Luitbirg von Wendhausen (9. Jahrhundert)

Früheste Inklusin im sächsischen Raum

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 274 klicks

Luitbirg von Wendhausen ist eng mit der Geschichte des ältesten Kanonissenstiftes in Ostdeutschland verbunden. Das Kloster Wendhausen, oder altertümlich Wendhusen, stammt aus karolingischer Zeit und soll 825 von Gisela, einer Tochter des Grafen Hessi, gegründet worden sein.

Wendhusen ist nicht die einzige Klostergründung, die auf Gisela zurückgeht. Auch das Kloster Karsbach entstand auf Initiative der Adeligen. In den beiden Klöstern Wendhusen und Karsbach brachte Gisela ihre beiden Töchter Hruothild und Bilihilt unter, die den Abteien als Äbtissinnen vorstanden.

Liutbirg von Wendhausen, die zu der Familie Giselas in freundschaftlicher Verbindung stand, begab sich ebenfalls nach Wendhausen, wo sie bis zu ihrem Tode blieb.

Es heißt, Gisela habe Liutbirg in einem Kloster kennengelernt, Freundschaft mit ihr geschlossen und sie in die Familie aufgenommen. Nach dem Tod der Gönnerin im Jahr 835 habe sich Liutbirg mit dem Einverständnis des Bischofs von Halberstadt, Theatgrim, in eine Zelle oder in das Kloster Wendhausen zurückgezogen. Damit ist Liutbirg die früheste Inklusin im sächsischen Raum. Sie soll durch das Fenster ihrer Zelle Mädchen im Psalmengesang und Kunsthandwerk unterrichtet haben. Die Farben, die Liutbirg zur Erstellung der Arbeiten benötigte, soll sie selbst hergestellt haben. Liutbirg genoss großes Ansehen wegen ihrer Frömmigkeit.

Das Todesdatum von Liutbirg ist nicht gesichert; sie soll am 3. April um das Jahr 863, 876 oder 882 gestorben sein.

Das Kloster Wendhusen erlebte nur eine kurze Blütezeit; 936 wurde es Quedlinburg unterstellt und 1540 in ein Rittergut umgewidmet. Die Anlage ist heute Sitz der Nordharzer Altertumsgesellschaft e.V. .