Marie-Bernarde Soubirous (1844-1879)

Wallfahrtsort Lourdes

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 433 klicks

„Zahlreiche Menschen haben es bezeugt: Die Begegnung mit dem leuchtenden Antlitz von Bernadette verwandelte die Herzen und die Blicke. Sowohl während der Erscheinungen als auch, wenn sie davon erzählte, begann ihr Gesicht über und über zu strahlen. Bernadette war bereits erfüllt von dem Licht von Massabielle“ — mit diesen Worten beschrieb Benedikt XVI. die Heilige während der Lichterprozession in Lourdes am 13. September 2008. 

Marie Bernarde Soubirous, genannt Bernadette, wurde am 7. Januar 1844 als erstes von sechs Kindern geboren. Die Familie lebte in sehr armen Verhältnissen. Bernadette mußte schon früh zum Lebensunterhalt der Familie beitragen; eine Schulausbildung erhielt sie nicht.

Im Alter von 14 Jahren, am 11. Februar 1858, hatte Bernadette ihre erste Vision, während sie im Wald Holz sammelte. In der Grotte Massabielle, die in der Nähe ihres Elternhauses lag, erschien ihr eine weibliche Gestalt, die Bernadette wegen ihres eleganten Erscheinungsbildes „Dame“ nannte. Eine Kirche sollte an der Grotte errichtet und Prozessionen veranstaltet werden.

„Die Erscheinungen waren von Licht umflutet, und Gott hat im Blick von Bernadette eine Flamme entzündet, die zahllose Herzen bekehrt hat. Wie viele Menschen kommen hierher, um ein Wunder zu sehen, und hoffen vielleicht insgeheim, eines an sich selbst zu erfahren; auf dem Heimweg, nachdem sie eine geistliche Erfahrung eines echten kirchlichen Lebens gemacht haben, ändert sich dann ihr Blick auf Gott, auf die anderen und auf sich selbst. Eine kleine Flamme, die sich Hoffnung, Mitleid und Zartgefühl nennt, wohnt in ihnen. Die verborgene Begegnung mit Bernadette und mit der Jungfrau Maria kann ein Leben verändern, denn sie sind an diesem Ort Massabielle gegenwärtig, um uns zu Christus zu führen, der unser Leben, unsere Kraft und unser Licht ist“, erklärte Benedikt XVI.

Nur 14 Tage später folgte eine weitere Vision, in der Bernadette zum Trinken von Wasser aufgefordert wurde, doch in der Grotte gab es kein Wasser. Als aber Bernadette etwas Erde vom Boden wegkratzte, entsprang ein Quell, der seither viele Menschen von ihren Leiden geheilt hat. Ihre letzte Erscheinung hatte Bernadette am 16. Juli 1858. Maria gab sich ihr als „Unbefleckt Empfangene“ zu erkennen, das heißt vier Jahre, nachdem Pius IX. das Dogma der unbefleckten Empfängnis verkündet hatte. Im selben Jahr trug sich das erste der von katholischen Kirche anerkannten Heilungswunder zu.   

„Die Kraft der Liebe ist stärker als das Böse, das uns bedroht. Das ist das Geheimnis der Universalität der Liebe Gottes zu den Menschen, das Maria hier in Lourdes offenbart hat. Sie lädt alle Menschen guten Willens ein, alle, die seelisch oder körperlich leiden, die Augen zum Kreuz Jesu zu erheben, um dort die Quelle des Lebens, die Quelle des Heils zu finden“, legte Benedikt XVI. während der Eucharistiefeier am 14. September in Lourdes dar.

1862 bestätigte Bischof Bertrand-Sévère Laurence von Tarbes die Echtheit der Visionen. Dennoch traf Bernadette auf Misstrauen und Unverständnis; ihre Glaubwürdigkeit wurde in Zweifel gezogen. Zuflucht fand Bernadette, die von Asthma und anderen Krankheiten schwer gezeichnet war, bei den Barmherzigen Schwestern im Kloster Saint Gildard in Nevers-sur-Loire, wo sie 1867 das Gelübde ablegte und den Namen Marie Bernarde annahm.

1879 starb Bernadette an Knochentuberkulose. Ihr Leib liegt seitdem unverwest aufgebahrt im Glasschrein des Klosters in Nevers. 1925 wurde Bernadette seliggesprochen, ihre Heiligsprechung erfolgte 1934 durch Papst Pius IX.

Lourdes wurde zu einem der berühmtesten katholischen Wallfahrtsorte; alljährlich reisen Hunderttausende aus aller Welt an. „Lourdes ist“, so Benedikt XVI., „einer der Orte, die Gott erwählt hat, um dort einen besonderen Strahl seiner Schönheit leuchten zu lassen; daher rührt die Bedeutung, die hier das Symbol des Lichtes bekommt. Von der vierten Erscheinung an entzündete Bernadette, wenn sie an der Grotte ankam, jeden Morgen eine gesegnete Kerze und hielt sie in der linken Hand, bis die Jungfrau sich zeigte. Sehr bald übergaben verschiedene Personen Bernadette eine Kerze, damit sie diese in der Tiefe der Grotte in die Erde stecke. Sehr bald brachten andere Menschen auch selbst Kerzen an diesen Ort des Lichtes und des Friedens. Die Muttergottes tat selber kund, dass ihr diese berührende Huldigung dieser Tausenden Kerzen gefiel, die seitdem zu ihrer Ehre ununterbrochen den Felsen der Erscheinung erleuchten. Von jenem Tag an glüht vor der Grotte Tag und Nacht, im Sommer wie im Winter, ein brennender Dornbusch, entzündet vom Gebet der Pilger und der Kranken, die ihre Sorgen und Nöte, vor allem aber ihren Glauben und ihre Hoffnung zum Ausdruck bringen.“