Liebe darf wehtun

Aktueller Impuls zur Aktion „Nazaret-Gebet“ 2009 der Wiener Berufungspastoral

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ROM, 7. Juli 2009 (ZENIT.org).- Liebe ist mehr als ein Gefühl. Daran erinnern die folgenden Gedanken, die einer Betrachtung der Schönstatt-Bewegung zur Initiative Nazaret-Gebet 2009 der Berufungspastoral der Erzdiözese Wien entnommen sind. Sie wollen insbesondere jene Eltern inspirieren, die im Rahmen der Nazaret-Gebet-Initiative täglich den „Angelus“ für die Berufung ihrer Kinder beten.

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„Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.“ (Mt 5,38f)

Betrachtung

Wer hasst, kann immer Gründe aufzählen für seinen Hass. Er weiß genau, was, wann und wo der andere Böses getan hat. Wer liebt, braucht keine Argumente. Er umarmt den anderen: Er gibt ihm einen Platz in seinem Herzen, ein Zuhause im Heiligtum seiner Seele.

Für Pater Kentenich gab es diese Alternative – Hass oder Liebe – nicht. Für ihn war Begegnung mit anderen Menschen immer mit der Bereitschaft verbunden, die Last des anderen zu tragen, seinem Wohl zu dienen. „Wo edle Herzen innig schlagen und opferfreudig sich ertragen...“ – darin sah Pater Kentenich das Ideal.

Wenn ich mich gütig einem anderen zuwende, dann tut das oft einfach weh – weil der andere eben anders ist und deshalb fremd. Es kommt nicht darauf an, dass der Partner, mein Sohn, meine Tochter, mein Arbeitskollege mir entspricht, sondern dass ich ihn annehme. Liebe darf wehtun.

Jesus ist auf Golgotha für uns gestorben. So entsteht Friede: Einer opfert sich für den anderen. Das ist im wahrsten Sinn des Wortes ein geistig-seelisches „Umarmen“. Wer den anderen umarmt, hat ihn nicht „im Griff“. Er umgibt den Fremden mit seiner Liebe.

Jesus hat auf Golgotha nicht zuerst gefragt, ob er die Menschen, die ihn gekreuzigt haben, versteht. Er ist für sie gestorben.

Wenn es uns gelingt, das Kreuz und Leid unseres Lebens dem ewigen Vater in Christus zu schenken – für den Menschen, der uns leiden macht –, dann entsteht eine neue Verbundenheit. Wenn wir den anderen auch nicht verstehen – wir lieben ihn: „In Christus Jesus sind wir eng verbunden, vereinigt tief in seinen heiligen Wunden.“

Gebet
Vater im Himmel, lieber Gott!
Lass meine Liebe immer stärker werden. Lass mich nicht mehr danach fragen, wie es mir selber dabei geht. Ich liebe – das ist genug.
Jeder Tag bringt neue Begegnungen. Der Strom der Liebe, der von mir ausgeht, soll immer bleiben.
Ich nehme teil an der Liebe und am Leiden des Herrn. Ich schenke mich dir, mein Gott, in Christus und mit ihm. Amen.

Leitgedanke für die Woche
Ich suche in meiner Umgebung einen Menschen,
-- mit dem ich mich nicht so gut verstehe,
-- dessen Art mir fremd ist,
und schenke dem lieben Gott für ihn die Opfer des heutigen Tages.

(nach: „Für den Frieden in der Welt.“ Neun-Tage-Gebet, Tilmann Beller)