"Man muss auf die ganze Welt verzichten können": Benedikt XVI. ruft zur uneingeschränkten Nachfolge Jesu auf

Generalaudienz mit Zehntausenden von Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom

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ROM, 17. Mai 2006 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. verwies heute, Mittwoch, auf das Beispiel des ersten Papstes in der Geschichte der Kirche, um die Gläubigen auf "die große Alternative" des irdischen Lebens aufmerksam zu machen: "entweder den eigenen Erwartungen den Vorzug zu geben und Jesus zurückzuweisen, oder aber Jesus in der Wahrheit seiner Sendung anzunehmen und die allzu menschlichen Erwartungen zurückzustellen".



Während der Generalaudienz veranschaulichte der Heilige Vater anhand des Lebens jenes Apostels, dessen Name im Neuen Testament am häufigsten erwähnt wird, "was es heißt, Jesus wirklich nachzufolgen".

"Petrus will einen 'göttlichen Menschen' als Messias, der die Erwartungen der Menschen erfüllt, indem er allen seine Macht aufzwingt. Es ist auch unser Wunsch, dass der Herr seine Macht auferlegt und die Welt sofort verwandelt. Jesus aber zeigt sich als 'menschlicher Gott', als Diener Gottes, der die Erwartungen der Menschen erschüttert, indem er einen Weg der Demut und des Leidens einschlägt."

Benedikt XVI. erinnerte die Zehntausenden von Gläubigen aus aller Welt auch an jene Szene, in der Jesus seine eigene Passion ankündigt und Petrus dazu bringt, ihn "beiseite zu nehmen und zu tadeln. Die Antwort Jesu lässt all seine falschen Erwartungen zusammenbrechen und ruft ihn zu Bekehrung und Nachfolge auf: 'Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen' (Mk 8,33)."

Bei diesem einschneidenden Erlebnis habe es sich für Petrus um die "zweite Berufung" gehandelt. Von nun an sei er imstande gewesen, den Sinn jener Worte anzunehmen: "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten" (Mk 8,34-35).

Der Heilige Vater bezeichnete diese Aussage des Herrn als "das anspruchsvolle Gesetz des Nachfolge: Man muss, falls es notwendig sein sollte, auf die ganze Welt verzichten können, um die wahren Werte, seine Seele und die Gegenwart Gottes in der Welt zu retten." Und Petrus habe diese Einladung Jesu angenommen.

"Auch wir haben Verlangen nach Gott, auch wir wollen großzügig sein", fuhr Benedikt XVI. fort. "Aber auch wir erwarten, dass Gott mit all seiner Kraft in der Welt auftritt, um sie gemäß unseren eigenen Vorstellungen und den Bedürfnissen, die wir sehen, sofort zu verwandeln. Gott wählt einen anderen Weg. Gott wählt den Weg der Verwandlung der Herzen im Leiden und in der Demut. Und wir müssen uns wie Petrus immer wieder bekehren.

Wir müssen Jesus nachfolgen und dürfen ihm nicht vorauseilen: Er ist es, der uns den Weg weist. So sagt uns Petrus: Du glaubst, das Rezept zu besitzen und das Christentum verwandeln zu müssen; es ist aber der Herr, der den Weg kennt. Es ist der Herr, der mir sagt, der dir sagt: Folge mir nach! Und wir müssen den Mut und die Demut haben, Christus zu folgen, weil er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist."