Märtyrer und Opfer der Mafia

Don Giuseppe Puglisi wird selig gesprochen

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 577 klicks

Er starb, weil er den Jugendlichen ein christliches Rechtsverständnis vermittelte: Don Giuseppe Puglisi wurde Opfer eines Mordes durch die Mafia. Leidenschaftlich und hingebungsvoll hatte er sich dem Dienst an Kindern und Jugendlichen gewidmet, die benachteiligt, als Waisen oder als Ausgegrenzte aufwuchsen. Ihnen wollte er ein wahrer Christus werden. Durch seinen unermüdlichen Einsatz gelang es ihm, sich befeindende Familien im mafiösen Umfeld zu versöhnen. Seine Sorge galt auch den Schwächeren der Gesellschaft wie den Hafenarbeitern in der Nähe Palermos, deren er sich bei ihren sozialen Problemen annahm.

Giuseppe Puglisi wurde 1937 in der Nähe Palermos auf Sizilien als Sohn eines Schumachers und einer Weberin geboren. 1953 trat er ins Diözesanseminar von Palermo ein und wurde von Kardinal Ernesto Ruffini 1960 zum Priester geweiht. Er arbeitete dann als Pfarrer in seiner Heimatstadt Brancaccio und Umgebung. Seit dem Jahr 1963 war er Kaplan des Waisenheimes „Roosevelt“ und hegte seitdem eine besondere Liebe und besonderes Interesse für Kinder und Jugendliche aus sozialen Problemfeldern und für die Ausgeschlossenen in Großstätten.

Sein Wunsch war immer, durch Nachahmung Christi die Frohe Botschaft zu verkünden und gleichzeitig die Probleme der Christengemeinde zu lindern.

Am ersten Oktober 1970 wurde er Pfarrer von Godrano, einem kleinen Dorf in der Nähe Palermos, das von einer blutigen Fehnde der Mafia gezeichnet war. Dort gelang es ihm, die konkurrierenden Familien durch die Kraft der Vergebung wieder zu versöhnen. In diesen Jahren widmete er sich auch den sozialen Problemen der Hafenarbeiter, die am Rande der Stadt wohnten.

Ab dem Jahr 1978 arbeitete er als Berufungsdirektor für die Diözese. Nach fünf Jahren Dienst wurde er 1983 Verantwortlicher für das regionale Berufungszentrum und Mitglied des Nationalrates. Den Studenten und Jugendlichen des Diözesanzentrums widmete er mit Freude seine ganze Zeit und veranstaltete pädagogische Bildungskurse der christlichen Weltanschauung an Schulen und in Jugendzentren. In diesen Jahren gründete er eine Reihe von Bewegungen in Sizilien, darunter die „Azione cattolica“ und die „Equipes Notre Dame“.

Sein besonderes Interesse galt den Jugendlichen, die der Mafia nahe standen und ihrer Bildung in einem christlich begründeten Rechtssystem. Diese Arbeit war es, mit der er den Hass der Mafia auf sich zog, der schließlich zu seiner Ermordung führten. Am 15. September 1993, seinem 56. Geburtstag, wurde er von der Mafia vor seiner Haustür getötet.

Sein Martyrium wurde 1999 von Kardinal Salvatore De Giorgi und dem kirchlichen Tribunal anerkannt. In Palermo befindet sich ein Archiv mit Schriften, Ansprachen, Aufnahmen und Zeugnissen über den bekannten Pfarrer Siziliens.

Don Puglisi wird am 25. Mai selig gesprochen. Zur Vorbereitung auf dieses große Ereignis hat die Erzdiözese Palermo am dem 23. Mai ein Programm erstellt, das sich aus Eucharistischer Anbetung in allen Pfarreien und einer Gebetsvigil für Jugendliche am heutigen Abend zusammensetzt. Die Seligsprechung wird auf dem „Foro Italico Umberto I“ in Palermo stattfinden.

Am Sonntag, dem 26. Mai, wird am Abend in der Stadtkathedrale eine Dankmesse den Abschluss der Festlichkeiten bilden.