Malta: Papsttreffen mit Missbrauchsopfern in Nuntiatur

Erschüterter Papst betet für Opfer um Heilung und Versöhnung

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ROM,18. April 2010 (ZENIT.org).- Für Papst Benedikt XVI. war klar, dass er während seines Kurzbesuch auf Malta Zeit für ein Zusammentreffen mit Missbrauchsopfern finden würde. Ist der Besuch in Malta doch die erste Auslandsreise des Papstes, seitdem der Missbrauchskandal in der katholischen Kirche immer weitere Kreise zieht.

Auf den Mittelmeerinseln, die den Staat Malta bilden, wirken 850 römisch-katholische Priester. Seit der Einrichtung einer Untersuchungskommission im Jahr 1999 sind 45 von ihnen wegen Missbrauchs angeklagt worden, also rund 5 Prozent des gesamten Klerus der traditionsträchtigen Inselrepublik 

Während des zweitägigen Aufenthalts kam er heute in der Apostolischen Nuntiatur mit Missbrauchsopfern. Zehn Männer, die nach eigenen Angaben als Kinder in den 80er- und 90er-Jahren von katholischen Priestern in einem maltesischen Waisenhaus missbraucht wurden, hatten um ein persönliches Gespräch mit Benedikt XVI. ersucht. Die Männer hofften, ein "schmerzliches Kapitel" ihres Lebens schließen zu können.

Vatikansprecher Federico Lombardi hatte im Vorfeld schon dies Treffen des Papstes mit Opfern von sexuellem Missbrauch in Kircheneinrichtungen für möglich gehalten. Fernab von Medienpräsenz, so lies der Heilige Stuhl heute wissen, in einem Klima der "Andacht und Reflexion" hatte der Papst Benedikt XVI. ihnen versprochen, dass die Kirche alles tun werde, was in ihrer Macht stünde, um die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen, damit Gerechtigkeit walten könne, so die offizielle Mitteilung.

Im Geist seines Briefes an die Kirche von Irland, betete er dafür, dass alle Opfer Heilung und Versöhnung erfahren könnten und neue Hoffnung schöpfen dürften.

Der Erzbischof von Malta, Msgr. Paul Cremona, hatte am vergangenen Montag angekündigt, dass er sich mit zehn Missbrauchsopfern treffen werde. Das Gespräch solle zeitnah zum Papstbesuch stattfinden. Vorgesehen sei auch die Teilnahme des zuständigen Kirchenanwalts der Glaubenskongregation, Charles Scicluna, der selber aus Malta stammt.

In 19 Fällen habe die von einem ehemaligen Richter geleitete Kommission keine Anhaltspunkte für Vergehen gefunden, gaben die beiden Bistümer Maltas bekannt. 13 Fälle seien in der Kommission noch anhängig, in 13 anderen Fällen habe sie sich für ein kirchenrechtliches Verfahren ausgesprochen.

Die beiden Bistumsleiter Maltas hatten vergangene Woche ihr Bedauern über die teils in die 70er Jahre zurückreichenden Missbrauchsfälle bekundet und den Willen zur vorbehaltlosen Aufklärung unterstrichen.

Die zehn Männer, die als Jungen von Priestern missbraucht wurden, hatten eine Begegnung mit Papst Benedikt XVI. verlangt. "Diese Geste würde uns sehr helfen", sagte Lawrence Grech, ein Sprecher der Gruppe, während einer Pressekonferenz. Er rief den Papst dazu auf, sexuellen und körperlichen Missbrauch durch maltesische Priester bei seinem Besuch in Malta öffentlich zu verurteilen.

Zugleich wandten sich die Männer gegen Angriffe und Proteste gegen das Kirchenoberhaupt, die in den vergangenen Tagen in Malta laut wurden. "Wir haben nichts gegen die Kirche und auch nichts gegen den Papst, aber wir wollen Gerechtigkeit", so der Maltese Grech.