeichnet. Es zieht den Schlussstrich hinter die seit Oktober 2002 andauernden Verhandlungen.

Laut Abkommen soll im Norden des Landes weiterhin die Scharia gelten. Im Gegenzug soll der nichtarabische Südsudan für die nächsten sechs Jahre unter Führung der SPLA-Rebellen autonom sein. Danach soll eine Volksabstimmung über die weitere Zukunft des Südens entscheiden.

In der Übereinkunft ist auch festgeschrieben, wie die Staatseinnahmen, unter anderem stammen sie aus den im Sudan vorhandenen Ölreserven, zwischen der Zentralregierung in Khartum und der Autonomieregierung in Juba aufgeteilt werden sollen.

Vizepräsident Ali Osman Taha und der Rebellenanführer John Garang unterzeichneten den Vertrag, der die Friedenshoffnungen für den Sudan wieder wach werden lässt. Als Zeugen der Unterzeichnung fungierten der Mwai Kibaki, amtierender Präsident von Kenia, sowie Yoweri Museveni, Präsident von Uganda. Der Staatschef des Sudan, Omar Hassan el-Bashir, US-Außenminister Colin Powell, UN-Generalsekretär Kofi Annan und EU- Vertreter waren ebenfalls zugegen, wie auch die Präsidenten von Tansania, Algerien, Ruanda, Burundi und Somalia, die Ministerpräsidenten Äthiopiens und des Tschad, der südafrikanische und der nigerianische Vizepräsident, der Generalsekretär der Arabischen Liga und Diplomaten aus aller Welt.

Der Erzbischof von Karthum, Kardinal Gabriel Zubeir Wako, befand sich ebenfalls unter den Gästen der Zeremonie. In einem Resümee in Radio Vatikan sagte sein Kollege im Bischofsamt, Msgr. Cesare Mazzolari, Bischof von Rumbek: "Der Unterzeichnungstermin des Friedensabkommens ist ein bedeutsames Ereignis". Die Teilnahme vieler wichtiger Persönlichkeiten sei ein Zeichen für ein "wunderbares und historisches Abkommen, dass eine Erwartung aufbaut, die nicht so schnell enttäuscht werden wird."

Die kommenden sechs Monate bezeichnete der Bischof als eine "schwere Zeit", da sowohl der Norden als auch der Süden zunächst die jeweiligen Verfassungen ausarbeiten müssten, um autonom regieren zu können. Diese bedeutsamen Monate "können positive Anstöße geben oder zum Anlass für neue Konflikte werden", erklärte der Bischof.

Die Unterzeichnung sei "ein historisches Ereignis, das dem Normalisierungsprozess am Horn von Afrika, einem der Brandherde in Afrika, dienen" müsse, informierte seinerseits Pater Giulio Albanese, Comboni-Missionar und Journalist. Bis vor kurzem war er Leiter der Agentur "Misna", die sich auf Berichte aus der Südhalbkugel spezialisiert hat.

Albanese gibt zwar zu, dass die Scharia tatsächlich zum Ausbruch des Konflikts geführt hätte, danach seien aber schon bald die Ölinteressen im Vordergrund gestanden. Im historischen Abkommen sei nun aber auch dieses Problem angeführt worden.

Beide Kriegsparteien hätten die Rechte der Zivilisten grob verletzt, kritisierte Pater Giulio Albanense. Die Bemühungen der Zivilbevölkerung seien vollkommen ignoriert worden. Zusammen mit der katholischen Kirche habe sie sich für das Los der Sudanesen eingesetzt und eine genaue Befolgung der Menschenrechte eingefordert.

Bis zu einem normalen Leben im größten afrikanischen Land sei wohl noch ein langer Weg zu gehen und viele Spannungen zu bewältigen, so der Priester.

Einen dunklen Schatten über das Abkommen wirft der seit 2003 schwellende Konflikt in Darfur. Die sudanesische Regierung wird von zwei autonomen Befreiungsgruppen angeklagt, sich nicht um die vorwiegend schwarze Bevölkerung in Darfur zu kümmern und obendrein die Milizen der sogenannten "Janjaweed" zu finanzieren, die unter der Zivilbevölkerung Tod und Schrecken säen. Beide Gruppen, die "Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit" (JEM) und die "Sudanesische Befreiungsarmee" (SLA-M), haben aus diesem Grund die Waffen gegen Karthum erhoben.

SPLA-Führer John Garang hat in Naivasha versprochen, nach Antreten seines neuen Regierungsamts in Juba diesem Konflikt ein baldiges Ende zu bereiten.

Der vor zwölf Jahren des Landes verwiesene Bischof der Diözese El Obeid, Msgr. Macram Max Gassis, der seither in Kenia lebt, zeigte sich nach der Unterzeichnung gegenüber "Misna" einigermaßen optimistisch. "Wir werden sehen, wie diese Beschlüsse