Lumen fidei - Das Licht des Glaubens

Die erste Enzyklika von Papst Franziskus wird heute veröffentlicht

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 846 klicks

„Wer glaubt, sieht.“ Mit diesen Worten beginnt die erste Enzyklika von Papst Franziskus, die heute vom Vatikan vorgestellt wurde. Das Lehrschreiben wurde bereits während des letzten Pontifikats unter Benedikt XVI. angekündigt und begonnen. Es ist der letzte Band einer Triologie: „Deus Caritas est“ (2005), „Spe salvi“ (2007) und nun „Lumen fidei“. Liebe, Hoffnung, Glaube, die drei theologischen Tugenden.

Die Enzyklika besteht aus vier Hauptkapiteln mit sechzig Abschnitten, in denen Papst Franziskus den Fragen nachgeht, was Glauben ist, was unter einem falschen Glauben zu verstehen ist und wie man glaubt. So setzt sich das erste Kapitel mit der Geschichte des Glaubens auseinander, das zweite Kapitel mit dem Verhältnis von Glaube und Theologie, das dritte Kapitel mit der Rolle der Kirche im gelebten Glauben, während sich das vierte Kapitel damit auseinandersetzt, wie der Glaube im alltäglichen Leben erfahren und gelebt werden kann. Dabei sind die Schlüsselbegriffe „Licht“ und „Weg“ der rote Leitfaden durch den Text, so Pater Bernd Hagenkord von Radio Vatikan. Papst Franziskus weise eindrücklich auf den Gemeinschaftscharakter des Glaubens hin. So sei der Glaube keine private Angelegenheit eines Einzelnen oder basiere auf einer subjektiven Überzeugung, sondern sei darauf ausgelegt, verkündet und in der Gemeinschaft gelebt zu werden. Der Glaube ginge von Gott aus  und könne nicht über den Willen zu glauben erreicht werden.

Papst Franziskus selbst sprach in der Vergangenheit davon, dass es sich um einen „vierhändig“ geschriebenen Text handele, zwei Päpste hätten daran gearbeitet. Benedikt der XVI. habe ihm seine erste Version des Textes überlassen, die er, Papst Franziskus, gerne angenommen und mit eigenen Texten vervollständigt, ergänzt und anschließend unterzeichnet habe.

Der theologische Geist Benedikt XVI. ist in der Enzyklika vorhanden, jedoch ist eine andere Ausdrucksform hinzugekommen. Sie ist auf der Basis des Denkens und der Lehre Benedikt XVI. als ein Begleiter für die zweite Hälfte des Jahres des Glaubens und als ein Wegbereiter für eine Zukunft des gelebten Glaubens anzusehen. Die Enzyklika ist die Grundlage für das Weitere Wirken von Papst Franziskus: Der Glauben muss das Tun prägen.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation, der die Enzyklika gemeinsam mit dem Präfekten der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet und dem Präsident des Päpstlichen Rates für Neuevangelisierung, Rino Fisichella, vorstellte, sagte, „Lumen fidei“ sei „eine Einladung, den positiven Charakter des Geschaffenen zu sehen“. Dank des Lichts, das von Gott komme, könne unser Dasein erleuchtet werden, so Müller. Die Enzyklika verdeutliche, dass der Glaube uns nicht von der Wirklichkeit trenne, sondern uns dabei helfe, ihren tieferen Sinn zu erfassen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch lies in einer Würdigung der Enzyklika verlauten: „das erste Weltrundschreiben aus der tiefen Gemeinschaft des Dienstes beider Päpste kann also vor diesem Hintergrund als Mitte und eine Art Grundschrift sowohl zum „Jahr des Glaubens“ als auch zum Gedenken des Zweiten Vatikanischen Konzils verstanden werden“. Zollitsch sagte, der gut verständliche Text habe ein biblisches Fundament und sei ökumenisch offen, er wolle „überzeugen und nicht indoktrinieren“, jedoch sei die Bereitschaft notwendig, sich auf den meditativen Stil einzulassen. Zollitsch zeigte sich Papst Franziskus gegenüber dankbar.

Auf der Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz kann sowohl die Würdigung Erzbischofs Zollitsch als auch der Text der Enzyklika nachgelesen werden: www.dbk.de