Liebe für das Volk und Demut sollen die Tugenden der Regierenden sein

Predigt des Papstes in der "Domus Sanctae Marthae"

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 509 klicks

Demut und Liebe sind die unverzichtbaren Charakteristiken derjenigen, die regieren. Die Bürger hingegen haben die Pflicht, sich für die Politik zu interessieren, so die Worte von Papst Franziskus während der heutigen Predigt in Santa Marta. Die Anregung, über den Dienst der Obrigkeiten nachzudenken, entnahm der Pontifex der heutigen Lesung aus dem ersten Paulusbrief an Timotheus 2,1-8 und dem Evangelium nach Lukas 7,1-9, in dem ein Hauptmann mit Demut und Vertrauen um die Heilung seines Dieners bittet.

Wer regiere, müsse sein Volk lieben, so Papst Franziskus, denn ein Regierender, der nicht liebe, könne nicht regieren. Er könne disziplinieren, etwas in Ordnung bringen, aber nicht regieren. Dabei dachte der Pontifex an David, wie er sein Volk liebte, so sehr, dass er um eine Bestrafung für sich selbst und nicht für sein Volk bat. So seien die beiden Tugenden eines Regierenden die Liebe für sein Volk und Demut.

„Man kann nicht ohne Liebe für sein Volk und ohne Demut regieren! Und jeder Mann und jede Frau, die ein Regierungsamt übernehmen, müssen sich diese beiden Fragen stellen: ‚Liebe ich mein Volk, um ihm besser zu Diensten sein zu können? Bin ich demütig, und höre ich auf alle, die unterschiedlichen Meinungen, um den besten Weg zu wählen?‘ Wenn er oder sie sich nicht diese Fragen stellt, wird die Regierung schlecht sein. Der Regierende, ob Mann oder Frau, der sein Volk liebt, ist ein demütiger Mann oder eine demütige Frau.“

Der heilige Paulus rufe alle dazu auf, für diejenigen zu beten, die an der Macht seien, damit alle ein ruhiges Leben führen könnten. Die Bürger dürften sich nicht von der Politik abwenden.

„Niemand von uns kann sagen: ‚Ich habe damit nichts zu tun, sie regieren…‘. Nein, so ist es nicht, auch ich bin für ihr Regieren verantwortlich und ich muss alles tun, damit sie gut regieren, und alles tun, um an der Politik teilzunehmen, so gut ich kann. Die Politik, so die Lehre der Kirche, ist eine der ältesten Formen der Barmherzigkeit, weil sie dem Allgemeinwohl dient. Wir alle müssen etwas tun.“

Papst Franziskus sagte, es gebe die Gewohnheit, über die Regierenden nur schlecht zu reden und sich darüber den Mund zu zerreißen, was alles schlecht laufe. Vielleicht sei der Regierende ein Sünder wie David, aber alle müssten durch ihre Meinung mitwirken, mit ihren Worten, auch mit Korrekturen, denn alle müssten am Allgemeinwohl teilnehmen. Es sei kein guter Weg zu sagen, als guter Katholik mische man sich nicht in die Politik ein.

„Ein guter Katholik mischt sich in die Politik ein, indem er das Beste von sich anbietet, damit der Regierende regieren kann. Aber was ist das Beste von uns, das wir den Regierenden anbieten können? Das Gebet! Es ist das, was Paulus sagt: ‚Gebet für alle Menschen und den König und alle, die an der Macht sind.‘ Bete für alle, dass sie gut regieren können, dass sie ihr Volk lieben, dass sie ihrem Volk dienen können, dass sie demütig sind! Ein Christ, der nicht für die Regierenden betet, ist kein guter Christ! Und das sage nicht ich, das sagt der heilige Paulus, das Wort Gottes. … Geben wir das Beste von uns, Ideen, Vorschläge, das Beste, vor allem im Gebet. Beten wir für die Regierenden, auf dass sie uns gut regieren mögen, dass sie unser Land, unsere Nation vorwärts bringen, und auch für die Welt, dass Frieden und Allgemeinwohl herrschen.“