Maria, Heilung, Wunder: Arzt des französischen Marienwallfahrtsortes Lourdes zu Gast in Wien

Pressekonferenz zum Jubiläumsjahr anlässlich der Marienerscheinungen vor 150 Jahren

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WIEN, 29. April 2008 (ZENIT.org/PEW).- Gott werde aktiv, wo es der Mensch nicht erwarte, betonte der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn heute, Dienstag, mit Blick auf das 150-Jahr-Jubiläum der Marienerscheinungen in Lourdes (Frankreich).



Die Geschehnisse in und rund um diesen Wallfahrtsort seien eines der stärksten Beispiele für die „Souveranität des Himmels“ und die „Freiheit Gottes“, erklärte der Kardinal bei einer Pressekonferenz in Wien. Millionen Menschen würden jedes Jahr dieses Zeichen der Zuwendung Gottes auf Fürbitte Marias wahrnehmen und in Lourdes körperliche und seelische Heilung erflehen.

Wie die Pressestelle der Erzdiözese Wien berichtete, sprach der Leiter des Medizinischen Büros des Marienheiligtums von Lourdes, Patrick Theillier, bei der Pressekonferenz über seine Erfahrungen mit Heilungen in Lourdes. Rund 7.200 Personen hätten in den vergangenen 150 Jahren angegeben, auf Anrufung der Fürbitte Mariens geheilt worden zu sein. 2.000 Fälle seien tatsächlich als medizinisch zum jeweiligen Zeitpunkt nicht erklärliche Heilungen eingestuft worden und davon wiederum habe die Kirche 67 Fälle als Wunder anerkannt. Theillier wies in diesem Zusammenhang auf die strenge medizinische und „noch viel strengere“ kirchliche Untersuchung aller Fälle hin.

Der Prozess der Anerkennung eines Heilungswunders gliedere sich in drei Phasen, erläuterte Theillier. Zum einen brauche es die ausdrückliche Erklärung des oder der Geheilten, eine radikale Veränderung und Besserung des Gesundheitszustandes erlebt zu haben, die der Fürsprache der Gottesmutter zuzuschreiben sei. Dabei sei es nicht nötig, so Theillier, dass die Heilung auch örtlich in Lourdes stattgefunden hat. Der Mediziner wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass viele Betroffene erst nach Jahren von ihrer Heilung berichten würden beziehungsweise viele auch auf Grund des zu erwartenden „Medienwirbels“ nicht bereit seien, sich öffentlich zu deklarieren.

Im Anschluss würden umfangreiche medizinische Untersuchungen durchgeführt, die die Echtheit der Heilung prüfen sollen. Dabei werde nicht nur der physische, sondern auch der psychische und spirituelle Bereich miteinbezogen. In dieser Phase komme es immer wieder vor, dass sich Veränderungen nur als subjektive Besserungen und nicht als objektive Heilungen herausstellen, berichtete Theillier.

Wie der Mediziner betonte, betreffe eine Heilung immer die ganze Person. Physische, psychische und spirituelle Dimension müssten immer zusammen gesehen werden. Heilungswunder seien für den Kranken immer ein Zeichen des Handelns Gottes an ihm und für alle Gläubigen ein Zeichen des Handelns Gottes in der Schöpfung. Gott überwinde Naturgesetze, auch wenn er sie letztlich nicht außer Kraft setze. Schließlich seien Wunder keine Zauberei, so Theillier.

Maria habe in ihrer Botschaft immer wieder darauf hingewiesen, dass das Wichtigste die Bekehrung des Herzens sei; „durch die Wunder bestätigt Gott die Botschaft Marias“, so Theillier. Physische Heilungen seien Zeichen für die vielen unsichtbaren inneren Heilungen der Seele. Die Seele könne die Medizin trotz aller Fortschritte nicht behandeln. „Gott aber findet Antworten auf die heutigen Leiden der Menschen.“

Der 64-jährige Arzt ist sechsfacher Vater und zwölffacher Großvater und arbeitete viele Jahre als praktischer Arzt, Arbeitsmediziner und Dozent für Homöopathie an der Universität Lille. 1998 wurde er vom Bischof von Tarbes und Lourdes zum Leiter des Medizinischen Büros des Marienheiligtums ernannt. Zudem ist er Vorsitzender der Internationalen Medizinischen Vereinigung von Lourdes.

Zu seinen Aufgaben gehört es, die Beratungen der internationalen Ärztekommission über die Anerkennung von medizinisch nicht erklärbaren Heilungen in Lourdes vorzubereiten. Theillier ist Autor des Buches „Lourdes - Des miracles pour notre guerison“ (Paris 2008), zu dem Kardinal Schönborn das Vorwort verfasst hat, sowie von dem Werk „Lourdes... wenn man von Wundern spricht“ (Augsburg 2003).