Maria Magdalena und die Dämonen

Impuls zum 16. Sonntag im Jahreskreis

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 575 klicks

Im heutigen Evangelium begegnen uns zwei Personen, die Christus sehr nahe stehen, Maria und Martha, die Schwestern des Lazarus in Bethanien.

Jesus ist gerne in jenem Haus in Bethanien in der Nähe von Jerusalem. Es ist ein Landgut, das der Herr des öfteren mit seinen Jüngern aufsuchte, um ein wenig auszuruhen. Denn auch das gehört zur heiligsten Menschheit Jesu, dass er nach intensiver Arbeit oft müde und erschöpft ist. Auch noch im Ausruhen, diesem an sich angenehmen Aspekt des menschlichen Lebens, zeigt sich, dass Christus nicht nur sagt, was wir tun sollen: “Ruht euch ein wenig aus!”. Er selber tut es auch. Wieder einmal sehen wir, dass er voll und ganz Mensch ist, und immer wieder wird deutlich, dass er es gerne ist. (“Meine Wonne ist es, unter den Menschenkindern zu sein” Spr. 8,31).

Bei den Exegeten ist es umstritten, ob die Maria, von der im Hause des Lazarus die Rede ist, mit der Sünderin Maria Magdalena identisch ist. Die ‘makellose’ Auffassung ist die, dass diese gute Familie ‘mit so etwas’ nichts zu tun hat, dass sie also eine andere Maria ist. Und warum sollte sie auch den Beinamen ‘von Magdala’ haben, wenn sie aus Bethanien stammt? Die andere Interpretation sagt, dass die öffentliche Sünderin tatsächlich die Schwester von Lazarus und Martha war, dass sie aber eine Zeitlang ein zügelloses Leben geführt hat, bis eines Tages Jesus sie angeschaut hat und sieben Dämonen aus ihr herausgejagt hat.

Die Frage ist nicht endgültig geklärt. Aber wenn man die zweite Auffassung betrachtet, hat sie einiges für sich.

Zunächst zeigt es uns wieder einmal, dass Jesus die Sünder liebt und sich ihrer annimmt. Er tut es nicht im Sinne einiger neuzeitlicher Psychiater, die für das Unwohlsein eines Menschen alle mögliche Ursachen suchen, nur nicht die Sünde. Jesus weiß, genau wie die Sünderin selbst, dass es unrealistisch wäre, die Sünde wegzuerklären. Sie zu bereuen – was notwendig ist – ist obendrein viel leichter als sie wegzuerklären.

Ebenso wird auch heute ein guter Seelenbegleiter nicht versuchen, eine andere Erklärung zu suchen, wenn der Betreffende gesündigt hat. Dass man die Sünde gerne weghaben will, ist verständlich. Gott selbst ist es, dem am meisten daran liegt, uns von ihr zu befreien.

Wir Menschen haben immer wieder diesen Fehler gemacht und gemeint, dass wir auch vor Gott auf jeden Fall eine gute Figur machen müssen. Das aber ist grundfalsch. Erstens weiß Gott sowie alles, und wir können ihn nicht durch Verstellung oder Beschönigung ablenken. Aber noch falscher ist die (unbewusste) Haltung, dass wir uns bei Gott unbeliebt machen, wenn die Sünde aufgedeckt wird. Gegen diesen Irrtum können wir ein für allemal sagen: Gott liebt uns nicht, weil wir gut sind, sondern weil er gut ist.

Und wenn wir Fehler und große Fehler machen, heißt das nicht, dass er sich von uns zurückzieht (wie das die Menschen tun), sondern im Gegenteil: dann ist er der Gute Hirt, der dem verirrten Schaf nachgeht.

“Und wenn er es gefunden hat,…” (Lk 15,5). Nach der Bekehrung kommt nicht die Standpauke, sondern es wird gefeiert. Der bedeutende Schriftsteller Peter Berglar sagte einmal: “Ich gehe gerne zur Beichte, allein schon deswegen, weil anschließend das Mastkalb geschlachtet wird”.

So ist es eine ganz normale Situation, dass Maria Magdalena (wir feiern ihr Fest übrigens am kommenden Montag, 22. Juli und das ihrer Schwester eine Woche später), auch wenn sie einmal eine große Sünderin war, jetzt zu Füßen des Herrn sitzt und seinen Worten aufmerksam lauscht. Denn Gott verzeiht nicht nur dem Sünder, sondern er heilt ‘alle seine Wunden’ und lässt ihn wieder seine Freundschaft geniessen. Deutlicher als ihre Schwester hat Maria Magdalena sogar begriffen, dass es das Beste ist, was wir tun können: den Worten Jesu zuhören, über sie nachdenken und vor allem auch sie befolgen.

Wenn es stimmt, dass die Sünden im sechsten Gebot nicht die wichtigsten sind (die Heiligen sagen, sie kommen erst an fünfter oder sechster Stelle), warum muss Jesus dann aus Maria Magdalena sieben Dämonen austreiben? Ist das nicht ein bischen übertrieben?

Allerdings stellt sich für uns die Frage: was würde der Herr denn in unserer heutigen Zeit sagen, wo auf diesem Gebiet, wie fast überall, die Dinge auf den Kopf gestellt sind und die ungebremste Sexualität geradezu als Merkmal physischer und seelischer Gesundheit ausgegeben wird?

Neulich sind in einer Grundschule in Münster acht Kinder ohnmächtig geworden, als sie beim Sexualkundeunterricht in gewohnt drastischer Manier die Elemente der sexuellen Vereinigung vorgeführt bekamen.

Papst Franziskus soll vor kurzem einen Exorzismus vollzogen haben, bei einer Audienz, sozusagen im Vorbeigehen. Wenn wir die Propaganda der ‘Globalen sexuellen Revolution’ (Gabriele Kuby) nicht auf andere Weise loswerden können, sollte vielleicht ein Exorzist einmal sich das eine oder andere Erzeugnis moderner Pädagogik und gesundheitlicher Aufklärung vornehmen.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).