Magdalena von Canossa (1774-1835)

Ordensgründerin

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 476 klicks

„Betrachtet man das Leben der Magdalena von Canossa, könnte man sagen, sie sei von der Nächstenliebe wie von einem Fieber befallen worden“, mit diesen Worten beschrieb der selige Johannes Paul II. die Heilige während der Heiligsprechung am 2. Oktober 1988.  

Magdalena von Canossa wurde im Jahr 1774 als drittes von sechs Kindern einer adeligen Familie in Verona geboren. Traurige Ereignisse in ihrer Kindheit, wie der frühe Tod des Vaters, die Wiederverheiratung der Mutter und eine Erkrankung, führten sie schon in jungen Jahren zu Gott, so dass Magdalena bereits mit siebzehn Jahren beschloss, ihr Leben ganz Gott zu weihen. Doch ihre Aufenthalte bei den Karmeliterinnern sollten nicht von Dauer sein, und so kehrte die junge Magdalena zunächst wieder in den Kreis ihrer Familie zurück.

Ihre Liebe und Zuwendung galten den Armen, Bedürftigen, Kindern und Kranken. Die Folgen der französischen Revolution und die Invasion der französischen Truppen in Italien hatten auch in Verona tiefe Spuren hinterlassen. Viele Kinder waren zu Waisen geworden und lebten verwahrlost auf der Straße. Magdalena kümmerte sich um sie und sorgte für ihre Unterkunft.

1808 verließ Magdalena endgültig gegen den Willen ihrer Familie den Familienpalast und zog in den ärmsten Stadtteil Veronas. Kritischen Äußerungen an ihrem Verhalten entgegnete sie: „Nur weil ich als Marquise geboren bin, kann mir etwa nicht die Ehre zuteil werden, Jesus Christus bei den Armen zu dienen?“ Christus zu folgen, in Keuschheit, Gehorsam und bedingungsloser Liebe zu Gott zu leben, zeichneten ihren tiefen Glauben aus.

Magdalena aber beschränkte sich nicht darauf, in Verona die Situation der Armen und Kranken verbessern zu wollen, auch in anderen norditalienischen Städten wie Venedig, Mailand oder Bergamo gründete sie Häuser, Schulen und Unterkünfte, und die Zahl ihrer Anhänger wuchs beständig. Bildung für Kinder und die medizinische Versorgung von Frauen in Krankenhäusern zählten ebenso zu ihrem Programm wie der Katecheseunterricht und Seminare für Erwachsene.

Zwischen 1819 und 1820 wurde der von Magdalena gegründete Orden der „Figlie della Carità“ (Töchter der Nächstenliebe) kirchlich anerkannt und von Papst Leo XII mit dem Schreiben „Si nobis“ vom 23. Dezember 1828 bestätigt. Der weibliche Zweig des Ordens verbreitete sich bis in den Nahen Osten. Heute gibt es rund 4000 Schwestern, die nach ihrer Gründerin auch Canossianerinnen genannt werden.

Nur drei Jahre später, am 23. Mai 1831, wurde der männliche Zweig des Ordens in Venedig gegründet. Er hat heute circa 200 Mitglieder und ist in Italien, Lateinamerika und auf den Philippinen tätig.

Magdalena von Canossa starb am 10. April 1835, einem Karfreitag, im Kreise ihrer Schwestern in Verona. Ihre Seligsprechung erfolgte am 7. Dezember 1941 durch Papst Pius XII.. Heiliggesprochen wurde Magdalena von Canossa am 2. Oktober 1988 durch den seligen Johannes Paul II..