Marcello Pera: Der Staat darf die Religion nicht ausgrenzen

Vortrag an der spanischen Universität Navarra

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PAMPLONA, 22. November 2007 (ZENIT.org).- Der frühere italienische Senatspräsident Marcello Pera hat am Dienstag in Pamplona (Spanien) bekräftigt, dass ein wirklich laikaler Staat die Religion nicht aus dem öffentlichen Leben verbanne. Scharfe Kritik übte der Politiker am Laizismus, der sich gegen die religiöse Dimension des Menschen wende.



Pera trat im Rahmen des Internationalen Kongresses über „Kultur und Rationalität“, der vom 19. bis zum 21. November an der Universität Navarra ausgerichtet wurde, als Redner auf. Rund 200 Personen berieten während dieser Tage über Pluralismus und Fragen des interkulturellen und interrelkigiösen Dialogs.

„Ich würde zwischen ‚laikalem‘ und ‚laizistischen‘ Staat unterscheiden“, erklärte der Gast aus Italien. „Unter ‚laikal‘ verstehe ich, dass der Staat von jeglicher Kirche getrennt ist und völlig autonom handelt. Das laikale Denken entfaltet sich auf vernünftige Weise, schließt aber die religiöse und übernatürliche Dimension nicht aus. Der Laizismus hingegen ist eine Ideologie, die die religiöse Dimension des Menschen vorsätzlich beseitigen will.“

Die demokratischen Werte kommen nach Worten des früheren Senatspräsidenten „aus dem Christentum“, und grundlegende Prinzipien der westlichen Gesellschaft – Gleichheit, Freiheit, menschliche Würde – hätten ihren Ursprung in der christlichen Kultur. Aus diesem Grund betonte Pera, dass sich alle Demokraten dazu verpflichtet fühlen sollten, diese christlichen Werte zu bewahren und zu fördern.

Die Verteidigung der Werte, die der jüdisch-christlichen Tradition entstammen, sei aber zugleich ein „Auftrag für alle“, denn die Demokratie benötige ein solides Fundament und müsse von allen Bürgern mitgetragen werden.

Die internationale Tagung nahm vor allem jene Prinzipien in den Blick, die allgemein geteilt werden und zum harmonischen Miteinander in der pluralistischen Gesellschaft beitragen. Unter den Referenten waren Juden, Orthodoxe, Lutheraner und Katholiken.