Mali: Caritas-Büros verwüstet

Christen fürchten um ihr Leben, Hilfsprogramm läuft weiter

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Rom, 4. April 2012 (ZENIT.org). - Die Caritas-Büros in Gao im Norden von Mali sind bei der Eroberung der Stadt durch die Tuareg-Rebellen am vergangenen Wochenende verwüstet worden. Wie Caritas Mali dem Fidesdienst mitteilte, sei dabei auch eine Kirche der Stadt in Mitleidenschaft gezogen worden.

Trotz des anhaltenden Konflikts im Norden des Landes und des Militärputsches im vergangenen Monat setze Caritas Mali jedoch die eigenen Hilfsprogramme für bedürftige Menschen in den restlichen Landesteilen fort.

Die Gruppe „Ansar Dine“ , die Verbindungen zu Al Quaida im Islamischen Magreb (AQMI) unterhält, kämpft gemeinsam mit Tuareg-Rebellen der MNLA (Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad) für eine Abspaltung des Nordens. Das Gebiet, das die Rebellen für sich beanspruchen, reicht von den Grenzen zu Algerien und Niger bis zum Fluss Niger, der außerhalb von Timbuktu verläuft.

Die Tuareg-Rebellen haben in drei Tagen drei wichtige Städte im Norden des Landes erobert: Zunächst nahmen sie Gao und Kidal ein und drangen dann nach Timbuktu vor, wo es zu schweren Plünderungen kam.

Der Leiter der Caritaszentrale in Gao, Pfarrer Jean-Jacques, berichtete: „Am Samstag, dem 31. März, ist uns die Flucht aus Gao gelungen, nachdem wir erfahren mussten, dass die islamischen Rebellen nach Priester und Ordensleuten suchten und diese töten wollten. Am Samstagnachmittag sammelten sich die Rebellen, die aus der Stadt vertrieben worden waren, um Gao zu erobern, nachdem die Regierungssoldaten sich zurückgezogen hatten.

Uns wurde mitgeteilt, dass die Missionsstation und eine Kirche verwüstet worden waren. Wir erhielten auch Anrufe von Christen, die sich noch in Gao aufhielten und uns berichteten, sie hielten sich dort versteckt, weil sie um das eigenen Leben fürchteten. In der Stadt halten sich noch rund 200 Christen auf.“

Unterdessen sei in der Hauptstadt Malis die Lage ruhig. „Hier in Bamako ist alles normal“, so Theodore Togo, der Generalsekretär von Caritas Mali gegenüber Fides. „Wir beobachten die Entwicklung im Norden. Wir mussten unsere Hilfsprogramme in Gao und leider auch in Mopti unterbrechen, doch im Rest des Landes helfen wir weiterhin den von der Hungersnot betroffenen Menschen“.

In Mali spitzt sich nach dem Militärputsch die Lage zu: Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 90.000 Menschen auf der Flucht. Weil die Nachbarländer Wirtschaftssanktionen verhängt haben, bilden sich vor Banken und Tankstellen Schlangen.

Darüber hinaus droht dem westafrikanischen Land die Spaltung. Die Tuareg-Rebellen und die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehenden Rebellen kontrollierten nahezu den gesamten Norden, erklärte UN-Unterstaatssekretär Lynn Pascoe am Dienstag nach Angaben von Diplomaten in New York.

Eine islamistische Gruppe, die gemeinsam mit Tuareg-Rebellen für die Unabhängigkeit von Nord-Mali kämpft, will in der historischen Stadt Timbuktu die islamische Rechtsprechung Scharia einführen. Nach Berichten von Einwohnern des Landes seien die Radiostationen aufgefordert worden, keine internationale Musik mehr zu spielen. Außerdem sollten Frauen keine Hosen, sondern nur noch Röcke und Kleider tragen.

Nach den Worten des amtierenden deutschen UN-Botschafters Miguel Berger sei die Spaltung des Landes „eine sehr reale Gefahr“. Vor allem das Risiko, dass Al-Kaida nahestehende Gruppen Teile Malis kontrollierten, gebe Anlass zur Sorge.

Besorgnis über die möglichen Auswirkungen der Kämpfe auf Timbuktu, das zum Weltkulturerbe zählt, zeigt auch die Kulturorganisation der Vereinten Nationen. Die unter Schutz stehenden Moscheen, Mausoleen und Friedhöfe müssten unter allen Umständen erhalten bleiben, so die Unesco-Chefin Irina Bokowa in Paris. In 60 privaten Bibliotheken beherbergt die Stadt die größte Handschriftensammlung Westafrikas.

Unterdessen wurde auch das SOS-Kinderdorf Socoura in der Stadt Mopti evakuiert. Die 140 Kinder und Mütter, die dort lebten, seien auf die beiden im Süden Malis liegenden SOS-Kinderdörfer aufgeteilt worden, teilte die Organisation in München mit. „Da Mopti eine strategisch wichtige Hafenstadt am Niger in der Mitte Malis ist, wird befürchtet, dass auch diese Stadt ins Visier der Rebellen gerät“, hieß es in der Mitteilung.

Am Montag hatte das Auswärtige Amt allen deutschen Staatsbürgern in Mali dringend geraten, das Land sofort zu verlassen.

Caritas Mali verteilt Mais, Hirse, Reis und Saatgut an über 100.000 Menschen, die von der Lebensmittelkrise betroffen sind. „Wenn die Rebellen ihre Aktivitäten auf den Norden beschränken, werden wir die meisten unsere Hilfsprogramme wie geplant fortsetzen können“, so Theodore Togo. [jb]