Medaillen der Gerechten in San Zenone degli Ezzelini verliehen

Ein Priester und mehrere Familien retten 53 Juden

| 607 klicks

Von Antonio Gaspari


ROM, Dienstag, 11. Oktober 2001 (ZENIT.org) . - Gerade als die Barbarei der Nazis die Menschen jüdischen Glaubens unerbittlich zu treffen schien, retteten ein Priester gemeinsam mit  einigen Familien 53 von ihnen in San Zenone degli Ezzelini in der Provinz Treviso.

Im Rahmen einer Zeremonie in der Kirche von San Zenone degli Ezzelini wurde am 5.Oktober des Heldenmuts dieser Menschen gedacht. Das Institut zur Erinnerung an die Märtyrer und Helden des Holocaust, Yad Vashem, überreichte die Medaillen als Anerkennung für die „Gerechten unter den Völkern“ zum Gedenken an Don Oddo Stocco, an Ida Mozzachiodi aus Colbertaldo, und persönlich an  Pierina Lessio aus Gazzola, die einzige von den  dreien, die noch am Leben ist.

Die Ehrung durch Livia Link, Beraterin der Botschaft Israels in Rom, nahm für Msgr. Oddo Stocco ein Verwandter und für Ida Mozzachiodi deren Tochter entgegen. In der Ansprache erinnerte sie an den besonderen Wert der Erinnerung und der Auszeichnung durch Yad Vashem an Menschen, die während des Krieges ihr eigenes Leben zur Rettung von verfolgten Juden riskiert haben.

Mit Worten voller Emotionen erinnerte sich die 90jährige Lessio Pierina: „ Im Mai 1944 wurden wir von Pfarrer Oddo Stocco gebeten, drei Juden zu verstecken. Es ging um ihr Leben, und wir konnten nicht Nein sagen. Für zehneinhalb Monate war unser Haus auch ihr Haus. Nach all den Jahren ist die Erinnerung an diese Zeit noch sehr lebendig und bewegend.“

Frau Maria Dorothea Colbertaldo, Enkelin von Ida Mozzachiodi Colbertaldo, erinnerte sich an den Besuch des Ingenieur Giovanni Geschemay, Inhaber des „Feltrificio Veneto“ in Marghera, bei ihrer Großmutter.

„Meine Großmutter hatte im Krieg ihren Mann verloren und lebte zusammen mit ihren Kindern, zwei Jungen und einem Mädchen“, erzählte sie. „Sie hat nicht gezögert, sie als Gäste aufzunehmen. Mit meinem Vater Giuseppe versteckte sie sie bei Razzien auf den Feldern.“

Für Don Antonio Ziliotto, Pfarrer von San Zenone, ist die Anerkennung durch Yad Vashem „eine angemessene Ehre für ein Werk von großem Wert. Die Liebe Gottes ist immer gleich: das Leben geben für seine Freunde. Zur Liebe von Msgr. Stocco und derer der Familien sind wir heute gleichermaßen aufgerufen. Im Licht dieser Anerkennung wird unser Engagement noch größer sein.“

Die „Medaillen der Gerechten“ wurden dank der schriftlichen Aussagen von drei geretteten, inzwischen verstorbenen polnischen Juden überreicht: Kalman, Abraham Gredinger und Shlomo Rakower, die in Sao Paulo, Brasilien, Sidney und Tel Aviv lebten.

Teilgenommen haben weitere gerettete Personen, Renzo Franco aus Venedig, Haia Luigia Hubermann aus Genua und Paolina Schilkmann Gredinger aus Sydney.

Mit Hilfe von 22 Familien seiner Gemeinde gewährte Don Oddo 53 Juden Gastfreundschaft. Von diesen wurden 30 mit Vor- und Familiennamen identifiziert, vier von ihnen nur mit dem Vornamen und zwei mit ihrem Familiennamen. Die Identität von 17 Personen ist unbekannt.

Zur Erinnerung an die 20 Familien aus San Zenone, die die Ehrung aus Israel nicht erhalten haben, aber ihr Leben riskierten, um Juden zu retten, war Bürgermeister Luigi Mazzaro von San Zenone anwesend.

Die drei „Medaillen der Gerechten“ von San Zenone ergänzen die in der Provinz Treviso bereits verliehenen: Fünf Bürger von Possagno, Ferdinando Isotton, Domenica De Biasio Isotton, Elvira Furlan Isotton (1990), Alessandro Bastianon und Fausto Cunial (1997), der Notar Elio Gallina ausTreviso (2007), Clelia Caligiuri De Gregorio von Piavon di Oderzo (1966) und vier Priester aus Treviso Don Dalla Torre, Don De Zotti, Don Simeoni (1965) und Don Pasin (1999).

An der Feier nahmen auch die Schüler der Grund- und Mittelschule von San Zenone teil, die Auszüge aus dem Stück „Se questo è un uomo“ von Primo Levi und dem Lied „Auschwitz“ von Francesco Guccini darboten.

Am Ende der Zeremonie versammelten sich Autoritäten und Teilnehmer vor der Kirche von San Zenone, wo eine Straße zu Ehren von Msgr. Oddo Stocco nach ihm benannt wurde.

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen]