Luigi Guanella, neuer Heiliger der Kirche

Eine kleine Lebensgeschichte

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ROM, 24. Oktober 2011 (ZENIT.org). - Luigi Guanella wurde am 19. Dezember 1842 in  der Stadt Fraciscio der Gemeinde Gampolschin in einer schönen und rauhen Gebirgsgegend geboren. Seine Eltern waren Lorenzo Guanella und  Maria Mianchi. Luigi war das neunte von den dreizehn Kindern der Bauernfamilie. Ein Wildbach, in dessen Nähe er aufwuchs und in dessen Nähe er die ersten Jahre seines Lebens verbrachte, sollte zu einem seiner ihm liebsten Begleiter werden und ihn auf die Schwierigkeiten des Lebens vorbereiten.

Mit sieben Jahren hatte er eine Vision, die quasi eine Vorausschau auf seine künftigen Empfindungen ist, denen er sein ganzes Leben lang folgen wird. Im Inneren der Kirche von Campodolcino erscheint ein alter Mann und bittet ihn, ihm einige der Süßigkeiten zu schenken, die der Kleine in der Hand hält. Dann verschwindet er. Diese Vision versetzt ihn in Panik und wird sein Geheimnis bleiben, über das er erst am Ende seines Lebens sprechen wird.

Im Frühjahr 1852, am Tag seiner Erstkommunion in Gualdera, hatte er in einem einsamen Moment eine weitere Vision. Diesmal war es eine schöne Frau, die Madonna, die zu ihm sprach und ihn bat, sein Leben den Bedürftigen zu widmen.

Im Alter von zwölf Jahren im Jahre 1854 verließ er seinen Geburtsort und trat in das Kolleg Gallio in Como  ein, wo er sechs Jahre lang studierte. Auch wenn er in der Zukunft Worte des Dankes für seine Erzieher und Lehrer finden würde, so war die erste Zeit im Kolleg von Heimweh nach den Bergen und seinem Geburtshaus geprägt.

Nach dem Abschluss der Schule trat er zum Philosophiestudium in das Seminar des hl. Abbodio ein, dem das Studium der Theologie im großen Seminar folgte. Er empfing die Priesterweihe am 26. Mai 1866. Die Weihe erteilte Msgr. Bernardino Maria Frascolla, der Bischof von Foggia, der von der italienischen Regierung später zu Hausarrest verurteilt wurde.

Einige Tage nach der Weihe feierte er seine Primizmesse in der Kirche Santa Maria Assunta in Prosto in Anwesenheit seiner Eltern und Geschwister. Im Jahr darauf, 1867, wurde er zum priesterlichen Dienst nach Svogno geschickt, einem kleinen Dorf in ungefähr 1000 Metern Höhe in den Bergen. Seine Schwester Caterina zog mit ihm, um ihm zu helfen. So lebte er acht Jahre, in denen er den Großteil seiner Energie den ihm Anvertrauten widmete und „allen alles“ wurde.

1875 erhielt er vom Bischof von Como, Msgr. Pietro Carsana, die Erlaubnis, zu Don Bosco nach Turin zu reisen, wo er ein Leben kennenlernte, das ihm „reiche Erfahrungen für seine eigenen Pläne“ bot. Don Bosco vertraute ihm verschiedenste Aufgaben und Verantwortungsbereiche an; schließlich wollte ihn sogar in die Mission nach Lateinamerika schicken, aber Don Luigi spürte einen starken Drang in sich, für sein eigenes Volk zu arbeiten, und lehnte die Einladung des Heiligen aus Turin ab.

Er verließ die Salesianer im Jahr 1878 und kehrte in seine Diözese zurück, wo er dem Bischof von Traona unterstand, in einem Landstrich im unteren Valtellina. Hier arbeitete er drei Jahre als Pfarrer und ihm gelang der Versuch,  ein Werk zu gründen: ein Kolleg, in dem arme Kinder des Tals zu Priestern ausgebildet werden sollten. Allerdings stieß er auf erbitterten Widerstand, sowohl seitens des Erzpriesters als auch seitens der Präfektur, und das Kolleg musste wieder geschlossen werden.

Danach wurde Don Luigi von seinem Bischof im August 1881 in die Pfarrei von Olmo eingeladen, wo er bessere Zeiten abwarten sollte. Hier verbrachte Don Luigi drei Monate der Einsamkeit, des Leidens und der Reinigung im Gebet und in Erwartung, was die Vorhersehung ihm schicken würde, um eine Institution zu gründen, zu deren Gründung er sich berufen fühlte.

