London: Bischöfe rufen G8-Staaten zur Einhaltung ihrer Versprechen zur Armutsbekämpfung auf

Begegnung mit Tony Blair in der Downing Street

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LONDON, 2. Mai 2007 (ZENIT.org).- Bischöfe aus Afrika, Asien und Europa trafen am Dienstag in London mit dem britischen Premierminister Tony Blair zusammen. Ziel des Besuchs der internationalen Delegation in der Downing Street 10 war es, die britische Regierung zur Einhaltung der Beschlüsse zu ermahnen, die beim G8-Gipel im schottischen Gleneagles 2005 mit Blick auf die Bekämpfung der weltweiten Armut getroffen worden waren.



Der Vorsitzende der Bischofskonferenz von England und Wales, Kardinal Murphy O’Connor, erklärte nach der Begegnung: „Ich dankte dem Premierminister und der Regierung für die gute Arbeit, die bereits geleistet wurde, um die Weltöffentlichkeit auf die Not der Armen – insbesondere in Afrika – aufmerksam zu machen. Ich forderte ihn auf, seiner Vorreiterrolle in dieser Hinsicht auch beim kommenden G8-Gipfel in Berlin gerecht zu werden.“

Die bischöfliche Delegation, der unter anderem Erzbischof Onaiyekan von Abuja (Nigeria) und Erzbischof Monsengwo von Kisangani (Demokratische Republik Kongo) angehören, bemüht sich im Vorfeld des Treffens der G8-Staaten in Heiligendamm bei Berlin Anfang Juni darum, die führenden Politiker von der Notwendigkeit zu überzeugen, die finanzielle Hilfe für die Länder Afrikas tatsächlich zu verdoppeln, wie sie es in Gleaneagles versprochen hatten. Die Initiative ist Teil der katholischen Kampagne Make Aid Work. The World Can't Wait („Lass Hilfe wirksam werden – die Welt kann nicht warten“) des internationalen Caritas-Dachverbands und der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Solidarität (CIDSE).

Ihre Forderungen im Überblick:

1. Die Regierungen der reichen Länder haben zugesagt, ausreichende finanzielle Mittel zur Halbierung der extremen Armut bis 2015 zur Verfügung zu stellen. Dieses Versprechen muss ohne Wenn und Aber eingelöst werden. Die Regierungen sollten einen verbindlichen Zeitplan dafür vorlegen.

2. Entwicklungsmaßnahmen müssen den Armen zugute kommen. Dafür tragen Regierungen in Nord und Süd in gleichen Maßen Verantwortung. Entwicklungshilfe darf nicht an schädliche wirtschaftspolitische Bedingungen oder an die Verpflichtung zur Abnahme von Gütern aus den Geberländern gebunden werden.

3. Das Übel der Korruption muss in Nord und Süd bekämpft werden. Die Antikorruptionskonvention der Vereinten Nationen ist von allen Ländern zu ratifizieren und vor allem auch umzusetzen.

4. Die Globalisierung ist sozial gerecht und solidarisch zu gestalten; nur so wird sie Armut in Süd und Nord verringern.

Mitglieder der Delegation, der unter anderem auch der Hamburger Erzbischof Werner Thissen und Misereor-Hauptgeschäftsführer P. Josef Sayer angehören, werden in diesen Tagen auch mit dem italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi, mit Bundespräsident Köhler, Kanzleramtschef de Maizière, Finanzminister Steinbrück, Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul und Arbeitsminister Müntefering zusammentreffen. Zum Abschluss wird die Delegation in Rom von Papst Benedikt XVI. empfangen.