Liturgie als Herz der Mission wiederentdecken

Mitglieder des Neokatechumenalen Weges in Audienz bei Papst Benedikt XVI.

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VATIKANSTADT, 20. Januar 2012 (ZENIT.org). – Am heutigen Vormittag empfing Papst Benedikt XVI. ca. 7.000 Mitglieder des Neokatechumenalen Weges in einer Audienz in der Aula Pauls VI. Der Papst lobte das missionarische Wirken der Gemeinschaft und betonte, die Kirche sehe in ihr das Wirken des Heiligen Geistes, was sich in der Anerkennung der Statuten ausdrücke. Der um sich greifende Säkularismus habe in der heutigen Zeit den Sinn für Gott getrübt und die christlichen Werte verdunkelt. Die Gemeinschaft leiste einen besonderen, wertvollen und unersetzlichen Beitrag zur Verkündung des Evangeliums, in Einheit mit der ganzen Kirche.

In seiner Ansprache begrüßte der Papst zunächst besonders den Gründer Kiko Argüello, Carmen Hernández und Don Mario Pezzi  und hob hervor, dass deren Anwesenheit heute ein sichtbares Zeichen der Einheit mit dem Nachfolger Petri und der ganzen Kirche sei.

In seiner Rede stützte sich der Heilige Vater auf die Lesung des Tages aus dem Matthäusevangelium, das von der Bekehrung aller Völker spricht: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“ (Mt 28, 19). Nach der anfänglichen Niedergeschlagenheit und Zurückhaltung habe die Apostel der Missionsgeist ergriffen. Die Worte Jesu „Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20) hätten auch eine tiefe Verwurzelung in den Herzen der Mitglieder des Neokatechumenalen Weges gefunden.

Der Neokatechumenale Weg habe sich seit seiner Gründung zur Aufgabe gemacht, Christus durch das Wort, durch Großzügigkeit und mit der Aufgabe der persönlichen und materiellen Sicherheiten zu verkünden.

„Christus zu den Menschen bringen und den Menschen zu Christus zu bringen“ sei die Seele seiner Evangelisierungsarbeit.

Einsatzgebiete dieser Mission seien zum einen Orte, an denen Christus noch nicht bekannt sei, eine „missio ad gentes“; dann aber auch Orte, an denen er in Vergessenheit geraten sei oder durch die Säkularisierung sogar bekämpft werde. Mit einem rechten „sensus Ecclesiae“ könne die große Masse der Menschen durch das Zeugnis des Neokatechumanalen Weges zum Glauben kommen.

„Die kirchliche  Anerkennung des ‚Katechetischen Direktoriums des neokatechumenalen Weges‘  sei euch ein Zeichen, dass ihr ein besonderes Geschenk des Heiligen Geistes an die Kirche seid“, erklärte der Papst.

Vor allem werde die Mission durch die Familie bewerkstelligt, die als Grundzelle der Gesellschaft eine besondere Bedeutung innehabe. „Liebe Familien, die Kirche dankt euch. Sie braucht euch für die Neuevangelisierung“, so der Heilige Vater.

Aber auch die Arbeit der Priester und Seminaristen in ihrer Ganzhingabe an Christus habe einen besonderen Stellenwert, deren Kern im Weitervermitteln der Schönheit des Glaubens liege, die sie von Christus erfahren hätten.

Der Heilige Vater nutzte die Gelegenheit, die besondere Stellung der Liturgie in der Mission hervorzuheben, die das Werk Christi und seines mystischen Leibes, der Kirche, sei. Die Ereignisse in Christi Leben, sein Leiden, sein Tod und seine Auferstehung würden in der Liturgie nicht historisch behandelt, sondern die Kirche setze sie in der Liturgie gegenwärtig und lasse damit Christus die Menschen an sein Herz ziehen.

„‚Christus totus caput et corpus‘, sagt der hl. Augustinus. In der Feier der Sakramente leuchtet Christus uns im österlichen Geheimnis auf, um uns vom Tod ins Leben, von der Sünde zum neuen Leben in sich selbst zu führen.“

Die Liturgie sei das Herz des christlichen Lebens, und dies wiederzuentdecken sei ein Ziel, nach dem der Neokatechumenale Weg streben müsse.

„Die hl. Messe ist als Werk des einzigen Christus, zusammen mit seiner Kirche, ein Ereignis, das in seinem Wesen allen offen ist, die seiner Kirche angehören.“

Die nunmehr approbierten Feiern in kleinen Gruppen, die von den liturgischen Büchern geregelt würden, die treu befolgt werden müssten, seien eine besondere Hilfe auf dem Weg des Neokatechumenats. Gleichzeitig müsse sich aber die Reife des Glaubens in den kleinen Gruppen darin ausdrücken, dass sie in das Leben der großen Kirche einträten, in die liturgischen Feiern der Pfarrei, sodass sich auch das Neokatechumenat in der ordentlichen Form der Liturgie ausdrücke. Auch für den Neokatechumenalen Weg sei es von Bedeutung,  sich nicht von der Pfarrgemeinde abzuschotten, gerade in der Feier der Eucharistie.

Schließlich sprach der Papst Worte der Ermutigung aus und erinnerte daran, „dass der Herr durch viele Zeichen seine Nähe beweist.“ Benedikt XVI. bat um Gebet, vertraute alle dem mütterlichen Blick Mariens an und spendete seinen apostolischen Segen. [jb]