Martha von Bethanien

Kontemplatives Leben und aktives Leben

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 245 klicks

Der venezianische Maler Jacopo Tintoretto (1518-1594) stellte im Jahr 1580 in seinem Gemälde den „Besuch Jesu bei Maria und Martha“ das Thema der „Vita contemplativa und vita activa“ dar.Das 200 x 132 cm große Gemälde, das sich seit der Säkularisation 1803 in der Alten Pinakothek in München befindet, war ursprünglich in der Dominikanerkirche in Augsburg als Altarbild aufgestellt.

Martha, ihre ältere Schwester Maria und ihr Bruder Lazarus waren mit Jesus befreundet. Jesus besuchte die Schwestern in ihrem Haus (vgl. Lk 10, 38-42). Tintoretto hat Jesus an dem mitten in Raum stehenden Tisch Platz nehmen lassen. Er ist in ein Gespräch mit Maria vertieft, die sich ihm zu Füßen auf den Boden gekniet hat. Anhand der Gestik Jesu erkennt man, dass er gerade dabei ist, Maria Argumente aufzuzählen. Maria ist ganz im Bann des Diskurses, als plötzlich von hinten rechts Martha zu ihr tritt. Sie ist seit der Ankunft des Gastes ganz allein mit den Vorbereitungen beschäftigt. Vorwurfsvoll spricht sie: „Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!“ Doch Jesus beschwichtigt sie tadelnd und antwortet: „Martha, Martha, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig.“

Papst Franziskus legte beim Angelus am 21. Juli 2013 die Begebenheit folgendermaßen aus: Beide Frauen nähmen Jesus herzlich in ihrem Haus auf, doch auf unterschiedliche Weise. „Was will Jesus sagen? Was ist dieses eine, dessen wir bedürfen?“ Papst Franziskus betonte, dass die beiden Verhaltensweisen – das Zuhören, die Kontemplation und die konkrete Arbeit — nicht gegeneinander gestellt würden, „sondern im Gegenteil zwei Aspekte, die beide für unser christliches Leben wesentlich sind; Aspekte, die niemals getrennt werden dürfen, sondern in tiefer Einheit und Harmonie gelebt werden müssen.“

Marthas Fehler habe darin gelegen, sich selbst und ihre Arbeit zu wichtig zu nehmen. Deshalb habe sie Jesus zurechtgewiesen. „Vita contemplativa“ und „Vita activa“, Gebet und Handeln, müssen „immer zutiefst vereint sein. Ein Gebet, das nicht zum konkreten Handeln gegenüber dem armen, kranken, hilfsbedürftigen Bruder, dem Bruder in Not, führt, ist ein steriles und unvollständiges Gebet. Wenn man aber gleichzeitig im kirchlichen Dienst allein auf das Tun achtet, wenn man den Dingen, den Funktionen, den Strukturen mehr Gewicht beimisst und dabei die Zentralstellung Christi vergisst, sich keine Zeit nimmt für das Gespräch mit ihm im Gebet, so läuft man Gefahr, sich selbst zu dienen und nicht dem im bedürftigen Bruder gegenwärtigen Gott.“

Um das Leben der Martha ranken sich zahlreiche Legenden. Nachdem 1187 angeblich ihre Gebeine in Tarascon entdeckt worden waren, wurde der Ort zum Zentrum ihres Kultes. In der Kirche Sainte Marthe befinden sich heute noch ihre Reliquien.