Marsch für das Leben 2013 in Rom

Wir müssen uns für die nächste Generation erheben

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 581 klicks

Gestern fand in Rom zum dritten Mal der „Marsch für das Leben“ statt. Ungefähr 30.000 Lebensschützer verzeichnete in diesem Jahr der Demonstrationszug durch die Hauptstraßen Roms, ausgehend vom Kolosseum bis zum Petersdom zum Regina-Caeli-Gebet mit Papst Franziskus. Banner, Flaggen und Spruchbänder bezeugten die Haltung der Teilnehmer, die für eine Kultur des Lebens und der Familie eintreten.

35 Jahre sind seit der Legalisierung der Abtreibung in Italien durch das „Gesetz 194“ vergangen. Die Teilnehmerzahl an dieser öffentlichen Demonstration für das Leben hat sich im Vergleich zum Vorjahr nunmehr verdoppelt.

Vor dem Regina-Caeli-Gebet grüßte Papst Franziskus besonders die auf dem Petersplatz und der angrenzenden Via della Conciliazione versammelten Lebensschützer:

„Ich heiße die Teilnehmer am ‚Marsch für das Leben‘ willkommen, der heute Vormittag in Rom stattgefunden hat, und lade alle dazu ein, die Aufmerksamkeit für das so wichtige Thema des Lebensschutzes von derEmpfängnis an lebendig zu erhalten. In diesem Zusammenhang möchte ich auch die heute in zahlreichen italienischen Pfarren vorgenommene Unterschriftensammlung für die europäische Initiative ‚Einer von uns‘ erwähnen, die darauf ausgerichtet ist, den rechtlichen Schutz des Embryos zu gewährleisten und jeden Menschen vom ersten Stadium seines Daseins an zu schützen. Ein besonderer Augenblick für all jene, denen die Verteidigung der Heiligkeit des menschlichen Lebens am Herzen liegt, wird der im Kontext des Jahres des Glaubens am kommenden 15. und 16. Juni im Vatikan zu begehende „Tag von Evangelium Vitae“ sein. Einen herzlichen Gruß richte ich an alle anwesenden Gruppen von Pfarrgemeinden, die Familien, Schulen und jungen Menschen. Mit kindlicher Liebe wenden wir uns nun an die Jungfrau Maria, die allen Christen Mutter und Vorbild ist.“

Bei „Einer von Uns“ handelt es sich um eine Initiative europäischer Bürger zum „rechtlichen Schutz der Würde, des Rechts auf Leben und den Schutz jeden menschlichen Lebens ab der Empfängnis in den Bereichen der Europäischen Union, wo ein solcher Schutz relevant erscheint“ [ZENIT berichtete]. Die Initiative „Einer von uns“ wird von der „Bewegung für das Leben“ in 20 Ländern unterstützt. Sie fordert, das menschliche Leben durch Gemeinschaftsrecht bereits ab der Empfängnis zu schützen.

Teilnehmer in diesem Jahr war auch Jeanne Monahan, Präsidentin des „Bildungs- und Verteidigungsfonds des US-Marsches für das Leben“. Aus der Politik kam Roms Bürgermeister Gianni Alemanno, als prominenter Kirchenvertreter Raymond Kardinal Burke, Präfekt des Obersten Gerichtshofes der Apostolischen Signatur, und aus den USA Lila Rose, Direktorin von „Live Action“. Zahlreiche Priester und Ordensleute prägten neben den Familien und Jugendlichen das Bild des Marsches, der aber ausdrücklich für alle am Lebensschutz Interessierten, gläubig oder nicht, propagiert worden war.

Am Tag vor dem Marsch hatte als Vorbereitung im „Päpstlichen Athenäum Regina Apostolorum“ ein Studientag zu Fragen des Lebensschutzes, Abtreibung und deren Folgen stattgefunden [ZENIT berichtete]. Am Abend stand Kardinal Burke einer Eucharistischen Anbetung in der Kirche „Zwölf Apostel“ in Rom vor.

