Liturgische Kleidung bei heißem Klima

Und mehr über die Art und Weise, eine Predigt zu beenden

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ROM, 25. Oktober 2012 (ZENIT.org).- P. Edward McNamara LC, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“, beantwortet Leserfragen. 

Frage: Warum tragen Priester und Ordensleute in unserer modernen Welt immer noch ihr Ordenskleid, Soutane, Messgewand, Albe und Ähnliches? Ich wohne in Ghana und es kann hier so heiß werden, dass man mit den Priestern, die eine Soutane, Albe und ein Messgewand tragen, Mitleid bekommt. -- E.S., Accra, Ghana 

Antwort: Ich denke, unser Leser hat eine Frage aufgeworfen, bei der tiefere Beweggründe als der rein praktische Aspekt oder die bloße Erfüllung liturgischer Vorschriften zur Debatte stehen.

Die Frage besteht wohl aus zwei Teilen, der erste ist eher theoretisch: Warum tragen Priester solche Kleidung in unserer modernen Welt? Der zweite Teil bezieht sich auf die Frage, welche Anpassungen man aus klimatischen Gründen machen kann.

Der Grund, weswegen Priester heute liturgische Kleidung tragen, ist kein anderer als jener, der für den größten Teil der Kirchengeschichte galt und für das Tragen dieser Kleider verantwortlich war. Wahr ist, dass es in den ersten Jahrhunderten für liturgische Feiern keine besondere Kleidung gab, dass diese vielmehr aufgrund eines natürlichen Prozesses, bei dem  man die besten Gewänder für die Liturgie benutzte, aufkam, wobei sich langsam Stilformen herausbildeten, die allein für heilige Zwecke vorgesehen waren. 

Gewänder verhelfen dazu, dass alle, die an etwas teilnehmen, die Rolle, die ihnen zukommt, besser verstehen. Sie erinnern sowohl den Priester selbst als auch die Gläubigen daran, dass er vor allem ein geweihter Amtsträger ist. Obwohl sie scheinbar den Priester als etwas Besonderes hervorheben, verschwindet jedoch gerade dadurch die Einzelperson mit ihren Eigenheiten und Fähigkeiten hinter dem Zeichen ihrer dienstlichen Aufgabe. 

Ich erinnere mich daran, vor Jahren ein Buch über einen Katholiken aus England gelesen zu haben, der während dem zweiten Weltkrieg Kriegsgefangener wurde. Ein deutscher Militärkaplan kam, um die hl. Messe zu feiern. Der englische Soldat schrieb, dass – nachdem die Uniform seines deutschen Feindes mit den heiligen Gewändern bedeckt worden war – er für ihn einfach nur ein Priester war, der Gott, die Kirche und sonst niemanden repräsentierte. 

Die Gewänder erinnern uns mit ihrem weiten Umfang und ihrem fast gänzlich fehlenden praktischen Wert auch daran, dass wir uns in einem festlichen Zeitraum befinden, in dessen Verlauf Gesten ohne Eile und mit der gebotenen Ehrfurcht ausgeführt werden sollten. Mit anderen Worten, sie bremsen uns und erinnern uns daran, dass wir Gott Zeit zum Sprechen geben sollen. 

Die Schönheit der Gewänder ruft uns auch in Erinnerung, dass Gott von uns das Beste verdient. Ferner dienen die Gewänder durch die Verwendung verschiedener Farben und Symbole der Unterweisung. 

Was den zweiten Teil der Frage angeht, so würde ich sagen, muss man nicht bis nach Ghana gehen muss, um unangenehme klimatische Bedingungen vorzufinden; ein römischer Sommer kann schwül genug sein. 

Wenn es um Lösungen geht, macht es außerdem moderne Technologie wesentlich weniger unangenehm als in früheren Zeiten, liturgische Kleidung zu tragen. Selbst an Orten, wo keine Klimaanlage vorhanden ist, gibt es Möglichkeiten zur Linderung der Unannehmlichkeiten, wie zum Beispiel durch die Verwendung leichter Stoffe. 

