"Liebe, wie leidest du in dem Hass dieser Zeit! Hass der Zeit, wie quälst du die Liebe der Ewigkeit!"

Seliger Carl Lampert (1894-1944)

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 224 klicks

Carl Lampert war der ranghöchste Geistliche, der in Österreich von den Nationalsozialisten verfolgt, inhaftiert und getötet wurde. „Durch sein Tun und seine Haltungen wurde Carl Lampert zum Zeugen für jenes Heil, das Gott der Welt schenken will“, so der Bischof von Feldkirchen, Elmar Fischer, anlässlich der Seligsprechung Carl Lamperts am 13. November 2011 in Dornbirn. 

Carl Lampert wurde am 9. Januar 1894 in Göfis in Vorarlberg als Kind einer Bauernfamilie geboren. Nach Schulzeit und Studium wurde er am 12. Mai 1918 zum Priester geweiht. Anschließend war Carl Lampert bis 1930 als Kaplan in Dornbirn tätig. Von 1930 bis 1935 verbrachte Lampert einen Studienaufenthalt in Rom, wo er Kirchenrecht studierte. Nach dem Abschluss der Studien in Rom kehrte Lampert nach Innsbruck zurück. Hier wurde er 1935 zum Leiter des kirchlichen Gerichtes, an dessen Aufbau er beteiligt gewesen war, berufen. Im folgenden Jahr wurde Lampert außerdem die Leitung der Verlagsanstalt Tyrolia übertragen.

Am 15. Januar 1939 wurde Carl Lampert von Paulus Rusch, der seit 1938 Apostolischer Administrator von Innsbruck-Feldkirch war, zum Provikar ernannt. In der Folgezeit setzte sich Lampert couragiert gegen die kirchenfeindlichen Maßnahmen der Gestapo ein und wurde mehrfach deswegen inhaftiert: im März 1940 im Rahmen der Enteignung des Klosters der Ewigen Anbetung in Innsbruck, Ende März 1940 im Rahmen eines Berichts von Radio Vatikan über die Verfolgung der katholischen Kirche in Innsbruck und Vorarlberg und am 5. Juli 1940 wegen des Aufsetzens einer Todesanzeige für den Pfarrer Otto Neururer.

Otto Neururer (25. März 1882 – 30. Mai 1940) war 1938 von der Gestapo verhaftet worden. Er wurde zunächst ins KZ Dachau, dann ins KZ Buchenwald gebracht. Auch im KZ verrichtete Otto Neururer unbeirrt weiter seinen priesterlichen Dienst. Nachdem er einem Mithäftling das Taufsakrament gespendet hatte, wurde er in den sogenannten „Bunker“ verbracht. Sein Tod wurde am 30. Mai 1940 gemeldet, seine Aschenurne in seine Heimatgemeinde gesandt.

Als Carl Lampert von dem Tod Otto Neururers erfuhr, setzte er zum Begräbnis der Urne eine Todesanzeige auf, in der er das KZ Buchenwald als den Todesort Otto Neururers angab. Daraufhin wurde Carl Lampert ein „Verstoß gegen die NS-Geheimhaltungsvorschriften“ vorgeworfen, und er wurde am 5. Juli 1940 ins Polizeigefängnis in Innsbruck gebracht. Von dort aus wurde Lampert am 25. August zunächst nach Dachau deportiert. Es folgte anschließend die Deportierung nach Sachsenhausen. Nach drei Monaten im KZ Sachsenhausen kehrte Lampert am 15. Dezember 1940 wieder nach Dachau zurück und blieb dort bis zum 1. August 1941.

Nach seiner Freilassung war es Carl Lampert nicht mehr erlaubt, in seine Gemeinde zurückzukehren, da er einen Gauverweis erhalten hatte; stattdessen wurde er nach Stettin versetzt. Hier war Lampert als Seelsorger tätig. Doch die Gestapo verfolgte ihn weiter und ließ ihn von einem Mitarbeiter bespitzeln, der belastendes Material gegen Lampert zusammentrug. Am 4. Februar 1943 wurde Lampert deshalb erneut verhaftet. Das gleiche Schicksal widerfuhr insgesamt 40 Geistlichen und Ordensschwestern aus Stettin.

