Maria, die unbefleckt Empfangene, ist „Mutter der Hoffnung“ aller Menschen

Anmgelus-Ansprache am Marienfeiertag

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ROM, 10. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. am Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria vor dem Angelus-Gebet gehalten hat.



„Welch großes Geschenk ist es doch, die unbefleckt empfangene Maria zur Mutter zu haben!“, rief der Heilige Vater am Samstag vor Tausenden von Gläubigen und Pilgern aus, die auf dem Petersplatz zusammengekommen waren. „Wer könnte uns mehr als sie Stern der Hoffnung sein; Morgenröte, die den Tag des Heils angekündigt hat?“

Im Blick auf Maria erkennen wir nach Worten Benedikts XVI. „die Größe und die Schönheit des Planes Gottes für jeden Menschen: heilig und untadelig in der Liebe zu werden (vgl. Eph 1,4), als Ebenbild unserer Schöpfers.“

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Liebe Brüder und Schwestern!

Auf dem Weg des Advents leuchtet der Stern Mariens, der unbefleckt Empfangenen, „Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes“ (Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 68). Um zu Jesus zu gelangen, dem wahren Licht, der Sonne, die über allen Dunkelheiten der Geschichte aufgegangen ist, brauchen wir Lichter, die uns nahe sind, Menschen, die Abglanz des Lichtes Christi sind und so den zu gehenden Weg erhellen. Und welcher Mensch wäre leuchtender als Maria? Wer könnte uns mehr als sie Stern der Hoffnung sein; Morgenröte, die den Tag des Heils angekündigt hat? (vgl. Spe salvi, 49). Deshalb läßt uns die Liturgie heute, kurz vor dem Weihnachtsfest, das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria feiern: das Geheimnis der Gnade Gottes, das vom ersten Augenblick seines Daseins das Geschöpf umhüllte, das dazu bestimmt war, die Mutter des Erlösers zu werden, und es deshalb vor der Ansteckung der Erbsünde bewahrte. Im Blick auf sie erkennen wir die Größe und die Schönheit des Planes Gottes für jeden Menschen: heilig und untadelig in der Liebe zu werden (vgl. Eph 1,4), als Ebenbild unserer Schöpfers.

Welch großes Geschenk ist es, die unbefleckt empfangene Maria zur Mutter zu haben! Eine Mutter, die in ihrer Schönheit erglänzt und die Liebe Gottes durchscheinen läßt. Ich denke an die jungen Menschen von heute, die in einem Umfeld aufgewachsen sind, das von Botschaften gesättigt ist, die falsche Modelle des Glücks vorbringen. Diese Jungen und Mädchen laufen Gefahr, die Hoffnung zu verlieren, da sie oft Waisen der wahren Liebe zu sein scheinen, die das Leben mit Freude und Sinn erfüllt. Dieses Thema lag meinem verehrten Vorgänger Johannes Paul II. sehr am Herzen, der so viele Male der Jugend unserer Zeit Maria als „Mutter der schönen Liebe“ vorgeschlagen hat. Nicht wenige Erfahrungen sagen uns bedauerlicherweise, dass die Jugendlichen, die jungen Männer und Frauen und sogar die Kinder der Verderbnis der Liebe leicht zum Opfer fallen können, betrogen von skrupellosen Erwachsenen, die sich selbst und die jungen Menschen anlügen und sie so in die Sackgasse des Konsumismus hineinziehen. Auch die heiligsten Wirklichkeiten wie der Leib des Menschen, Tempel des Gottes der Liebe und des Lebens, werden so zu Gegenständen des Konsums – und das immer früher, schon in der Zeit vor der Pubertät. Wie traurig ist es doch, wenn die Jungen und Mädchen das Staunen, den Zauber der schönsten Gefühle, den Wert der Achtung für den Leib verlieren, die Manifestation der Person und ihres unergründlichen Geheimnisses sind!

Auf all dies lenkt unsere Aufmerksamkeit Maria, die unbefleckt Empfangene, die wir in all ihrer Schönheit und Heiligkeit betrachten. Am Kreuz hat Jesus sie Johannes und allen Jüngern anvertraut (vgl. Joh 19,27), und seither ist sie Mutter der ganzen Menschheit, Mutter der Hoffnung. An sie richten wir im Glauben unser Gebet, während wir im Geiste nach Lourdes pilgern, wo heute ein besonderes Jubiläumsjahr anläßlich des 150. Jahrestages ihrer Erscheinungen in der Grotte von Massabielle seinen Anfang nimmt. Maria, die unbefleckt Empfangene, „Stern des Meeres, leuchte uns und führe uns auf unserem Weg!“ (Spe salvi, 50).

[Nach dem „Engel des Herrn“ erklärte der Papst:]

An diesem Hochfest der Gottesmutter richte ich wie gewöhnlich einen besonderen Gruß an die „Päpstliche Akademie der Immaculata“ und ihren Präsidenten, Kardinal Andrzej Maria Deskur. Auf alle Mitglieder und Freunde der Akademie rufe ich den steten Schutz der Jungfrau Maria herab. Auf Wiedersehen am Nachmittag auf der Piazza di Spagna!

[Auf Deutsch sagte der Heilige Vater:]

Mit Freude grüße ich alle Brüder und Schwestern deutscher Zunge. Am heutigen Hochfest feiern wir, daß Gott die Jungfrau Maria zur Wohnstatt seines Sohnes erwählt und vom ersten Augenblick ihres Daseins vor jeder Sünde bewahrt hat. Durch sie kommt Jesus Christus, die Hoffnung und das Heil der Menschen, zu uns. So ist Maria die Mutter und der Stern der Hoffnung auf unserem Lebensweg. Wir dürfen darauf vertrauen, daß der Herr auch uns aus den Verstrickungen in das Böse befreit und uns das wahre Leben schenken will. Euch allen wünsche ich einen frohen Festtag!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]