Lourdes-Jubiläumsjahr: Benedikt XVI. gewährt vollkommenen Ablass

150-Jahr-Feier der Marienerscheinungen vom 8. Dezember 20007 bis zum 8. Dezember 2008

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ROM, 5. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Im Jubiläumsjahr zur Feier der Marienerscheinungen in der Lourdes-Grotte Massabielle vor 150 Jahren (8. Dezember 2007 – 8. Dezember 2008) gewährt Papst Benedikt XVI. einen vollkommenen Ablass.

Zum Auftakt der Feierlichkeiten wird der neue Kardinal Paul Josef Cordes, Präsident des Päpstlichen Rates Cor Unum, bereits am Freitag in der unterirdischen Basilika von Lourdes – sie ist dem heiligen Pius X. geweiht – ein Pontifikalhochamt zelebrieren. Am Samstag wird er dann vor den rund 3.500 Teilnehmern der internationalen Begegnung „Die Kirche auf Mission mit den Freiwilligen“ einen Vortrag über „Deus caritas est und das Volontariat“ halten.


Voraussichtlich acht Millionen Pilger werden Lourdes im Lauf der kommenden zwölf Monate besuchen, kündigte heute der Pressesaal des Heiligen Stuhls an. Das reichhaltige Veranstaltungsprogramm sieht unter anderem zwölf große Missionen vor. In ihrer Mitte stehen „die Kranken, die Ausgegrenzten, die Bekehrung, der Friede, die Jugend und die Freiwilligen“.


Heute, Mittwoch, veröffentlichte die Apostolische Pönitentiarie das Dekret, mit dem den Gläubigen, die während des Jubiläumsjahres in frommer Gesinnung nach Lourdes pilgern und die entsprechenden Voraussetzungen mitbringen, das Geschenk eines vollkommenen Ablasses zuteil wird. Es gilt auch allen, die zwischen dem 2. und dem 11. Februar 2008 an jedem Ort der Welt eine Kapelle, Grotte oder eine andere würdige Stätte aufsuchen, wo Unsere Liebe Frau von Lourdes zur öffentlichen Verehrung aufgestellt ist.

Das auf Latein verfasste Ablass-Dekret ist vom Großpönitentiar Kardinal James Francis Stafford und Bischof Gianfranco Girotti unterzeichnet. Kardinal Stafford ist in der Apostolischen Pönitentiarie für Ablässe und Fragen der Beichtdisziplin zuständig.

Im Dekret wird mit einem Zitat aus der Konzilskonstitution Lumen gentium auf die gemeinsame Mission der Jungfrau Maria und der Kirche hingewiesen: „Denn Maria vereinigt, da sie zuinnerst in die Heilsgeschichte eingegangen ist, gewissermaßen die größten Glaubensgeheimnisse in sich und strahlt sie wider. Daher ruft ihre Verkündigung und Verehrung die Gläubigen hin zu ihrem Sohn und seinem Opfer und zur Liebe des Vaters. Die Kirche aber wird, um die Ehre Christi bemüht, ihrem erhabenen Typus ähnlicher durch dauerndes Wachstum in Glaube, Hoffnung und Liebe und durch das Suchen und Befolgen des Willens Gottes in allem“ (65).

Wenn die Gläubigen die allerseligste Jungfrau in Lourdes verehren – an der Stelle, „die ihre Füße berührt haben“ –, „stärken sie sich mit den Heiligen Sakramenten; formulieren sie feste Vorsätze, die zu einem treueren christlichen Leben führen; erfahren sie auf lebendige Weise die kirchliche Gesinnung“, heißt es in dem Dekret. Aus alledem würden sie großen Nutzen ziehen.

„Alle und jeder einzelne Gläubige“ könne täglich – für sich oder für die Seelen im Fegefeuer – einen vollkommenen Ablass erlangen, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: sakramentale Beichte (zur Reinigung), eucharistische Kommunion (zur Erneuerung), Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters – und all das in einer Gesinnung vollkommener innerer Abkehr von jeglicher Sünde.

Eine Wallfahrt nach Lourdes sollte, wenn möglich, folgende Stationen einschließen: 1. das Baptisterium, wo Bernadette Soubirous getauft wurde; 2.) das Haus ihrer Familie, das „Cachot“ genannt wird, da es früher als Arrestlokal genutzt wurde; 3.) die Grotte Massabielle und 4.) die Kapelle des Hospizes, wo Bernadette ihre Erstkommunion machte. Jedes Mal sollte man sich etwas Zeit für das Gebet nehmen, das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis beten und die Jungfrau Maria anrufen.

Die Gläubigen, die aufgrund einer Krankheit oder aus Altergründen weder nach Frankreich noch zu einem anderen Marienheiligtum pilgern können, erhalten vom 2. bis zum 11. Februar ebefalls die Möglichkeit, einen vollkommenen Ablass erlangen, wenn sie Unserer Lieben Frau von Lourdes geistig einen Besuch abstatten und dabei ihre Krankheiten und Leiden Gott durch die Mittlerschaft Mariens vertrauensvoll aufopfern.

Der Ablass (lateinisch „indulgentia“) gehört zur Bußpraxis der Kirche und ist Teil der Verwirklichung des dritten Aspekts des Sakraments der Buße. Neben dem reumütigen Herzen („contritio cordis“) und dem ausgesprochenen Bekenntnis der Sünden („confessio oris“) bedarf es zur Sündenvergebung der Genugtuung durch Werke („satisfactio operis“). Das Gesetzbuch der lateinischen Kirche (Codex Iuris Canonici, can. 992) und der „Katechismus der Katholischen Kirche“ (Nr. 1471) bezeichnen den Ablass als „Nachlass zeitlicher Strafe vor Gott für Sünden, deren Schuld schon getilgt ist; ihn erlangt der entsprechend disponierte Gläubige unter bestimmten festgelegten Voraussetzungen durch die Hilfe der Kirche, die im Dienst an der Erlösung den Schatz der Sühneleistungen Christi und der Heiligen autoritativ verwaltet und zuwendet“.

Die „zeitlichen Sündenstrafen“ sind eine Genugtuung in Form einer Buße, die jeder Sünder für seine Sünden leisten muss, auch nachdem diese in der Beichte vergeben wurden. Der Ablass ist ein besonderer göttlicher Gnadenakt und vollzieht sich nach der im Bußsakrament gewährten Vergebung.

Papst Paul VI schreibt in der Apostolischen Konstitution über die Neuordnung des Ablasswesens „Indulgentium doctrina“, dass die Ablasspraxis deutlich mache, „wie eng wir in Christus miteinander verbunden sind und wie viel das übernatürliche Leben jedes einzelnen für andere beitragen kann, dass auch sie mit dem Vater leichter und enger vereint werden können. Die Übung der Ablässe entzündet daher wirksam die Nächstenliebe. Sie verwirklicht diese in hervorragender Weise, wenn man den in Christus entschlafenen Brüdern Hilfe leistet.“