Maß und Ziel der Medien sind die menschliche Person und die Gemeinschaft

Interview mit Erzbischof Renato Boccardo

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ROM, 23. Februar 2005 (ZENIT.org).- Die Medien sollten dabei helfen, das prophezeite Aufeinanderprallen der Kulturen zu verhindern, ist sich Erzbischof Renato Boccardo sicher.



Im Interview mit ZENIT sprach der bis dato als Sekretär des Päpstlichen Rates für Soziale Kommunikationsmittel tätige 52-jährige Erzbischof unter anderem über die Botschaft des Heiligen Vaters zum Welttag der Kommunikationsmittel 2005. Johannes Paul II. hat ihn am Dienstag zum Generalsekretär des Vatikanstaates ernannt.

-- Sind die heutigen Kriege nicht Folge von Kommunikationsschwierigkeiten, die mit der Zeit zu bewaffneten Auseinandersetzungen eskalierten?

--Bischof Boccardo: Mit den ungeheuren kommunikativen Möglichkeit, die wir heute haben, und wenn man bedenkt, wie sehr sie die Gefühle eines Volkes oder verschiedener Bevölkerungsgruppen beeinflussen können, so könnte man sagen, dass dies die Gefahr ist. Aus diesem Grund warnt der Papst vor der Macht der Kommunikationsmittel.

-- Sind die Kommunikationsmittel die großen Erzieher in unserer heutigen Informationsgesellschaft?

--Bischof Boccardo: In seiner Botschaft sagt der Papst, dass Erziehung notwendig ist, damit man mit den Medien gut umzugehen versteht. In der Tat ist er der Ansicht, dass der Gebrauch von Medien dem Verständnis, der Zusammenarbeit, dem Respekt vor dem Anderen und der gegenseitigen Annahme förderlich sein kann. So sind die Medien auch Instrumente, die dem Frieden und der menschlichen Entwicklung der Gesellschaft dienen.

Als Beispiel nennt der Papst die Mobilisierung der Welt nach der "Tsunami"-Katastrophe. Er weist darauf hin, dass weltweit eine noch nie dagewesene Kampagne der Solidarität eingesetzt hätte – dank der Kommunikationsmittel und vor allem dank ihrer Fähigkeit, Bilder von da noch dort zu schicken.

-- Also ist die Verantwortung der Medienleute noch größer als es scheint?

--Bischof Boccardo: Schreibt er über den Aufbau einer friedlichen Welt, dann erwähnt der Heilige Vater, dass die menschliche Person und die Gemeinschaft das Maß und das Ziel der Medien sind. Deshalb müssen "Kommunikatoren" selbst jene Werte und Verhaltensweisen leben, die sie anderen weiterzugeben berufen sind.

Der Kommunikator ist nicht nur jemand, der einfach seine Arbeit tut, sondern jemand, der seine Arbeit "lebt". Als Kommunikator vermittelt er eine Sicht und gibt somit Zeugnis. Er muss Werte bezeugen, die der Gesellschaft förderlich sind.

-- Wer ist Ihrer Ansicht nach der beste Kommunikator?

--Bischof Boccardo: In seiner Botschaft antwortet der Papst auf diese Frage: Es ist Christus, das fleischgewordene Wort – Gott, der aus sich heraustritt, um der Menschheit zu begegnen, und dabei die menschliche Natur annimmt.

Durch die Menschwerdung hat das Wort Gottes einen neuen Bund zwischen Gott und Mensch begründet. Diese Art und Weise der Kommunikation Christi ist eine Botschaft und ein Vorbild für jede Kommunikation, gerade auch in der heutigen Zeit, auf der Suche nach Frieden in einer von Konflikten geplagten Welt.

-- Entsteht das Aufeinanderprallen von Kulturen nicht oft nur aus Ignoranz?

--Bischof Boccardo: Der Papst hat uns oft daran erinnert, dass wir, wenn wir den anderen nicht kennen, eine gewisse Angst vor ihm haben. Das sehen wir in der Ökumene unter den Christen, und in Bezug auf die unterschiedlichen Kulturen auch beim Christentum und den anderen Religionen. Wir kennen einander nicht. Wir führen ein Leben voller Ignoranz und Vorurteilen, das manchmal sogar von Hass geprägt ist – einem Hass, der im Laufe der Jahrhunderte oft zunimmt. Die Medien können Kontakte schaffen und dabei helfen, einander besser zu kennen. In dem Maße, in dem wir einander kennen, begreifen wir auch, dass der andere nicht notwendigerweise eine Bedrohung für uns ist, sondern dass seine Andersartigkeit sogar ein Reichtum sein kann.

-- Was bedeutet der Aufruf des Papstes und des Apostels Paulus, "Böses mit Gutem zu besiegen", konkret für den christlichen Kommunikator?

--Bischof Boccardo: Er ist die Einladung zu einer großen inneren Freiheit: sich nicht zu erlauben, durch die Mechanismen der Sensationshascherei bestimmt zu werden. Wir sind äußerst empfänglich für alles, was uns berührt und unser oft morbides Empfindungsvermögen anstachelt. Böses mit Gutem zu überwinden bedeutet, die Versklavung durch Publikum und Quoten zu überwinden und das Gute zu vermitteln. Und wenn Werte vermittelt werden, wenn Neuigkeiten mit einer positiven Gesinnung berichtet werden, dann stellen wir auch fest, dass ein Teil der Leser und Zuschauer positiv reagiert.