Liturgischer Fahrplan zur Seligsprechung von Franz Jägerstätter

Von Univ.-Prof. Dr. Ewald Volgger OT, KTU Linz

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LINZ, 25. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Morgen, Freitag, wird der oberösterreichische Märtyrer Franz Jägerstätter um 10.00 Uhr im Linzer Mariendorf zur Ehre der Altäre erhoben.



Diözesanbischof Ludwig Schwarz hat Professor Ewald Volgger, Vorstand am Institut für Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, mit der Vorbereitung der liturgischen Feier betraut. Im Rahmen einer Pressekonferenz stellte der gebürtige Italiener den folgenden „Fahrplan“ zur Seligsprechung vor.

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Die Feier der Seligsprechung im Rahmen der Eucharistiefeier
Die Feier der Seligsprechung findet im Rahmen einer Eucharistiefeier statt, die in der Regel der Papst selbst feiert. Papst Benedikt XVI. hat einen neuen Akzent gesetzt und delegiert die Feier der Seligsprechung in die Ortskirche, da dort auch die Verehrung der Seligen beheimatet ist. Da aber der Papst die Autorität bleibt, die den Seligsprechungsakt vornimmt, delegiert er für diesen Akt einen besonderen Gesandten. In den Mariendom zu Linz wird der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen José Kardinal Saraiva Martins kommen und den Papst vertreten. Die Eucharistiefeier leitet der Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz, der auch die Predigt halten wird.

Die Messe wird in der liturgischen Farbe rot gefeiert. Alle Texte, die nicht eigens für diese Feier erstellt wurden, sind den Communetexten für Märtyrer entnommen.

Die einzelnen Elemente der Seligsprechung
Der eigentliche Seligsprechungsakt geschieht nach dem Kyrie und vor dem Gloria. Nachdem der verherrlichte Kyrios angerufen ist, der Herr über Zeit und Ewigkeit, beginnt der Akt der Seligsprechung. Durch ihn wird der/die Diener/in Gottes in die Schar der Seligen angerufen. Sie sind diesem angerufenen Kyrios durch ihr Lebenszeugnis gefolgt.

1. Bitte an den Heiligen Vater
Dazu wird zunächst der Diözesanbischof Ludwig Schwarz daran erinnern, dass er den Papst gebeten hat, den Märtyrer Franz Jägerstätter selig zu sprechen.

2. Petitio
Nun treten Bischof em. Maximilian Aichern und Diözesanbischof Manfred Scheuer, der auch der Postulator im diözesanen Seligsprechungsprozess gewesen war, vor den päpstlichen Vertreter. Bischof Manfred wird nun die Petitio, die Bitte um die Seligsprechung verlesen, in der er das Leben Franz Jägerstätters im Überblick aufzeigt und zugleich begründet, warum die Kirche von Linz überzeugt ist, dass der Diener Gottes Franz Jägerstätter als Seliger zum Glaubensvorbild erhoben werden soll.

3. Apostolisches Schreiben
Nun erklärt der päpstliche Vertreter, Kardinal José Saraiva Martins, dass er das Apostolische Schreiben des Heiligen Vaters verlesen wird. Dazu werden sich alle erheben und der Kardinalpräfekt verliest in lateinischer Sprache das Apostolische Schreiben, in welchem der Papst kurz und prägnant erklärt, dass aufgrund der vorausgegangenen Untersuchungen und Prüfungen der Märtyrer und Familienvater Franz Jägerstätter „fortan als Seliger angerufen werden kann“.

Nach einer kurzen Begründung stellt er auch fest, dass sein jährlicher Gedenktag am 21. Mai, seinem Tauftag begangen werden kann. Mit der Ausrufung des dreifaltigen Gottes schließt das Schreiben.

Hervorzuheben ist, dass Rom Franz Jägerstätter nicht nur als Märtyrer bezeichnet, sondern bewusst auch die zusätzliche Benennung als Familienvater hinzugibt. Es ist damit seine Bedeutung für die Familie und als Fürsprecher für Väter und Familien unterstrichen.

Neben dem Schreiben des Papstes, mit dem dieser das Martyrium anerkennt, stellt das Apostolische Schreiben die eigentliche Seligsprechung dar. Rechtlich ist der Akt der Seligsprechung dann vollzogen, wenn der Papst dieses Dokument unterschrieben hat.

4. Dreifaches „Deo gratias“ und einfaches „Amen“
Die ganze Gemeinde dankt daraufhin Gott mit einem dreifachen „Deo gratias – Dank sei Gott“ und dem „Amen“-Ruf. Beide Rufe werden musikalisch gestaltet.

