Malala Yousafzai im Kampf für Bildung

Eine Sechszehnjährige tritt vor die Vereinten Nationen

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 439 klicks

Am 9. Oktober 2012 verübten eine Gruppe von Taliban ein Attentat auf einen Schulbus auf dem Weg nach Hause und schossen den Kindern in den Kopf. Malala Yousafzai wurde in den Kopf und in den Hals getroffen, überlebte das Attentat jedoch.

Etwas weniger als ein Jahr später, am vergangenen 12. Juli, ihrem Geburtstag, trat die sechszehnjährige Malala Yousafzai in New York vor die Vereinten Nationen und sagte: „Ich bin hier um über das Recht auf Bildung aller Kinder zu sprechen. Ich will Bildung für die Söhne und Töchter der Taliban und aller anderen Terroristen und Extremisten. Ich hasse nicht einmal den Taliban, der mich angeschossen hat. Auch wenn ich eine Pistole in der Hand hätte und er stände vor mir, ich würde nicht auf ihn schießen.“ Heute ist sie die jüngste Kandidatin für den Friedensnobelpreis, nachdem sie bereits den „International Children’s Peace Price“erhalten hat.

Der Sprecher der pakistanischen Taliban, Ihsanullah Ihsan, rechtfertigte das Attentat, indem er sagte, das Mädchen sei das Symbol der Ungläubigen und der Unzüchtigkeit. Bereits mit 13 Jahren war Malala aufgrund eines Blogs bekannt geworden, in dem sie die Verletzung des Rechts auf Bildung von Mädchen anprangerte. Für die Terroristen ist Malala schuldig, weil sie aktiv die Menschenrechte verteidigt und sich zudem für das Recht auf Bildung der Mädchen in der Stadt Mingora einsetzt, dort, wo die Taliban den Mädchen den Zutritt zu Schulen verweigern.

In einem Schal der ehemaligen von islamistischen Terroristen getöteten Ministerin von Pakistan, Benazir Bhutto, trat Malala vor die Vereinten Nationen und sagte: „Liebe Freunde, am 9. Oktober 2012 haben die Taliban auf mich geschossen und meine linke Stirn getroffen. Auch auf meine Freunde haben sie geschossen. Sie haben gedacht, dass die Kugeln uns zum Schweigen bringen würden, aber sie sind gescheitert. Denn aus der Stille kamen tausende Stimmen. Die Terroristen dachten, sie könnten meine Ziele verändern und meinen Ehrgeiz stoppen. Aber in meinem Leben hat sich nichts verändert mit einer Ausnahme: Schwäche, Angst und Hoffnungslosigkeit sind verschwunden, Stärke, Kraft und Mut sind geboren. …Ich bin gegen niemanden, auch bin ich nicht hier, um aus persönlicher Rache gegen die Taliban oder irgendeine andere terroristische Gruppe zu sprechen. Ich bin hier, um meine Meinung zu sagen für das Recht auf Bildung für alle Kinder. Ich wünsche mir Bildung für die Söhne und Töchter der Taliban und aller Terroristen und Extremisten. … Das ist das Mitgefühl, das ich von Mohammed gelernt habe, dem Propheten der Barmherzigkeit, und von Jesus Christus und Buddha. Das ist das Erbe des Wandels, das ich von Martin Luther King, Nelson Mandela und Mohammed Ali Jinnah übernommen habe. Das ist die Philosophie der Gewaltlosigkeit, die ich von Gandhi, Badshah Khan und Mutter Theresa gelernt habe. Und das ist die Versöhnlichkeit, die ich von meinem Vater und meiner Mutter gelernt habe. Meine Seele sagt mir: ‚Sei friedfertig und liebe alle.‘ … Liebe Gefährten, heute konzentriere ich mich auf die Frauenrechte und das Recht auf Bildung für Mädchen, weil sie am meisten leiden. Es gab eine Zeit, in der gesellschaftliche Aktivistinnen Männer gebeten haben, für ihre Rechte einzutreten, aber diesmal werden wir das selbst tun. … Wir rufen heute die Führer der Welt auf, ihre strategischen Grundsätze zugunsten von Frieden und Wohlstand zu ändern. Wir rufen die führenden Politiker der Welt auf, dass alle Abkommen die Rechte von Frauen und Kindern schützen müssen. Ein Abkommen, das sich gegen die Rechte von Frauen richtet, ist unannehmbar. … Also lasst uns einen weltweiten Kampf wagen gegen Analphabetismus, Armut und Terrorismus; lasst uns unsere Bücher und Stifte holen, sie sind unsere stärksten Waffen. Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern. Bildung ist die einzige Lösung. Bildung zuerst.“

Während ihrer Rede sagte Malala, die Extremisten hätten Angst vor Büchern und Stiften. Die Macht der Bildung würde sie erschrecken, so wie ihnen auch Frauen Angst machen würden. Aus diesem Grund würden sie Lehrerinnen umbringen und Schulen zerstören, auch weil sie Angst vor der Veränderung und der Gleichstellung innerhalb der Gesellschaft hätten. Gott wiedersetze sich sicher nicht den Mädchen, die zur Schule gingen, fügte Malala hinzu; die Terroristen missbrauchten den Namen des Islam für ihre eigenen Interessen.

In einem Interview sagte sie: „Es macht mir nichts aus, mich auf den Boden einer Schule zu setzen. Ich will nur Bildung. Und ich habe vor niemandem Angst.“