Macau: Katholiken gehen für mehr Demokratie auf die Straße

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Michaela Koller

MACAU, 17. Dezember 2009 (ZENIT.org).- An diesem Sonntag gedenkt die ehemalige portugiesische Kolonie Macau dem 10. Jahrestag der Übergabe an die Volksrepublik China. Die Katholiken in der Sonderverwaltungszone werden diesen Tag mit Gebeten und öffentlichen Veranstaltungen begehen. Der Ortsbischof, José Lai Hung-seng, wird bei allen Messen für Macau und den seinen neuen Regierungschef, Chui Sai-on, beten.

Eine Bürgerbewegung, in der Katholiken aus der Sonderverwaltungszone engagiert sind, veranstalten ein öffentliches Rennen und einen Marsch, bei dem sie eine saubere Regierung, mehr Demokratie und eine verbesserte Lebensgrundlage fordern. Macau, das inzwischen Las Vegas als Welthauptstadt des Glücksspiels überrundet hat, leidet unter einer sich immer weiter öffnenden Kluft zwischen Armen und Reichen. Darüber hinaus wurden gegen die Regierung und einzelne ihrer Mitglieder wiederholt Korruptionsvorwürfe laut.

Chinas Präsident Hu Jintao wird zu den Feierlichkeiten aus Peking anreisen, bei denen der neue Regierungschef eingesetzt wird. Ebenso wie Hongkong wird auch die Sonderverwaltungszone Macau nach dem Prinzip „Ein Land, zwei Systeme" geführt. Noch bis zum Jahr 2049 gilt das Grundgesetz aus der Zeit vor 1999 in Macau. Paul Chan Wai-chi, katholischer Politiker und einer der Sprecher des Verbandes „Neues demokratisches Macau", schätzt, dass rund 2.000 Menschen zu dem Protestmarsch kommen, den seine Bewegung organisiert. Gegenüber der Agentur Asianews sagte er, sie wollten „die neue Regierung dazu drängen, Reformen zugunsten einer sauberen Verwaltung einzuleiten und den Demokratisierungsprozess in Macau zu beschleunigen", da die örtliche Regierung keine Richtung vorgebe, wie mehr Demokratie erreicht werden kann.

Trotz des gesamtwirtschaftlichen Erfolgs im zurückliegenden Jahrzehnt fürchteten viele um ihre Arbeitsplätze. Die Arbeitslosigkeit liegt bei etwa 3,5 Prozent. Seit 2007 organisiert der Verband regelmäßig Märsche anlässlich des Übergabetags, vergleichbar mit ähnlichen Demonstrationen, die alljährlich in der zweiten Sonderverwaltungszone, in Hongkong, stattfinden. „Die Anzahl der Marschteilnehmer ist nicht wichtig, vielmehr kommt es auf die Botschaft an, dass die örtliche Regierung öffentlich beobachtet wird." Der Marsch spiegele die öffentliche Beurteilung der Regierungsleistung wider.

Der ehemalige Transport- und Arbeitsminister der Regierung in Macau, Ao Man-long, sitzt seit vorigem Jahr wegen Korruption und Geldwäsche hinter Gittern, wo er eine 27-jährige Gesamtstrafe zu verbüßen hat. Unzufriedenheit und Verärgerung gegenüber der örtlichen Regierung waren die Folgen, nachdem die Verstrickung des Politikers feststand. Bischof Lai sagte, ihm komme die Korruption inzwischen gravierender vor als noch zu Zeiten der portugiesischen Kolonialverwaltung. Er hofft nun, dass der neue Regierungschef hart durchgreifen werde und seinem Wahlversprechen, Korruption zu bekämpfen, alle Ehre machen werde. Die Zivilgesellschaft, einschließlich der Pfarrgemeinden, würden davon profitieren.

Er rege an, dass gläubige Katholiken sich mit der katholischen Soziallehre befassen, um zu einem tieferen Verständnis von gesellschaftlichen Verantwortlichkeiten zu gelangen. Unter den Gläubigen seien auch Politiker, betonte der Bischof. Aktivist Chan beklagte darüber hinaus, dass das soziale Bewusstsein unter den örtlichen Katholiken relativ schwach sei. Der Schwerpunkt des Glaubenslebens liege in Macau mehr im sakramentalen Bereich und der Katechese und entwickle sich erst langsam dahingehend weiter, auch mehr soziale Belange zu berücksichtigen.

Er sagte, dass es auf die Bildung von Laien ankomme, um ein soziales Bewusstsein zu fördern. Ein größeres Engagement der Kirche in sozialen Belangen würde der Gesellschaft insgesamt zum Fortschritt verhelfen. Der Anteil der Katholiken in Macau wird je nach Quelle auf vier bis sechs Prozent geschätzt. Die etwas mehr als eine halbe Million Einwohner sind überwiegend buddhistisch, taoistisch sowie konfuzianisch geprägt.