Lichtermeer im Circus Maximus

Gebetsvigil in Erwartung der Seligsprechung Johannes Pauls II. in der Nacht zum Sonntag

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Von Jan Bentz

ROM, Sonntag, 1. Mai, 2011 (ZENIT.org). – Am Vorabend der Seligsprechung Johannes Pauls II. am 1. Mai fand im Circus Maximus eine Gebetsvigil zur Ehren des polnischen Papstes statt. Das Ereignis hatte die Diözese in Zusammenarbeit mit der Stadt Rom organisiert. Zweihunderttausend Pilger aus allen Kontinenten verwandelten mit ihren Kerzen das Gelände in ein buntes Lichtermeer.

Eröffnet wurde die Gebetsvigil von dem Kardinalvikar der Diözese Rom, Agostino Vallini. Danach entfaltete sich vor dem eigentlichen Gebet in froher Atmosphäre ein buntes Programm voll Musik, Zeugnissen und Erinnerungen an den früheren Papst. Filmausschnitte und Bilder führten die Gestalt dieses großen Bekenners eindrucksvoll vor Augen.

Dr. Joaquín Navarro-Valls, der frühere Sprecher des neuen Seligen, berichtete von seinen persönlichen Erfahrungen mit dem polnischen Papst. Er erinnere sich besonders gerne an die vielen Momente des Gebetes, deren Zeuge er wurde, so berichtete er. "Johannes Paul II.  schien kleine Karten zu lesen. Dann erklärte er mir, dass es sich um die gesammelten Gebetsanliegen aus vielen tausenden Briefen handle, die er Gott selber vortragen wollte“. „Er hatte nie Zeit, für seine eigenen Anliegen zu beten“. Besonders beeindruckt habe ihn auch, dass der Papst jede Woche gebeichtet habe, „manchmal musste ich sogar auf ihn warten, weil er noch in der Beichte war.“

Mit bewegten Worten schilderte die von ihrer Parkinson-Erkrankung geheilte Schwester Marie Simon Pierre den Morgen ihrer Heilung. Sie habe gegen ihren Willen aus Schwäche ihre Arbeit aufgeben müssen, schließlich sei sie bettlägerig geworden. Ihre Mitschwestern hätten intensiv für sie gebetet und Johannes Paul II. um Fürsprache gebeten. So sei es geschehen, dass sie schon in einer Nacht gespürt habe, dass etwas in ihr vorgegangen sei, „am Morgen bin ich zur Heiligen Kommunion gegangen und ich habe gespürt, dass sich etwas gewandelt hat – ich war geheilt“.

Sein langjähriger Sekretär des Papstes, Stanisław Kardinal Dziwisz war der Mensch, zu dem Johannes Paul II. am längsten eine freundschaftliche Beziehung gehabt hatte. Er berichtete: „Als ich der Überführung des Sarges beiwohnte, kam es mir vor, als erhebe sich nicht nur der Sarg aus dem Grab, sondern es schien mir, als ob er selber jetzt zu uns zurückkommen würde.“ Zu den anwesenden Pilgern gewandt fuhr er fort: „Aber er ist jetzt ja auch hier auf diesem Platz zugegen… morgen wird er dann von euch verehrt werden können“. Er habe den Papst vor allen Dingen kniend vor dem Allerheiligsten gesammelt im Gebet erlebt. „Zweimal nur war er wirklich zornig: einmal bei einer Ansprache, in der er die Mafia verurteilte, und ein anderes Mal, als er vor dem Angelusgebet gegen den Krieg predigte.“

Msgr. Marco Frisina, musikalischer Leiter der Diözese Rom, der offiziell mit der musikalischen Gestaltung dieser Festtage beauftragt worden war, führte mit seinem vielköpfigen diözesanen Chor und dem jungen Orchester des Konservatoriums Santa Cecilia seine eigenen Kompositionen auf, wie ‚Jesus Christ, you are my life‘, die Weltjugendtagshymne 2002, und die zu dem Anlass neu komponierte offizielle Hymne des neuen Seligen ‚Totus Tuus‘. Verschiedene Chöre aus den mehreren Ländern, wie die polnische Gruppe "Gaudium Poloniae", sangen Vertonungen des Ave Maria.

Die eigentliche Gebetswache bestand aus dem lichtreichen Rosenkranz, den Betrachtungen, die der neue Selige der Kirche geschenkt hatte. Das Vaterunser wurde jeweils von Kardinalvikar Agostno Vallini in lateinischer Sprache vorgebetet, die einzelnen Gesätze wurden per Liveschaltung vor allem von Jugendlichen und Kindern aus fünf Marienheiligtümern in der ganzen Welt in der jeweiligen Landessprache übertragen: 1. Geheimnis: Heiligtum von Łagniewniki in Krakau; 2. Geheimnis: Heiligtum Kawekamo in Tansania; 3. Geheimnis: Notre Dame vom Libanon; 4. Geheimnis: Basilika Maria von Guadalupe in Mexiko; 5. Geheimnis: Heiligtum Fatima, Portugal. Ein Marienlied bildete jeweils den Abschluss, sodass ein tiefer Eindruck der verschiedenen katholischen Traditionen der jeweiligen Länder vermittelt wurde. Es entstand eine vielfältige, weltumspannende Gebetsgemeinschaft, zu der auch Papst Benedikt XVI. live zugeschaltet war.

Dieser sprach dann auch mit bewegter Stimme das Abschlussgebet und spendete anschließend allen seinen apostolischen Segen.