Im Herbst ernannte ihn der Bischof zum Verwalter der Pfarrei von Pianello Lario, wo er neun Jahre bleiben und sein Werk der Nächstenliebe leben sollte.

Seine erste Zeit war aber nicht leicht, er rannte gegen eine Mauer von Gegensätzen. Eine Gruppe von gottgeweihten Jugendlichen hatte in diesem Landstrich ein Haus für Alte und ausgesetzte Kinder unterhalten, mit Unterstützung des Pfarrers Don Carlo Coppini, der in den ersten Tagen des Monats Juli desselben Jahres starb. Don Luigi wollte sich dessen annehmen, aber die Gottgeweihten waren voller Vorurteile: „Er ist ein Hitzkopf! Seid vorsichtig“. Aber mit der Zeit wandelte sich die anfängliche Abwehrhaltung in eine immer überzeugtere und entschiedene Zusammenarbeit. Teil dieser Gruppe waren auch zwei Schwestern, Chiara und Marcellina Bosatta, die Trägerinnen des Werkes. Mit ihnen begann Don Luigi seine Mission bei den Armen, den kranken alten Menschen und den Kindern.

Aus Pianello Lario kam 1886 eine Gruppe von Gottgeweihten und Assistenten nach Como und rief das „Haus der Vorsehung“ ins Leben, das das noch heute pulsierende Herz des Wirkens Guanellas wurde. Von Como aus verbreitete es sich nach Mailand, nach Venedig, nach Rumänien, in die Schweiz, nach Spanien und an alle Enden des Comer Sees. Dort, in einem Zentrum mit Namen Olonio, das 1990 gebaut wurde, entstand ein Aufnahmehaus mit Landarbeit für die „guten Kinder“, wie er die geistig Behinderten nannte.

Im Jahre 1902 begab sich Don Luigi auf eine Pilgerreise ins Heilige Land und träumte auf seinem Weg vom Libanon nach Galiläa davon, dass sein Werk auch einmal in diesem Land Wurzeln schlagen würde, das als Kulisse für das Wirken Jesu Christi diente.

Nach seiner Rückkehr nach Italien arbeitete er daran, vom Heiligen Stuhl für seine Institutionen und Kongregationen die Approbation zu erlangen. Es war sein sehnlicher Wunsch, nach Rom zu gelangen. Dank wohlwollender Umstände und aufgrund der göttlichen Vorsehung wurde sein Traum Wirklichkeit. 1904 trat er in die Landarbeiterschaft des Monte Mario ein. Im selben Jahr wurde er auch finanziell von Papst Pius X. unterstützt und nahm sich vor, im dichtbevölkerten Viertel Trionfale eine Kirche zu Ehren des hl. Joseph und Bildungswerke zu gründen.

1908 war ein besonders Jahr für ihn, denn einige seiner Mitbrüder legten die erste Ordensprofess ab, mit der auch offiziell die „Kongregation der Diener der Nächstenliebe“ begann, auch wenn sie offiziell erst 1912 vom Heiligen Stuhl anerkannt wurde. Im gleichen Jahr erhielt er auch die Approbation für seine Frauenkongregation, die „Töchter des hl. Maria der Vorsehung“.

Weitere Zentren wurden in Süditalien, in Ferentino in der Nähe Frosinones, in Laureana do Borrello in Kalabrien und auch im Norden in Berbenno gegründet.

Im Winter 1912 nahm er eine große Reise in die Vereinigten Staaten in Angriff, um den Weg für italienische Auswanderer zu bereiten, und im Folgejahr sandte einige seiner Schwestern aus.

Drei Jahre später wurde seine Hilfe von den Erdbebenopfern in Marsica in den Abruzzen benötigt.

Im September 1915 wurde er plötzlich von einer Krankheit getroffen, von der er sich nicht mehr erholen sollte. Es waren die letzten Tage des irdischen Lebens, aber sein Geist hatte immer noch die Kraft, seine Brüder bei ihrer Arbeit zu ermutigen.

Am 24. Oktober 1915 beschloss Don Guanella in Como seine letzten irdischen Tage und kehrte zu Gott zurück, dem er gefügig Schritt für Schritt, wie auf einer Bergwanderung, sein ganzes Leben lang gefolgt war.

Er wurde von Papst Paul VI. 1965 zu Ehre der Altäre erhoben; Papst Benedikt XVI. sprach ihn am Sonntag, dem 23. Oktober, heilig.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals]