Madonna von Ainhofen - ältestes Gnadenbild in Süddeutschland

Ausstellung im Freisinger Diözesanmuseum

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 600 klicks

Die vor kurzem abgeschlossene Restaurierungsmaßnahme bestätigte die Vermutung: die Madonna von Ainhofen ist die älteste Gnadenmadonna im süddeutschen Raum. Im Laufe der Jahrhunderte wurden verschiedene Veränderungen an der um 1130 entstandenen Holzskulptur vorgenommen: ihr wurde eine Brust abgenommen, sie wurde in barocke Gewänder gekleidet und mit einer üppigen Krone versehen. Ihre ursprüngliche Bemalung aber blieb unverändert. Lange Zeit wurde ihr Entstehungsdatum deutlich später, nämlich auf das 17. Jahrhundert, datiert.

Seit dem 12. Mai ist die Madonna von Ainhofen bis zum 15. August neben weiteren hochmittelalterlichen Marienbildern und Skulpturen aus dem sonst nicht ausgestellten Bestand des Freisinger Diözesanmuseums im Rahmen der Sonderausstellung „Die Madonna von Ainhofen - Biografie eines Gnadenbildes“ ausgestellt. 

Die 39 cm große, aus Weidenholz geschnitzte Figur ist über 870 Jahre alt und im romanischen Stil gearbeitet. Die Madonna wurde um 1130 für das Sühnekloster Indersdorf in Oberbayern angefertigt. Im 15. Jahrhundert entfernte man die entblößte Brust und gab die Madonna an die Dorfkirche Maria Himmelfahrt Ainhofen bei Markt Indersdorf, dier erstmals 1229 urkundliche Erwähnung fand. 

Hier wurde sie gerade wegen der abgeschnitzten Brust als Gnadenbild verehrt. Die Wallfahrten zur Madonna von Ainhofen setzten 1519 nach einem Wunder ein, über das insbesondere die Penzl-Chronik aus dem Jahr 1745 informiert. Über das Wunder existieren unterschiedliche Versionen. Einer Legende nach wollte der Hilfspfarrer Vitus die Madonna zu einem Restaurator bringen Die Figur ließ sich aus der Kirche, aber nicht über den Friedhof tragen. Alle Versuche, die Skulptur zu bewegen, erwiesen sich als zwecklos. Schließlich sagte ein anwesender Weltpriester, daß Frauen, wenn man sie an der Brust berühre, hochsprängen und so fortbewegt werden könnten. Er zog ein Messer aus der Tasche und begann, es in die Brust der Madonna zu rammen. In demselben Augenblick verlor er sein Augenlicht. Pfarrer Vitus trug daraufhin die Madonna unverzüglich an ihren Platz am Hochaltar zurück. Die Kunde dieses Wunders verbreitete sich schnell, und der Pilgerstrom wuchs. Einer anderen Überlieferung zufolge geschah das Wunder während einer Prozession: auch hier war der Friedhof wieder das überwindbare Hindernis. In dieser Version nimmt die Legende jedoch ein besseres Ende: der Übeltäter erhielt sein Augenlicht nach tiefer Reue wieder. Die dritte Variante schließlich berichtet, daß das Gnadenbild auf einem Pferdefuhrwerk in die Klosterkirche nach Indersdorf gebracht werden sollte, sich aber nicht bewegen ließ. Allen Legenden gemein ist die Untrennbarkeit des Gnadenbildes von seinem Gnadenort.

Historiker erklären sich die abgetrennte Brust der Madonna von Ainhofen mit der Abneigung des Hilfspfarrers gegen die Darstellung der „Maria lactans“. Da sich anscheinend niemand fand, der bereit war, die Veränderung an der Figur vorzunehmen, schritt der Hilfspfarrer selbst zur Tat, so wie es im „Marianischen Atlaß“ von 1673 verzeichnet ist. Im „Marianischen Atlaß“ wird die Verstümmelung der Skulptur auch mit den Bilderstürmen während der Reformation in Verbindung gebracht.

Die Verehrung des Gnadenbildes war um 1700 so angewachsen, dass pro Jahr 300 Pilgermessen gelesen wurden. Das Kirchenschiff mußte ausgebaut werden, um den Pilgerstrom zu fassen zu können. Im 17. Jahrhundert heißt es über das Gnadenbild der Madonna von Ainhofen: „Klein an Materi, Form und Gestalt aber groß an Tugenden und Wunderwirkungen“. Auch heute noch ist die Madonna von Ainhofen Ziel vieler Pilger.  

Die Madonna von Ainhofen weist außer ihrem hohen Alter, den vielen, sich um sie rankenden Legenden eine weitere Besonderheit auf: ihre Darstellung als „Maria lactans“, Maria dem Jesuskind die Brust reichend, stellt  im 12. Jahrhundert nördlich der Alpen eine ikonographische Ausnahme dar. Aus diesem Grund richtet die Ausstellung im Freisinger Diözesanmusem ihr besonderes Augenmerk auf den ikonographischen Typus der „Maria lactans“. Christoph Kürzeder, Direktor des Museums, bezeichnet die „Maria lactans“ als eine Darstellung, „die Christi Wesenheit als Gott und Mensch in den Mittelpunkt rückt“.

Die Darstellung der „Maria lactans“ war vor dem Ikonoklasmus vor allem im ägyptischen Raum beliebt, wo sich die Darstellung häufig auf Fresken findet. Als Vorbild werden Darstellungen der Isis mit Horus oder auch griechische Genreszenen angeführt. Die Vorbilder beziehen sich jedoch rein auf die formale Gestalt. Inhaltlich basiert die Darstellung der „Maria lactans“ auf Texten der Schrift (Lk 11,12) und kirchlicher Dichtung.