Lourdes und die Schönheit Gottes

Impuls zum 6. Sonntag im Jahreskreis

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 10. Februar 2012 (ZENIT.org). - Im Evangelium der Messe vom 6. Sonntag im Jahreskreis wird die Heilung des Aussätzigen beschrieben, der Jesus auf Knien bittet: „Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.“ Der Evangelist schließt daran die Bemerkung: „Jesus hatte Mitleid mit ihm“. Er heilt ihn auf der Stelle, indem er sagt: „Ich will es – werde rein!“.

Die im Altertum unheilbare Krankheit des Aussatzes ist für die heutige Medizin kein größeres Problem mehr. Dennoch ist die Bitte der Menschen „Herr, wenn du willst, kannst du mich rein machen“ in vielfältiger Weise auch heute aktuell.

Am 11. Februar stellt uns die Liturgie der Kirche das Bild des ganz reinen und schönen Menschen vor Augen: Maria, die unbefleckt Empfangene. Als die Jungfrau Maria im Jahre 1858 dem Mädchen Bernadette Soubirous in Lourdes erschien, sagte sie zunächst nicht ihren Namen. Erst am letzten Erscheinungstag gab sie ihr Geheimnis preis.

Sie sagte (im ortsüblichen Platt, in dem sie sich mit Bernadette unterhielt): „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“. Streng genommen hat dieser Name seine sprachlichen Schwierigkeiten. Empfängnis ist ein abstrakter Begriff, nicht der Name einer Person. Aber es ist doch nicht schwer sich vorzustellen, dass Maria mit dieser Form des Namens, die ja jeder versteht, etwas Besonderes aussagen wollte.

Zum einen wollte sie vielleicht bestätigen, was vier Jahre zuvor der selige Papst Pius IX. als Dogma feierlich definiert hatte (1854 Dogma von der Unbefleckten Empfängnis, d.h. dass Maria vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis im Schoß ihrer Mutter Anna von der Erbsünde frei war). Die irdische und die himmlische Kirche stimmen überein, das kann man sicher daraus entnehmen. Ein Trost bei der heutigen Situation mancher Glieder der irdischen Kirche.

Zum anderen wollte sie sicher auf die Tatsache hinweisen, dass zum vollkommenen Menschsein die Sünde nicht gehört, dass der Mensch dann vollkommen und schön ist, wenn in seinem Leben die Sünde keine Rolle (mehr) spielt. Maria, die in ihrem irdischen Leben nie die Sünde überwinden musste, da sie nie mit ihr in Berührung gekommen war, ist genau die berufene Bezugsperson für jeden Menschen, der erkannt hat, dass die Sünde, das Böse, das Negative sein Leben nicht bereichert, sondern arm macht, mag sie auch noch so verlockend daher kommen. Dabei ist es ein besonderes Merkmal der barmherzigen und verzeihenden Liebe Gottes, dass auch der in tiefer Sünde verstrickte Mensch, wenn er bereut, die ursprüngliche Schönheit des Gotteskindes zurück gewinnen kann und damit sogar heilig, ja gottähnlich werden kann. Gott ist die vollkommene Schönheit, und jede geschöpfliche Schönheit ist ein göttlicher Abglanz.

Die Schönheit der unbefleckten Jungfrau Maria hat wohl niemand in so bewegenden Worten geschildert wie der jüdische Schriftsteller und Dichter Franz Werfel, der aufgrund eines Gelübdes den Roman „Das Lied von Bernadette“ schrieb, in dem er sich mit unglaublicher Feinfühligkeit in die Szenen der Begegnung zwischen Maria und dem Mädchen Bernadette hinein versetzte. Nachdem er die bezaubernde Schönheit der ganz jugendlichen Maria geschildert hat, fügt er, um zu zeigen, dass es bei der bloß sinnlich erfahrbaren Schönheit nicht bleibt, hinzu:

„Bernadettes ganzes Wesen jubelt über die Schönheit der Dame. Es gibt keine Schönheit, die rein körperlich wäre. In jedem Menschengesicht, das wir schön nennen, bricht ein Leuchten durch, das, obwohl an physische Formen gebunden, geistiger Natur ist. Die Schönheit der Dame scheint weniger körperlich zu sein als jede andere Schönheit. Sie ist das geistige Leuchten selbst, das Schönheit heißt“ (Das Lied von Bernadette, S. Fischer Verlag 1951, S. 47).

Auch unsere heutige Welt kennt den Kult des Schönen, aber da fehlt oft diese Wendung in „das geistige Leuchten“, so dass solche Schönheit nicht wirklich beglückt. Es ist oft nur „glamour“. Zur Zeit sieht man große Poster mit der Aufschrift: „Die schönsten Mädchen der Welt suchen das schönste Mädchen Deutschlands“, nicht wirklich überzeugend.

Wer schöne Gesichter, auch bei scheinbar unattraktiven Personen, sehen will, der findet sie bei Menschen, die gerade aus dem Beichtstuhl kommen. In Kirchen, wo (noch, bzw. wieder) gebeichtet wird.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.

Buchtipp: Franz Werfel, Das Lied der Bernadette“, Fischer Taschenbuch, 2011, 559 S.