Lord Brennans Aufruf zum christlichen Engagement im öffentlichen Leben

Vortrag in der Wiener Innenstadt

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WIEN, 25. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Die Lektüre von Fides et ratio, der 13. und vorletzten Enzyklika Johannes Pauls II. aus dem Jahr 1998 ist unverzichtbar, will man in der heutigen Zeit dazu beitragen, den christlichen Werte im öffentlichen Leben zum Durchbruch zu verhelfen. Das bekräftigte gestern, Mittwoch, der britische Parlamentsabgeordnete und Rechtsanwalt Lord Dan Brennan QC in Wien.



Der katholische Politiker und Präsident der Catholic Union of Great Britain, der sich in diesen Tagen auf Einladung des Phoenix- und des Europa-Instituts in Österreich aufhält, hat sich in seiner Heimat unter anderem erfolgreich für die Ablehnung eines Gesetzesentwurfs zur Euthanasie eingesetzt.

In seinen Augen sollten sich die gläubigen Laien ihre gesellschaftliche Verpflichtung klarer vor Augen halten und sich zur Verteidigung der grundlegenden Werte Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden, aus denen sich die Menschenrechte herleiten, öffentlich engagieren – zum Wohl aller Menschen. Dieses Engagement beginne im Kleinen – unter uns, „zwischen dir und mir“ – und müsse von echter Solidarität zeugen.

Wenn man ein Recht einfordere, dann niemals nur für sich, sondern automatisch gleich auch für andere. Und es sei notwendig, dann und wann von den eigenen Zielen abzusehen, um sich für die Rechte anderer einzusetzen.

Auf die Barrikaden zu steigen sei kein guter Weg, um die eigenen Interessen zu vertreten, erklärte Lord Brennan. Aus Erfahrung wisse er, dass es viel besser ist, vernünftig zu argumentieren, geduldig zu sein und beharrlich zu bleiben. Fundierte Kenntnisse müsse man sich allerdings aneignen, um dann – aus dem Glauben heraus – tatsächlich Argumente zu finden, die auch überzeugten. Eine vom Glauben losgelöste Vernunft verspreche ebenso wenig Erfolg wie ein vernunftloser Glaube; ein lebendiges christliches Zeugnis verfüge über die Kraft, andere mitzureißen.

Beim Einsatz zur Verteidigung der Rechte aller Menschen ist es nach Worten des Politikers notwenig, sich darüber im Klaren zu sein, dass jedes Recht auch Pflichten mit sich bringt, wie Papst Johannes XXIII. es in Pacem in terris 1963 kurz und prägnant auf den Punkt brachte: „Das Recht des Menschen auf Leben hängt mit der Pflicht zusammen, sein Leben zu erhalten; das Recht auf ein menschenwürdiges Dasein mit der Pflicht ehrenhaft zu leben; das Recht, frei nach der Wahrheit zu forschen, mit der Pflicht, immer tiefer und weiter nach der Wahrheit zu suchen“ (29).

Heute bestehe die Gefahr, sich zu so sehr auf die Themen Abtreibung und Euthanasie zu konzentrieren, dass man auf die übrigen Rechte vergesse. Deshalb erinnerte Lord Brennan an die beeindruckenden Worte Johannes Pauls II. aus Christifideles laici: „Der Mensch ist in allen Phasen seiner Entwicklung, von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, Träger dieses Rechtes; er bleibt es in jeder Situation: Gesundheit oder Krankheit, Vollkommenheit oder Behinderung, Reichtum oder Armut.“

Weiter heißt es in dem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben: „Das II. Vatikanische Konzil erklärt ausdrücklich: ‚Was ferner zum Leben selbst in Gegensatz steht, wie jede Art Mord, Völkermord, Abtreibung, Euthanasie und auch der freiwillige Selbstmord; was immer die Unantastbarkeit der menschlichen Person verletzt, wie Verstümmelung, körperliche oder seelische Folter und der Versuch, psychischen Zwang auszuüben; was immer die menschliche Würde angreift, wie unmenschliche Lebensbedingungen, willkürliche Verhaftung, Verschleppung, Sklaverei, Prostitution, Mädchenhandel und Handel mit Jugendlichen, sodann auch unwürdige Arbeitsbedingungen, bei denen der Arbeiter als bloßes Erwerbsmittel und nicht als freie und verantwortliche Person behandelt wird: all diese und andere ähnliche Taten sind an sich schon eine Schande; sie sind eine Zersetzung der menschlichen Kultur, entwürdigen weit mehr jene, die das Unrecht tun, als jene, die es erleiden. Zugleich sind sie in höchsten Maße ein Widerspruch gegen die Ehre des Schöpfers‘.“(38)

Im Rahmen eines Pressegesprächs betonte der britische Politiker heute, Donnerstag, wie wertvoll eine Vereinigung wie die Catholic Union of Great Britain gerade im Hinblick auf die Verbreitung und Verteidigung der christlichen Werte und Überzeugungen sei. „Ich würde die katholische Gemeinschaft in jedem Land dazu ermutigen, über die Einrichtung einer solchen Organisation nachzudenken.“

Die katholische Union in Großbritannien agiert vollkommen unabhängig und ist auf keine Förderungen seitens der katholischen Bischofskonferenz angewiesen. Sie agiere als „die katholische Stimme im öffentlichen Leben“. Die Mitglieder kämen aus den verschiedensten Berufssparten, und da sie ihr Fachwissen einbringen, habe man zahlreiche bedeutende Dokumente erarbeiten können.

„Go for rational – Setzt auf die Vernunft“: Mit diesem Aufruf ermutigte der Brite seine Zuhörer in Österreich, in der Gesellschaft „Salz der Erde“ zu sein.