Maria ist Königin im Dienst an Gott und an der Menschheit

Generalaudienz am Mittwoch: Papst Benedikt XVI. über die tiefe Bedeutung der Königswürde Mariens

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von Paul De Maeyer

CASTEL GANDOLFO, 23. August 2012 (ZENIT.org). - Papst Benedikt XVI. widmete die Katechese der gestrigen Generalaudienz dem Thema der Königswürde Mariens, da gerade gestern, zur Oktav des Hochfests Mariä Himmelfahrt, die Kirche den liturgischen Gedenktag „Maria, Königin des Himmels“ feierte.

Obwohl die Ursprünge dieses Fests weit zurückgehen, ist die Einführung des gebotenen Gedenktags in den liturgischen Kalender ein relativ junges Ereignis. Pius XII. war es, der 1954 zum Abschluss des marianischen Jahres das Fest einführte. Er legte es allerdings auf den 31. Mai, den letzten Tag des Marienmonats. Erst im Zuge der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde es auf den achten Tag nach Mariä Himmelfahrt verlegt, „um die tiefe innere Beziehung zwischen der Königswürde Mariens und ihrer leiblichen Aufnahme in den Himmel hervorzuheben“, wie der Heilige Vater in seiner Katechese erklärte.

Für Benedikt XVI. liegt der Grund für diesen Gedenktag darin, dass die Mutter des Erlösers Königin ist, „weil sie mit ihrem Sohn auf einzigartige Weise verbunden ist, sowohl auf seinem irdischen Weg als auch in der Herrlichkeit des Himmels.“ Diesen Worten fügte der Heilige Vater ein Zitat aus dem Apostolischen Schreiben „Marialis Cultus“ (Nr. 25) von Papst Paul VI. (1975) hinzu: „Bei der Jungfrau Maria ist alles auf Christus hin bezogen und von ihm abhängig: Im Hinblick auf ihn hat sie Gottvater von aller Ewigkeit her als ganz heilige Mutter erwählt und sie mit den Gaben des Heiligen Geistes ausgestattet, wie sie keinem anderen zuteil geworden sind.“

Benedikt XVI. stellte auch klar, dass die Königswürde Mariens und ihres Sohnes nicht in einem irdischen Sinn verstanden werden dürfe. Maria sei Königin, „weil sie an der Verantwortung Gottes für die Welt und an der Liebe Gottes zur Welt teilhat“, betonte der Heilige Vater. Ihre Königswürde sei daher tief mit der Königswürde Christi verbunden und somit „von Demut, Dienstbereitschaft und Liebe durchdrungen.“

„Die Königswürde Jesu hat nichts mit dem Glanz der Mächtigen der Erde zu tun“, sagte der Papst weiter und erinnerte daran, dass Christus ein König sei, „der sich zum Diener seiner Diener macht.“ Das gelte auch für Maria, die „im Dienst an Gott und an der Menschheit Königin ist; eine Königin der Liebe, die sich Gott hingibt, um Teil des Heilsplans für die Menschheit zu werden.“

Königin sei die Muttergottes also deshalb, weil sie die gehorsame Magd des Herren sei. Für Papst Benedikt XVI. ist die Antwort, die Maria bei der Verkündigung dem Engel gibt, kennzeichnend für das Wesen ihrer Königswürde: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38).

Auf die Frage, wie Maria ihre Macht als Königin der Liebe ausübe, antwortet der Papst: „Indem sie über uns wacht und uns als ihre Kinder betrachtet, die sich im Gebet an sie wenden, um ihr zu danken oder ihren mütterlichen Schutz und ihren himmlischen Beistand zu erflehen. In den friedvollen wie in den finsteren Augenblicken unseres Lebens wenden wir uns an Maria und vertrauen uns ihrer immerwährenden Fürbitte an, damit sie für uns von ihrem Sohn alle Gnaden und alle Barmherzigkeit erlange, derer wir für unsere Pilgerfahrt entlang der Wege dieser Welt bedürfen.“

An diesem Punkt seiner Katechese angelangt, erinnerte Benedikt XVI. an eine andere Facette der Königswürde Mariens. Die Königin des Himmels, so der Papst, sei nämlich die Vermittlerin zwischen uns und ihrem Sohn, „der die Welt beherrscht und unsere Schicksale in den Händen hält.“ Seit Jahrhunderten, erklärte der Heilige Vater, werde Maria „als Königin des Himmels angerufen“, als „unsere Mutter, die neben ihrem Sohn Jesus in der Herrlichkeit des Himmels lebt.“

Aus diesem Grund sei die Marienverehrung ein wichtiges Element der christlichen Spiritualität, erklärte der Heilige Vater weiter und empfahl den Gläubigen, sie mögen es nicht versäumen, sich vertrauensvoll an sie zu wenden, die es ihrerseits „nicht versäumen“ werde, „unsere Fürbitterin bei ihrem Sohn zu sein“. Zum Abschluss sagte Benedikt XVI.: „Maria ist die Himmelskönigin, sie ist Gott nahe; aber sie ist auch die Mutter, die jedem von uns nahe ist, uns liebt und auf unsere Stimmen hört.“

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]