„Liebe bringt näher!" - Papst Benedikt XVI. zum Gaudete-Sonntag

Statt Unruhe angesichts der Wiederkunft schenkt der Heilige Geist die Gewissheit der Liebe Gottes

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ROM, 15. Dezember 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. gestern, am dritten Adventsonntag, zum Angelus gehalten hat.


Der Heilige Vater betonte am so genannten „Gaudete-Sonntag", dass die „Nähe" Gottes keine Frage des Raumes und der Zeit sei, sondern eine Frage der Liebe: Die Liebe bringt näher!

 

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Liebe Brüder und Schwestern,

dieser Sonntag, der dritte der Adventszeit, wird der „Gaudete-Sonntag“, „freuet Euch“, genannt, da der Eröffnungsvers der Heiligen Messe ein Wort des heiligen Paulus aus dem Brief an die Philipper aufgreift, das da lautet: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“Und sofort darauf fügt der heilige Paulus die Begründung hinzu: „Der Herr ist nahe“ (Phil 4,4-5). Das ist also der Grund zur Freude.

Was aber heißt das: „Der Herr ist nahe“? In welchem Sinn sollen wir diese Nähe Gottes verstehen?

Der Apostel Paulus denkt offensichtlich an die Wiederkunft Christi, als er an die Christen von Philippi schreibt, und lädt sie ein, sich zu freuen, da diese gewiß sei. Dennoch weist der heilige Paulus in seinem Brief an die Thessalonicher darauf hin, dass niemand weder die Zeit noch die Stunde des Kommens des Herrn kennen kann (vgl. 1 Thess 5,1-2), und warnt vor jeder Art der Unruhe, als ob die Wiederkunft Christi gleichsam unmittelbar bevorstünde (vgl. 2 Thess 2,1-2).

So verstand bereits damals die vom Heiligen Geist erleuchtete Kirche immer besser, dass die „Nähe“ Gottes keine Frage des Raumes und der Zeit ist, sondern eine Frage der Liebe: Die Liebe bringt näher!

Das kommende Weihnachtsfest ruft uns diese grundlegende Wahrheit unseres Glaubens in Erinnerung, und vor der Krippe werden wir die christliche Freude genießen können, während wir im neugeborenen Jesus das Antlitz des Gottes betrachten, der aus Liebe zu uns gekommen ist.

[Am dritten Adventssonntag kommen traditionell die Kinder Roms auf den Petersplatz zum Angelusgebet und bringen die Jesuskinder mit, die am Heiligen Abend in die Krippe gelegt werden, um sie vom Bischof von Rom segnen zu lassen. Benedikt XVI. grüßte die Kinder mit folgenden Worten:]

Angesichts dessen ist es mir eine wahre Freude, die schöne Tradition der Segnung der „Bambinelli“ zu erneuern, der kleinen Figuren des Jesuskindes, die in die Krippe gelegt werden.

Ich wende mich insbesondere an euch, liebe Kinder und Jugendliche von Rom, die ihr heute Vormittag mit euren „Bambinelli“ gekommen seid, die ich jetzt segnen werde. Ich lade euch ein, euch mir anzuschließen und dabei aufmerksam diesem Gebet zu folgen:

Gott, unser Vater,

du hast die Menschen so sehr geliebt,

dass du uns deinen einzigen Sohn Jesus gesandt hast,

geboren von der Jungfrau Maria,

um uns zu erlösen und zu dir zu führen.

Wir bitten dich, dass mit deinem Segen

diese Bilder Jesu, der zu uns kommt, in unseren Häusern

Zeichen deiner Gegenwart und deiner Liebe seien.

Guter Vater,

schenke Deinen Segen auch uns,

unseren Eltern, unseren Familien und unseren Freunden.

Öffne unser Herz,

damit wir Jesus freudig empfangen,

immer tun, was er von uns will,

und ihn in allen sehen,

die unserer Liebe bedürfen.

Darum bitten wir dich im Namen Jesu,

deines geliebten Sohnes, der kommt, um der Welt den Frieden zu schenken.

Er lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

Und jetzt beten wir zusammen das Gebet des Angelus Domini und bitten so um die Fürsprache Marias, damit Jesus, durch dessen Geburt den Menschen der Segen Gottes gebracht wird, voller Liebe in allen Häusern Roms und der ganzen Welt aufgenommen werde.

[Nach dem „Engel des Herrn“ begrüßte der Heilige Vater die Gläubigen. Auf Deutsch sagte er:]

Gerne grüße ich die Pilger und Besucher deutscher Sprache. „Der Herr ist nahe“ lautet der freudige Ruf zur Eröffnung der Meßfeier am dritten Adventssonntag. Schon strahlt das Licht der Heiligen Nacht in die Zeit des Advents hinein. Aus der Vorfreude auf das Kommen des Herrn wollen wir neue Kraft schöpfen, um uns noch mehr auf die Begegnung mit Ihm einzustellen. Öffnen wir Christus unser Herz, damit Er uns mit Seiner Gegenwart erfülle und uns fähig mache, die Botschaft vom Heil zu den Menschen zu bringen. Der Herr segne euch und eure Lieben.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2008 – Libreria Editrice Vaticana]