Ferner könnte ein Priester in sehr heißen Zonen unter der Albe leichtere Kleidung tragen und so zum Beispiel bei der Messfeier auf die Soutane verzichten. 

Abschließend wäre zu sagen, dass es zwar Zeiten und Klimazonen gibt, in denen es bisweilen unangenehm wird, alle Gewänder zu tragen, dass dies jedoch ein kleines Opfer ist, das man unserem Herrn darbringen kann, um ihm bei unseren Gottesdiensten das Beste, was wir haben, darzubringen. 

Deshalb bittet die Kirche darum, dass die liturgischen Vorschriften allerorts beachtet werden. Viele Priester geben hierin ein hervorragendes Beispiel, nicht nur im Sinne des Gehorsams gegenüber den Vorschriften, sondern vor allem, indem sie die Bedeutung ihres Weiheamts erfassen.

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Nachfolge-Artikel: Über die Beendigung einer Predigt 

Nach der Veröffentlichung unseres Artikels über die Art und Weise, eine Predigt zu beenden, [Englische Ausgabe], haben mich verschiedene Leser auf eine offizielle Antwort hingewiesen, die 1973 in dieser Frage ergangen ist und die ich hätte erwähnen sollen. 

Ein Leser aus dem Kongo schrieb: „In der Zeitschrift Notitiae (1973), 178, wurde diese Frage aufgegriffen: ‚Ist es angebracht, vor oder nach der Predigt die Gläubigen einzuladen, ein Kreuzzeichen zu machen oder sie zu grüßen, zum Beispiel mit der Formel „Gelobt sei Jesus Christus“ usw.?‘ Die Kongregation für den Gottesdienst antwortete folgendermaßen: Dies hängt von den rechtmäßigen lokalen Gepflogenheiten ab, doch im Allgemeinen ist es nicht opportun, diesen Bräuchen nachzukommen, denn sie wurden von der Praxis des Predigens außerhalb der hl. Messe in die Homilie eingeführt. Die Homilie ist Teil der Liturgie; die Gläubigen haben schon zu Beginn der Messfeier das Kreuzzeichen gemacht und wurden danach gegrüßt. Es ist daher besser, diese Dinge vor und nach der Homilie nicht zu wiederholen.“ 

Ich denke nicht, dass dies die Ausführungen, die ich im ursprünglichen Artikel gemacht habe, wesentlich beeinflusst, doch gewinnt hierdurch die Aussage an Gewicht, dass solche Begrüßungen besser vermieden werden sollten. Ich würde weiterhin bemerken, dass die offizielle Antwort immer noch Bezug auf lokale Gepflogenheiten nimmt. 

Um der Genauigkeit willen würde ich dazu sagen, dass das historische Argument, das die Antwort aufführt – dass nämlich solche Sätze durch die Praxis des Predigens außerhalb der hl. Messe Eingang in die Homilie gefunden haben – nur insoweit richtig ist, als wir von der Zeit ab dem späten Mittelalter sprechen. Damals wurde der Großteil der Predigten außerhalb der Messfeier gehalten, weswegen solche Standardformeln nützlich waren. 

Man könnte dies nicht anwenden auf die im ursprünglichen Artikel angeführten Beispiele hinsichtlich der Beendigung von Predigten durch eine Anrufung der Dreifaltigkeit; diese Beispiele stammen von Kirchenvätern und aus frühmittelalterlichen Quellen. Jene Homilien wurden generell während der Messfeier gehalten, wobei die Anrufung der Dreifaltigkeit nicht einfach eine stereotype Formel, sondern ein Glaubensbekenntnis war. 

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Leser können ihre Anfragen hier einsenden. Bitte schreiben sie in das Betreffsfeld das Wort „Liturgy“. Der Text sollte Ihre Initialen sowie Herkunftsstadt und -land enthalten. Unter den vielen Eingaben, die gemacht werden, kann P. McNamara nur eine kleine Auswahl von Fragen beantworten.

[Übersetzung des englischen Originals von P. Thomas Fox LC]