Maria gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen (Lk 2,6f)

Als Erstgeborener beginnt er eine neue Menschheit

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VATIKANSTADT, 17. Dezember 2012 (ZENIT.org). - Betrachtung zum Weihnachtsevangelium von Papst Benedikt XVI.:

Maria gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen (Lk 2,6f).

Der Erstgeborene ist nicht notwendig der Erste in einer nachfolgenden Reihe. Das Wort Erstgeborener verweist nicht auf eine weiter gehende Zahl, sondern gibt eine theologische Qualität an, in den ältesten Gesetzessammlungen Israels zum Ausdruck kommt...So ist das Wort vom Erstgeborenen auch schon ein Vorverweis auf die folgende Erzählung von der Darstellung Jesu im Tempel. Jedenfalls wird mit diesem Wort eine besondere Gotteszugehörigkeit Jesu angedeutet.

Die paulinische Theologie hat den Gedanken Jesu, des Erstgeborenen, in zwei Stufen weiterentfaltet. Im Römerbrief nennt Paulus Jesus „den Erstgeborenen von vielen Brüdern (Röm 8,29)“. Als Auferstandener ist er nun auf neue Weise „erstgeboren“ und jetzt zugleich der Anfang einer Schar von Brüdern. In der neuen Geburt der Auferstehung ist Jesus nicht mehr bloß der Erste der Würde nach, sondern eröffnet eine neue Menschheit...

Im Kolosser-Brief wird der Gedanke noch einmal ausgeweitet: Christus wird als „der Erstgeborene der ganzen Schöpfung (Kol 1,15) und als „der Erstgeborene der Toten (1,18)“ bezeichnet. In ihm wurde alles erschaffen. „Er hat in allem den Vorrang (1,18)“.

Der Begriff der Geburt erhält eine kosmische Dimension. Christus, der Mensch gewordene Sohn, ist sozusagen die erste Idee Gottes und geht aller Schöpfung voraus, die auf ihn hin und von innen her bestimmt ist. Er ist damit auch Anfang und Ziel der neuen Schöpfung, die mit der Auferstehung begonnen hat.

Bei Lukas ist von alledem nicht die Rede, aber für die späteren Leser seines Evangeliums liegt auf der armseligen Krippe in der Höhle bei Bethlehem doch schon dieser kosmische Glanz: Hier ist der wahrhaft Erstgeborene des Alls in unsere Mitte getreten.

[Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Prolog: Die Kindheitsgeschichten, Herder, Freiburg 2012, S. 79]