Marienmonat Mai: Mariae Namen

Gedicht von Friedrich Spee SJ

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ROM, 29. Mai 2012 (ZENIT.org). – Friedrich Spee (1591-1635) war ein deutscher Jesuit und Poet aus Kaiserswerth. Er wirkte in Köln, Paderborn und Hildesheim und war bekannt für seine geistlichen Schriften und sein positives Wirken gegen die Hexenprozesse. Berühmt wurden vor allem seine Werke „Goldenes Tagebuch“, ein Manuale der Spiritualität für Frauen, und die „Trutznachtigall“, eine Sammlung von ungefähr 60 geistlichen Liedern.

Zum Monat Mai veröffentlichen wir ein Gedicht über Maria:

Vom Namen Maria

Maria Syriace Dominam, Hebraice Stellam maris significat.

Maria wir verehren
Dich/ vnd den Namen dein/
Den wöllen wir vermehren/
Was vns wird müglich sein.

Auff Syrisch wir dich nennen/
Maria/ Herscherin.
Weil alle dich erkennen/
Der Welt ein Königin.

Hebräisch wird verstanden
Maria/ Meer vnd Stern/
O Stern! der allen Landen
Das Liecht gibt nah vnd fern.

Die Stern am Himmel oben/
Die wir da glantzen sehn/
Vns deinen Namen loben/
Daß wir sein Krafft verstehn.

Kein Stern hat nie verloren
Jm scheinen/ seinen Glantz.
Du Christum hast geboren/
Dein Jungfrawschafft bleibt gantz.

Dein Nam auch thut bedeuten/
Recht wol das tieffe Meer.
All Gnad zu allen Leuten
Durch dich thut fliessen heer.

Jns Meer all Flüß sich giessen/
Zum Meer all Wasser laufft:
Zu dir all Gnaden fliessen/
Jn dir all Gnad sich haufft.

O Stern! Leucht vns auff Erden/
O Meer! vns Gnad ertheil.
Helff daß wir selig werden/
Helff vns O Fraw zum Heil.

Quelle: Friedrich Spee: Die anonymen geistlichen Lieder vor 1623, Berlin 1979, S.107-109.