Mariä Verkündigung

Die Darstellung in der Kunst

| 1482 klicks

Von Britta Dörre

ROM, 25. März 2012 (ZENIT.org) Die Verkündigung an Maria zählt mit zu den häufigsten Darstellungen in der christlichen Kunst. Die biblische Grundlage für die Verkündigungsszene ist Lk. 1, 26-38.

Die Darstellung der Verkündigungsszene beschreibt den Beginn des christologischen Heilsgeschehens, weshalb sie in Bildprogrammen häufig an prominenter Stelle angebracht ist.

„Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.  Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.“

In der Kunst hat sich die ikonographische Tradition des von links zu Maria tretenden Engels herausgebildet. Erstmalig findet sich dieses Motiv auf einem Elfenbeindeckel aus 2. dem Jahrhundert aus dem Mailänder Domschatz.

Bereits in den frühesten Darstellungen wird der Engel in menschenähnlicher Gestalt wiedergegeben. Eine Darstellung der Verkündigungsszene aus frühchristlicher Zeit findet sich zum Beispiel in Santa Priscilla.

Maria wird meist auf einem Thorn sitzend, bisweilen Purpurwolle spinnend dargestellt. Ihr Haupt ist mit dem Maphorion bedeckt. Die Einbindung in einen architektonischen Rahmen wird im Frühmittelalter weiter ausgebaut.

Die thronende oder stehende Maria mit dem von links hinzutretenden Engel wird, wie im Evangeliar Otto III. in Aachen, in einer Kirchenarchitektur dargestellt.

Um das Jahr 1000 läßt sich außerdem das Interesse feststellen, das Zwiegespräch zwischen Maria und dem Engel anschaulich festzuhalten. Mit Gestik und Blicken wird nun der expressive Charakter der Szene unterstrichen. Unter dem Einfluß der mariologischen Mystik Bernhard von Clairvauxs  richtet sich das Interesse auf den Dialog, die Expressivität und eine stärkere Gefühlsbetonung.

Im Hoch- und Spätmittelalter wird verstärkt versucht, die Verbindung der himmlischen und irdischen Sphäre darzustellen. Die Goldgrundmalerei wird deshalb durch detailreich ausgestaltete, mit Alltagsobjekten ausgestattete Interieurs ergänzt bzw. ersetzt, und die Verkündigungsszene wird in einen konkret fassbaren Raum verlagert. In der Renaissance werden die perspektivische Darstellung vervollkommnet und die illusionistische Darstellung perfektioniert. Häufig werden im Hintergrund Ansichten antiker Monumente in die Verkündigungsszene eingebunden.

Die Korrespondenz zwischen der irdischen und der himmlischen Ebene erfolgt durch den Lichtstrahl, der in der Regel auf Maria oder ihr Ohr zielt. Der heilige Geist befindet sich als Taube dargestellt meist in der Lichtbahn oder über dem Kopf Mariens. Als Beispiel sei Stefan Lochners Darstellung der Verkündigungsszene auf dem Dreikönigsaltar (um 1440) im Kölner Dom genannt.

In der Verkündigungsszene erscheint Maria als „regina angelorum“ stets erhaben gegenüber dem Engel. Der Engel hält in der Regel einen Szepter oder einen Lilien- bzw. Olivenzweig in der Hand und vollzieht den Verkündigungsgestus; häufig ist ein Schriftband dargestellt. Der Gefühlsausdruck Mariens variiert vom Erschrecken über die Erscheinung des Engels,  über Ergebenheit bis hin zum Schließen der Augen. Auf dem Polyptichon Simone Martinis (1335) in den Königlichen Museen, Antwerpen ist die Jungfrau Maria zum Beispiel mit gesenktem Blick wiedergegeben.