5. Enthüllung des Bildes
Zum Dank der Gemeinde wird ein großes Bild des Seligen enthüllt, das im ganzen Dom sichtbar sein wird. Sichtbar wird der Gemeinde der neue Selige vor Augen geführt, den sie nun jederzeit anrufen und verehren kann. Orgelmusik wird diesen Akt unterstreichen.

6. Prozession mit dem Reliquiar
Im Jahre 1946 wurde die Urne Franz Jägerstätters durch Schwestern von den Franziskanerinnen von Vöcklabruck nach Oberösterreich gebracht, wo sie am 9. August 1946 an der Kirchenmauer von St. Radegund, dem Heimatort Jägerstätters, bestattet werden konnte. Aus dieser Urne stammt eine Knochenreliquie, die in ein Reliquiar eingesetzt wurde, das der Künstler Herbert Friedl entworfen hat und ausführen ließ. In diesem Glas-Zylinder ist auch die erste Aufzeichnung des Traums als Autograph enthalten (im Original).

In diesem Traum, so Jägerstätter immer wieder, wurde er vor den Schrecknissen der Nationalsozialisten gewarnt, ein entscheidender Impuls für seinen Widerstand gegen Hitler und seine menschenverachtende Politik.

Mit diesen beiden Elementen soll im Reliquienschrein an Franz Jägerstätter erinnert werden, der nun aus der Gemeinde zum Altar gebracht wird, wo er mit Weihrauch geehrt wird. Begleitet wird der Schrein von den liturgischen Diensten, der Witwe Franz Jägerstätter, von den zuständigen Seelsorgern in der Pfarrgemeinde und im Dekanat (Pfarrer Josef Steinkellner, Diakon Johann Niederreiter, Dechant Alfons Einsiedl), von Sr. Dr.in Kunigunde Fürst, deren Schwestern die Urne nach Oberösterreich gebracht haben, und von Dr.in Erna Putz, die die Briefe und Aufzeichnungen aufgearbeitet hat.

Das Reliquiar wird am Allerheiligentag nach dem Hochamt beim Altar Königin der Märtyrer aufgestellt und bleibt künftig für die Gläubigen als Memorialort an Franz Jägerstätter im Linzer Mariendom zugänglich.

7. Jägerstätter-Lied
Zur Verehrung der Reliquien wird das Jägerstätter-Lied gesungen. Seit vielen Jahren wird bei den Anlässen, an denen Jägerstätters Gedenken hochgehalten wurde, vor allem aber an seinem Todestag am 9. August, das Lied gesungen, für das Herr Winklbauer den Text aus den Schriften Jägerstätters und Kathi Stimmer-Salzeder die Melodie geschaffen hat. Die ganze versammelte Gemeinde wird dieses Lied singen.

8. Dank des Diözesanbischofs
Schließlich dankt der Diözesanbischof im Namen der versammelten Gemeinde dem Heiligen Vater für die Seligsprechung.


Gloria und Tagesgebet
Nach dem Gloria, dem großen lobpreisenden Hymnus an Gott, wird der Selige bereits im liturgischen Gebet angerufen und um seine Fürbitte gebeten. So bringt die Kirche die Überzeugung zum Ausdruck, dass der Selige ganz bei Gott „angekommen“ ist und nun für die irdische Gemeinschaft eintritt. Daher wird auch im Messformular ein eigenes Gebet formuliert, das von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramente in Rom rekognisziert werden muss:

Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast dem seligen Märtyrer Franz die Kraft gegeben,
bis in den Tod für den Glauben und für die Gerechtigkeit einzutreten.
Gewähre uns auf seine Fürsprache,
Dir mit ungeteiltem Herzen und in Aufrichtigkeit entgegenzugehen,
der Du das wahre Leben und unser wahres Heil bist. Durch Jesus Christus …


Die Lesungen der Eucharistiefeier
Erste Lesung: Dtn 6,1-7 Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben …
Antwortpsalm: Kv.: Joh 13,34 mit Versen aus Psalm 118 (Dies ist mein Gebot) GL 751
Zweite Lesung: Röm 8,31b-39 Was kann uns scheiden von der Liebe Christi
Evangelium: Mt 5,1-12a Seligpreisungen

Die Fürbitten
werden vorgetragen von Vertretungen von „Pax Christi“ in Österreich und Oberösterreich, aber auch in englischer Sprache aus England, weiters von einem Franziskanerbruder, von einem italienischen Vertreter der Verehrergemeinschaft aus Piacenza, von einer Enkelin des Seligen aus St. Radegund, die auch für die Mesnergemeinschaft spricht, von einem Vertreter aus der Lehrerschaft, die sich um Vermittlung des Vorbildes in den Schulen bemüht, einem Vertreter des österreichischen Bundesheeres und von den Kriegsveteranen sowie einer Vertreterin der Ordensfrauen.

