Mary Ann Glendon wird neue Botschafterin der USA beim Heiligen Stuhl

| 1127 klicks

WASHINGTON, D.C., 6. November 2007 (ZENIT.org).- Die Präsidentin der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften, Mary Ann Glendon, wird aller Voraussicht nach in Zukunft als Botschafterin der USA beim Heiligen Stuhl tätig sein. Diesen Wunsch äußerte jedenfalls vor kurzem US-Präsident George Bush. Sollte der US-Senat zustimmen, wird die Juristin und Harvard-Professorin Francis Rooney beerben, der die USA seit 2005 im Vatikan vertritt.



Der katholische Schriftsteller und frühere US-Botschafter Michael Novak, der mit Glendon seit Jahren befreundet ist, erklärte gegenüber ZENIT, dass ihre Ernennung ein Geschenk der Vorsehung sei und „ein großer Segen für uns alle“. Er würdigte Glendon als „außergewöhnliche Katholikin und außergewöhnliche Amerikanerin“ und fügte hinzu, dass sie eine begehrte Beraterin von Führungspersönlichkeiten in Kirche und Politik sei.

Glendon nahm ihre Arbeit im Vatikan 1994 auf. Johannes Paul II. ernannte sie damals zur Delegationsleiterin des Heiligen Stuhls für die vierte Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen in Peking (China).

Nach Worten Novaks hat der Vorgänger Benedikts XVI. in Glendon eine Freundin gesehen. Deshalb habe er sie noch im selben Jahr zur Präsidentin der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften ernannt –Glendon wurde somit zur ersten Frau, die in einem wichtigen Gremium des Vatikans eine Führungsposition einnehmen sollte.

Moraltheologin Pia di Solenni, die 2001für ihre Arbeit zur Entwicklung eines authentischen Feminismus von Papst Johannes Paul II. mit der Auszeichnung der Päpstlichen Akademien geehrt wurde, betrachtet die Ernennung Glendons zur zukünftigen US-Botschafterin als „wunderbare Anerkennung der Lehre der katholischen Kirche, dass die Frauen in jedem gesellschaftlichen Bereich eine Rolle spielen. Wir sind glücklich darüber, dass jemand mit ihren Fähigkeiten imstande ist, in dieser Führungsposition seinen Dienst zu versehen.“

Auch der Chicagoer Erzbischof Francis Kardinal George zeigte sich gegenüber ZENIT höchst erfreut. Er sei Präsident Bush für die Ernennung von Professorin Glendon dankbar, betonte er. Glendon werde nicht nur die Beziehungen der beiden Staaten, sondern vor allem auch ihre Zusammenarbeit vertiefen, „um die Sache des Friedens, der Gerechtigkeit und der Menschenrechte voranzutreiben“.

In einer ersten Stellungnahme äußerte sich die designierte Botschafterin ganz in diesem Sinn: Ihre große Hoffnung sei es, dass sie den „fruchtbaren Dialog“ zwischen USA und Heiligem Stuhl fortführen könne. Die Bereiche, die ihr besonders am Herzen liegen, sind: „Menschenrechte, Religionsfreiheit, Menschenhandel, Entwicklung sowie Bekämpfung von Hunger, Krankheit und Armut“.

Mary Ann Glendon, Mutter von drei Töchtern und Autorin zahlreicher Bücher, wurde 1938 in Pittsfield (US-Bundesstaat Massachusetts) geboren. Sie unterrichtete Jura an der Universität Boston und lehrte als Gastprofessorin an der Universität Chicago, der Päpstlichen Universität Gregoriana und der Universität Regina Apostolorum in Rom. Seit 1993 hat sie in Harvard unterrichtet. Zu ihren Spezialgebieten gehören das Thema der Menschenrechte, Rechtsvergleichung, Verfassungsrecht und Rechtstheorie.

Glendon ist Mitglied des Päpstlichen Rates für die Laien und der Bioethik-Kommission des US-Präsidenten.