Malawi: neue schwere Hungersnot

FIDES schlägt Alarm

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ROM, 04. Dezember 2012 (ZENIT.org). - „In vielen Gebieten Malawis, besonders im Distrikt Balaka, der am schwersten betroffen ist, leiden zahlreiche Menschen Hunger.“ So schrieb Pater Piergiorgio Gamba, Montfortanermissionar, an den vatikanischen Nachrichtendienst Fides. Pater Gamba ist seit mehr als dreißig Jahren in Malawi als Missionar tätig.

Diese neue Hungersnot, erklärte der Missionar, sei von den zu schwachen Regenfällen der letzten Saison verursacht worden, aber auch von den Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise, die trotz der erfolgten Geldentwertung in Malawi den Verlust zahlreicher Arbeitsplätze und einen rasanten Anstieg der Lebensmittelpreise zur Folge hatte.

Die Menschen seien gezwungen, sich von Bonya-Fischen zu ernähren. „Es handelt sich um den kleinsten Fisch des Malawisees; normalerweise wird er in großen Mengen gefischt, um getrocknet als Hühnerfutter verwendet zu werden. Aber jetzt ist dieser Fisch zum Nationalgericht avanciert und zum Symbol dieser neuen Hungersnot geworden. Selbst die ehemals Wohlhabenderen, die sich früher den Chambo leisten konnten, den besten Fisch des Malawisees, müssen sich inzwischen mit dem begnügen, was sie früher als Beifang und Abfall betrachtet hätten“, berichtet Pater Gamba.

Malawi steht auch im Mittelpunkt eines Territorialstreits mit Tansania um den Verlauf der Staatsgrenze auf den Gewässern des Sees. Tansania, ebenso wie Malawi ein Anrainerstaat des Malawisees, vertritt die Meinung, die Staatsgrenze verlaufe entlang der Mittellinie des Sees. Die Regierung von Malawi betrachtet hingegen den gesamten Wasserspiegel, mit Ausnahme der auf dem Gebiet von Mosambik gelegenen Fläche, als Territorium ihres Staates, und verlegt damit praktisch die Grenze an das tansanische Ufer des Sees.

Der malawische Staatspräsident M. Joyce Banda, der am 5. April das Amt seines verstorbenen Vorgängers Bingu wa Mutharika antrat, hat nach einer anfänglichen Bereitschaft zum Dialog mit Tansania inzwischen eine unnachgiebige Haltung angenommen. „Dieser Streit zieht sich schon seit Monaten hin und könnte die Stabilität der gesamten Region gefährden“, erklärte Pater Gamba zum Abschluss seiner Mitteilung. „Es ist eine Kraftprobe, die Präsident Banda, auch in Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen 2014, sich nicht leisten kann zu verlieren. Hinzu kommt noch, dass der Grund des Sees Erdölvorkommen birgt: ein Grund mehr, um nicht nachzugeben.“

[Übersetzung des französischen Originals von Alexander Wagensommer]