Malaysia: Streit um die Benutzung des Begriffs "Allah"

Über 100 Anzeigen gegen den Direktor der katholischen Wochenzeitung "Herald"

Rom, (Fides) | 353 klicks

Gegen den malaiischen Priester und Direktor der von der katholischen Diözese Kuala Lumpur herausgegebenen Zeitung „Herald“, Lawrence Andrew, ermittelt die malaiische Justiz. Dabei riskiert er ein Verfahren wegen „Aufruhr“. Wie Beobachter aus Kreisen der Ortskirche dem Fidesdienst berichten, gab es bereits 109 Anklagen gegen ihn, weil er in einem Artikel in der Ausgabe des „Herald“ von 27. Dezember den Anspruch der Katholiken auf die Benutzung des Begriffs Allah für Gott erneut bekräftigte. In seinem Artikel zitierte der katholische Geistliche ein über hundert Jahre altes christliches Gebet in malaiischer Sprache, das bereits den Begriff „Allah“ benutzte.

„Dies bereitet der katholischen Kirche Sorge, weil die Entwicklung in der Sache bedenklich ist“ so P. Augustine Julian von den Christlichen Schulbrüdern in Kuala Lumpur zu Fides. „Die derzeitigen Ermittlungen der Richter sind eine subtile Form der Druckausübung gegen Christen“, so P. Julian. Auch die Bischöfe von Malaysia, die in diesen Tagen im Rahmen der Vollversammlung in Johor tagen, „werden sich mit der delikaten Angelegenheit befassen.“ Man befürchte eine Eskalation und mögliche Gewalt, weshalb man auf eine offizielle Erklärung verzichte.

Erst vor kurzem waren im Land 300 Bibeln von der Polizei des Staates Selangor beschlagnahmt worden. Dies wurde damit begründet, dass die Bibeln in der einheimischen Sprache Bahasa den Begriff „Allah“ benutzen. Die „Bible Society of Malaysia“ (BSM), Herausgeberin der beschlagnahmten Bibel, forderte in diesem Zusammenhang die Umsetzung der „10-Punkte-Erklärung“ der malaiischen Regierung des Jahres 2011. Die Erklärung genehmigt christlichen Gemeinden den Druck, die Einfuhr und die Verteilung von Bibeln in den verschiedenen einheimischen Sprachen. BSM betont dabei, man habe die entsprechenden Auflagen beachtet und die Bibeln seien für die Gemeinden Sabah und Sarawak bestimmt gewesen. Daraufhin veranlasste der Premierminister des Staates Selangor, Abdul Khalid Ibrahim, die Rückerstattung der Bibeln.

Zu einem Rechtsstreit über die Benutzung des Begriffs „Allah“ durch Nichtmuslime kam es 2009 nachdem der Innenminister der katholischen Zeitung „Herald“ eine entsprechende Erlaubnis für die eigenen Veröffentlichungen entzog. Die katholische Kirche legte Widerspruch ein und berief sich dabei auf den Verstoß gegen die Verfassung. Das Gericht bekräftigte in ihrem Urteil noch im selben Jahr die These der Kirche. Ein weiteres Urteil des Berufungsgerichts bekräftigte hingegen das Verbot im Oktober 2013. Von den insgesamt rund 28 Millionen malaiischen Staatsbürgern sind 60 Prozent Muslime und nur rund 9 Prozent Christen. (PA)

(Quelle: Fides 9/1/2014)