Am 20. Dezember 1943 wurde Lampert zum Tode verurteilt. Da sich der Vorsitzende Richter aus Gewissensgründen vor der Unterzeichnung des Urteils erschossen hatte, erging ein weiteres Urteil, das aus Formgründen jedoch unwirksam war. Das endgültige Urteil gegen Carl Lampert wurde am 8. September 1944 ausgesprochen.

Zwei Monate später, am 13. November 1944, wurde Carl Lampert mit Pater Friedrich Lorenz und Herbert Simoneit in Halle an der Saale durch das Fallbeil hingerichtet.

„Liebe, wie leidest du in dem Hass dieser Zeit! Hass der Zeit, wie quälst du die Liebe der Ewigkeit!“ (Carl Lampert

Über 100 Briefe Carl Lamperts aus den Jahren 1940 bis 1944, das heißt von seiner Inhaftierung bis zu seinem Tod, sind erhalten. Die Briefe, die aus dem Nachlass seines Bruder Julius Lampert stammen, wurden vor circa 30 Jahren der Diözese VoralbergVorarlberg von der Heimatgemeinde Lamperts Göfis übergeben und befinden sich nun im Carl-Lampert-Archiv der Diözese Feldkirch. 

Die Briefe Carl Lamperts geben einen Einblick in „viele erschütternde Details seiner Haft und Verfolgung“ …, „aber (in) auch das unerschütterliche Gottvertrauen, seine Freude an kleinen Dingen oder seine Sorge um seine Lieben.“ Die Briefsammlung kann unter diesem Link eingesehen werden. 

Vor seinem Tod verfasste Carl Lampert am 13.11.1944 einen Abschiedsbrief an seinen Bruder, Julius Lampert, aus dem hier ein Auszug veröffentlicht wird (AT-ADF 5. CL PA Göfis 4.39.) 

13. 11. [1944] nachm[ittags] 2 Uhr !

Lieber, lieber, guter Bruder!

Nun ist die Stunde gekommen, – die ‚so schmerzliche’ für Dich u[nd] all meine Lieben, die ‚erlösende’ für mich! Der Kreuzweg geht nun zur letzten Station, tenebrae factae sunt, – sed dies albescit, – in Te, Domine, speravi, Alleluja!“ [Finsternis ist geworden, – aber der Tag leuchtet auf, – auf dich, Herr, habe ich gehofft. Alleluja!] – So hoffe ich, er wird nun kommen. Nun sage ich mein letztes Lebewohl Dir, mein bester Julius! Du warst mir ein guter, treuer Bruder; es tut mir so weh, dass ich Dir diesen Schmerz bereiten muss. … Ich bin nun recht arm, kann Dir nichts mehr schenken als meine treue Bruderliebe u[nd] Sorge übers Grabhinaus; denn die Liebe stirbt janicht, u[nd] ich trage sie nun zum Quell aller Liebe, zu Gott, und dort wird sie nur noch inniger, reiner, fester u[nd] hilfreicher – so wollen wir einander lieben u[nd] Bruder sein bis zum frohen Wiedersehen – u[nd] dann erst recht!! – Julius, dann erst recht selig und froh! Sei nicht traurig, – es ist ja nur ein Übergang – u[nd] ich darf nun vor Dir zum Vater i[m] Himmel, z[um] l[ieben] Jesus Z[ur] l[ieben] Muttergottes, zu all unsern l[ieben] Angehörigen, Freunden und Nachbarn – grüß’ mir zum letzten Mal meinen l[ieben] Osky u[nd] die ganze Pfarrgemeinde, – ich werde niemanden vergessen, u[nd] bitte, auch mich nicht zu vergessen; – allen, allen Helfern mein innigstes Vergeltsgott! – Oh, wie bin ich froh, dass endlich ein Ende kommt von all dem harten Leid! – Nun geht ‘s heim! – u[nd] ich bleib’ doch bei Euch. – – – Lebt wohl, wohl, wohl! – Auf Wiedersehen!

Von Herzen grüßt Dich für immer Dein Carl

Wie viel möchte ich noch schreiben!“