Die Gabenprozession
Die Gabenprozession wird von Vertretern aus der Pfarrgemeinde St. Radegund (Bgm Isidor Hofbauer, Peter Sator, Maria Mayrhofer, Hildegard Bachmann) sowie weiteren Ministranten/innen am Dom gestaltet.

Te Deum
Das feierliche Te Deum schließt die Feier ab und bringt den Dank an Gott zum Ausdruck.

Ministranten
Es ministrieren vier Seminaristen, die Dom-Ministranten und eine Gruppe von etwa 20 Ministranten aus der Pfarre Christkönig (Linz-Urfahr).

Musikalische Gestaltung
Es musizieren das Vocalensemble VOICES unter der Leitung von Josef Habringer und an den Orgeln Wolfgang Kreuzhuber und Heinrich Reknagel.

Das Feierheft
Für die Gläubigen wird es ein ausführliches Feierheft geben, das die ganze Feier dokumentiert und enthält, sowie mit einem Kreuzweg von Herbert Friedl gestaltet ist, den er für die Pfarrkirche von Altenberg geschaffen hat. Dieses Feierheft enthält auch ein neues Bild für Jägerstätter, nämlich „ankommen“.

Gebetsbildchen
Das Gebetsbildchen enthält ein neu geschaffenes Kunstwerk, ein so genanntes Jägerstätter-Kreuz, das eine seiner letzten Aufzeichnungen im Juli/August im Gefängnis in Berlin zeigt und wo er mit gefesselten Händen seine Begründung für den Märtyrertod beschreibt und dabei auf Röm 8,35 (Was kann uns scheiden von der Liebe Christi) Bezug nimmt.

Dieses Gebetsbildchen enthält neben biografischen Angaben vor allem das Jägerstätter-Gebet, mit dem die Diözesangemeinschaft zum Ausdruck bringt, worin Jägerstätter Vorbild ist und wofür sie ihn besonders um Gottes Beistand bittet:

Gebet um Fürsprache

Guter Gott,
du hast den seligen Märtyrer
und Familienvater Franz Jägerstätter
mit großer Liebe zu dir,
zu seiner Familie
und zu allen Menschen erfüllt.

In einer Zeit menschenverachtender Politik
und Gewalt hat er sich ein unbestechliches
und klares Urteil gebildet.
Du hast ihm die Gnade geschenkt,
dem Bösen zu widerstehen.

Aus der Verbundenheit mit deinem Sohn
und in der Treue zu seinem Gewissen
hat er entschieden Nein gesagt
zur Verleugnung deiner Gegenwart,
zur Missachtung der menschlichen Würde
und zum ungerechten Krieg.

Im Vertrauen auf dich
hat er sein Leben hingegeben,
weil er dich über alles liebte.

Mit der Kraft deines Geistes
und auf seine Fürsprache stärke in uns
die Liebe zu dir und den Mitmenschen.

Hilf uns einzutreten für Gerechtigkeit,
Frieden und Menschenwürde
durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Der jährliche Gedenktag am 21. Mai
Der liturgische Gedenktag Franz Jägerstätters wird künftig am 21. Mai, seinem Tauftag, gefeiert. Weil der Todestag am 9. August bereits von der hl. Theresia Benedicta vom Kreuz (Edith Stein) und der Geburtstag am 20. Mai von Bernhardin von Siena besetzt sind, entschied sich die Arbeitsgruppe für die liturgischen Fragen für den 21. Mai. Es ist wohl einer der ersten Seligen und Heiligen, die an ihrem Tauftag den Gedenktag feiern. So kommt die Berufung für Christus in der Taufe zum Ausdruck und es wird dieser Gedenktag und der Gedenkort am Taufbrunnen der heimatlichen Pfarrkirche, die nun ja zum Wallfahrtsort wird, auch zum Erinnerungsort an die eigene Taufberufung.

Für die liturgische Feier des (nicht gebotenen) Gedenktages wird es ein eigenes Tagesgebet in der Messe und eine hagiographische Lesung im Stundengebet von Franz Jägerstätter geben. Die übrigen Texte werden aus den Commune-Texten für Märtyrer entnommen.

Taufe auf den Namen Franz (Jägerstätter)
Selbstverständlich kann nun auch der Brauch gepflegt werden, Kinder auf den Namen des Seligen Franz zu taufen.