Zahlreiche Organisationen, Pfarreien und Vereinigungen hatten zur Teilnahme aufgerufen, darunter„Forza Nuova“, das Opus Dei, die Legionäre Christi, die „Militia Christi“, die „Bewegung für das Leben“, das „Centro Culturale Lepanto“, die Vereinigung „Scienza e Vita“, die „Katholische Vereinigung der Apotheker Italiens“ und „Unitalsi“.

Eine ungenehmigte Gegendemonstration „für die Freiheit der Frau“, von Feministinnen organisiert, verzeichnete einige hundert Teilnehmer.

ZENIT hatte Gelegenheit, die offizielle Pressesprecherin des Pro-Life Marsches in Rom, Virginia Corda Nunziante, zu interviewen.

[Das Interview führte Ann Schneible]

ZENIT: Dieser Marsch für das Leben findet im 35. Jahr nach Legalisierung der Abtreibung in Italien statt. Was bedeutet dieser Marsch für das Land?

Nunziante: Natürlich sind 35 Jahre eine lange Zeit. Der Unterschied zwischen Italien und den Vereinigten Staaten besteht darin, dass Märsche für das Leben in den USA sofort nach Legalisierung der Abtreibung vor 40 Jahren begonnen wurden. Ich würde einmal sagen, dass wir in Italien 33 Jahre zu spät kommen, denn dieses Jahr findet erst der dritte Marsch statt. Wir haben sehr spät begonnen, aber wir versuchen, die verlorene Zeit wieder gutzumachen. Wir haben in Italien in den letzten 35 Jahren fünf Millionen Babys verloren, das ist eine ganze Menschengeneration.

Wir geben uns vor allem Mühe, die Jugendlichen davon zu überzeugen, dass es an der Zeit ist, etwas zu tun. Wir müssen uns für das Leben und gegen die Abtreibung erheben. Das ist die zentrale Botschaft, die der Marsch verbreiten will.

Wir haben mehr als 130 teilnehmende Vereinigungen aus ganz Italien. Das wichtigste ist aber nicht das Ereignis des Marsches selber, sondern das Lebenszeugnis im täglichen Leben und die Verteidigung des Lebens im Alltag.

ZENIT: Sie sprachen darüber, verlorene Zeit wieder gutzumachen. Es gibt so viele tausend Teilnehmer am Marsch für das Leben. Warum sind die Menschen in Italien so interessiert daran, das Leben zu verteidigen?

Nunziante: Der erste Marsch war das erste Mal, dass wir ein öffentliches Ereignis für das Leben veranstalteten; es kamen alle zusammen und gingen auf die Straße. Diese Menschen verstehen, dass unsere Gegner oft auf die Straße gehen und für das kämpfen, was sie für richtig halten. Wir Katholiken sind oft etwas zurückhaltender, vor allem im öffentlichen Bereich. Benedikt XVI. hat hervorgehoben, dass wir Katholiken das öffentliche Feld wieder gewinnen müssen. Kardinal Burke ermunterte jeden Bischof und jeden Laien, in den öffentlichen Bereich zu gehen, und versicherte seinen Beistand für alle.Die Verteidigung des Lebens ist etwas, das uns alle vereinen sollte.

ZENIT: Das neue Pontifikat von Papst Franziskus hat gerade erst begonnen. Was erhofft sich die Pro-Life Bewegung von diesem neuen Pontifikat?

Nunziante: Wir haben einige Ansprachen gelesen, die Papst Franziskus als Erzbischof von Buenos Aires gehalten hat. Er vermittelte eine sehr deutliche Botschaft für die Verteidigung des Lebens und für Lebensschutz-Initiativen. Er ist ein großer Pro-Life-Fürsprecher.

Ich denke, in den neueren Ansprachen setzt er sich besonders für die Demütigen und Armen ein, diejenigen, die unsere Hilfe brauchen. Das kann man sicherlich auch auf das Leben beziehen, denn ein Embryo ist schutzlos und braucht unsere Hilfe. Wenn wir nicht für das ungeborene Kind kämpfen, dann wird für es keiner kämpfen. Das ungeborene Kind ist das ärmste der Welt. Diese Botschaft von Papst Franziskus ist für uns sehr wichtig.