Martin von Tours (316/317-397)

Bischof, Missionar und Klostergründer

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 306 klicks

Martin von Tours wurde 316/317 in Sabaria in Pannonien, dem heutigen Ungarn, geboren. Martin wuchs in Italien in Pavia auf. Wie sein Vater schlug er die militärische Laufbahn ein und trat mit 16 Jahren dem Heer bei. Im Alter von 18 Jahren bekehrte sich Martin jedoch zum christlichen Glauben und ließ sich in Amiens taufen. Sein Lehrer war der spätere Bischof von Poitiers, Hilarius.

Die Legende überliefert zur Bekehrung des Heiligen, dass Martin als 18jähriger in tiefem Winter auf seinem Pferd geritten und einem armen Bettler begegnet sei. Mit dem Schwert habe der junge Mann seinen Mantel geteilt, um eine Hälfte dem Armen zu schenken. Daraufhin sei ihm in der Nacht Jesus im Traum erschienen, mit der Mantelhälfte des Bettlers bekleidet, und habe sich als der Bettler erwiesen. Im Anschluss an dieses Erlebnis ließ sich Martin taufen.

Martin setzte in den folgenden beiden Jahren seinen Dienst im Heer fort. Als sein Heer gegen die Germanen kämpfen sollte, wollte Kaiser Julian Apostat jedem Soldaten zur Steigerung der Kampfmoral ein Geschenk übergeben. Martin aber lehnte ab, da er als Christ nicht länger in den Waffen stehen könne. Deshalb schlug der Heilige vor, ohne Waffen am Kampf teilzunehmen. Zu dem Gefecht kam es allerdings nicht mehr, da die Germanen sich unerwartet zu einer friedvollen Einigung entschlossen hatten.

Martin trat endgültig, wie angekündigt, aus dem Heer aus und begab sich nach Poitiers zu Hilarius. Von dort aus kehrte er in seine Heimat zurück, um so viele Menschen wie möglich zum christlichen Glauben zu bekehren. Doch schon bald wurde Martin vertrieben, und so er sich als Einsiedler auf die bei Genua liegende Insel Gallinara zurück.

Um das Jahr 360 rief Hilarius, der 356 Bischof von Poitier geworden war, Martin aus der Einsiedelei zurück nach Poitiers. Etwa acht Kilometer südlich von der Stadt sollte Martin in Ligugé das erste Kloster in Frankreich gründen. Elf Jahre später, im Jahr 371, wurde der Heilige zum Bischof von Tours gewählt. Der Überlieferung zufolge hatte sich Martin nach der Wahl zum Bischof in einem Gänsestall versteckt, da er sich des Amtes nicht würdig fühlte. Die Gänse, die durch den Eindringling aber aufgeschreckt waren, verrieten sein Versteck, und Martin wurde zum Bischof geweiht.

Im Jahr 375 folgte eine weitere Klostergründung in Marmoutier. Martin von Tours bekehrte viele Menschen zum christlichen Glauben. So heißt es, er habe einmal heidnische Bauern durch ein gewagtes Experiment für den christlichen Glauben gewinnen können. Um ihnen die Kraft des Glaubens zu beweisen, ließ sich der Heilige in Fallrichtung einer dem Teufel geweihten Tanne anbinden, die die Bauern fällen sollten. Während die Tanne auf ihn zu fallen drohte, macht der Heilige das Kreuzzeichen und die Tanne kehrte nicht nur in ihre Ausgangsposition zurück, sondern hätte beinahe die Bauern getroffen.

Martin von Tours starb am 8. November 397 in Candes-Saint-Martin während einer Reise. Nach seinem Tod reisten sowohl Abgesandte aus Poitiers als auch aus Tours an, die alle Anspruch auf seinen Leichnam erhoben. Des Nachts, während die Delegation aus Poitier ruhte, bemächtigten sich die Abgeordneten aus Tours des Leichnams und brachten ihn mit einem Boot auf der Loire nach Tours. Hier wurde der Heilige schließlich am 11.November 397 beigesetzt.

Über dem Grab des Heiligen wurde zu Beginn des 5. Jahrhunderts eine Kapelle errichtet, die später zu einer Basilika ausgebaut wurde. Chlodwig I. erklärte Martin von Tours zum Schutzpatron der fränkischen Könige und des fränkischen Volks. Im 16. Jahrhundert wurde ein Großteil der Reliquien des Heiligen zerstört. Bis heute ist die Basilika Saint-Martin ein bedeutender Pilgerort.