Mangel an Theologiestudenten hier, Boom dort

Philosophisch-Theologische Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz muss dringend erweitert werden

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1099 klicks

Der Mangel an Priesteramtsbewerbern bedroht theologische Fakultäten in Deutschland. Sind Laienstudenten und weibliche Professoren die Lösung? Der Katholisch-Theologische Fakultätentag befasste sich auf seiner jüngsten Jahrestagung in St. Augustin mit dem Überleben der Fakultätenstandorte. Die Zahl der Bewerber im Vollstudium sei nach einem Bericht von domradio in den vergangenen 15 Jahren um rund die Hälfte auf derzeit gut 2.000 zurückgegangen, die Zahl der Promotionen um ein Viertel auf rund 75 im Jahr. In Bamberg und Passau seien katholische Fakultäten bereits stillgelegt worden. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck verlege auch aus Kostengründen –an den viel zu großen Priesterseminaren gebe es zu wenige Studenten- die Priesterausbildung von der Uni Bochum nach Münster, wo bereits auch die angehenden Priester der Bistümer Aachen und Osnabrück ausgebildet werden.

Domradio zitiert den Mainzer Fundamentaltheologen Alexander Loichinger mit den Worten: „Der größte Feind der katholischen Fakultäten ist die Kirche selbst!" Die Fakultäten stünden und fielen mit der Priesterausbildung nach den grundgesetzlich geschützten Vereinbarungen zwischen Staat und Kirche. Die Laienausbildung sei die einzige Überlebenschance der Hochschul-Theologie. Ohne sie drohe das Aus oder die Eingliederung in „weltliche" Fachbereiche, indem sie etwa Studiengänge für Lehrer anböten.

13 Prozent der Professoren seien bereits weiblich. Damit sei man auf einem guten Weg,  aber vergleichsweise noch unterentwickelt, denn in allen anderen Hochschuldisziplinen sei bereits jeder fünfte Lehrstuhl von einer Frau besetzt.

Ein vollkommen anderes Bild zeichnen andere deutschsprachige Ausbildungsstätten für Theologen. Eine davon ist die Philosophisch-Theologische Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz, eine Hochschule päpstlichen Rechts. Auch sie steht vor finanziellen Problemen, aber aus einem gegensätzlichen Grund: Sie ist einfach zu klein, um die vielen Studenten aufnehmen zu können. Der dringend benötigte Ausbau ist finanziell nicht allein vom Stift oder mit Hilfe der Erzdiözese Wien zu bewältigen.

Am 9. September 2007 hatte Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch des Zisterzienserstifts folgendes gesagt:

„So wichtig die Integration der theologischen Disziplin in die „universitas" des Wissens durch die Katholisch-Theologischen Fakultäten an den staatlichen Universitäten ist, ist es doch ebenso wichtig, dass es so profilierte Studienorte wie den euren gibt, wo eine vertiefte Verbindung von wissenschaftlicher Theologie und gelebter Spiritualität möglich ist. Gott ist ja nie bloß Objekt der Theologie, er ist immer zugleich ihr lebendiges Subjekt. Christliche Theologie ist auch nie eine bloß menschenförmige Rede über Gott, sondern sie ist immer zugleich der Logos und die Logik, in der Gott sich zeigt. Darum sind wissenschaftliche Intellektualität und gelebte Frömmigkeit zwei Elemente des Studiums, die in unaufgebbarer Komplementarität aufeinander angewiesen sind.

.. Bei dem Mühen um die Zuerkennung strenger Wissenschaftlichkeit im modernen Sinn kann der Theologie der Atem des Glaubens ausgehen. Aber so wie Liturgie, die den Blick auf Gott vergisst, als Liturgie am Ende ist, so hört auch eine Theologie, die nicht mehr im Raum des Glaubens atmet, auf, Theologie zu sein; eine Reihe mehr oder weniger zusammenhängender Disziplinen bliebe übrig. Wo aber eine „kniende Theologie" getrieben wird, wie sie Hans Urs von Balthasar gefordert hat, da wird die Fruchtbarkeit für die Kirche in Österreich und darüber hinaus nicht fehlen.

Diese Fruchtbarkeit zeigt sich in der Förderung und Ausbildung von Menschen, die eine geistliche Berufung in sich tragen. ..Wo die intellektuelle Dimension vernachlässigt wird, entsteht allzu leicht ein frömmlerisches Schwärmertum, das fast ausschließlich von Emotionen und Stimmungen lebt, die nicht das ganze Leben durchgetragen werden können. Und wo die spirituelle Dimension vernachlässigt wird, entsteht ein dünner Rationalismus, der aus seiner Kühle und Distanziertheit nie zu einer begeisterten Hingabe an Gott durchbrechen kann.“

Der Erfolg dieser Hochschule, die seit 1802 für die Priesterausbildung existiert, scheint dem Anliegen des Papstes gerecht zu werden.

Im Stift Heiligenkreuz leben derzeit 82 Mönche mit einem Durchschnittsalter von 48 Jahren.

Nach eigener Beschreibung pflegen die Heiligenkreuzer Zisterzienser besonders das lateinische Chorgebet in gregorianischem Choral nach den Normen des 2. Vatikanischen Konzils, deren CD-Einspielungen weltberühmt wurden.

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