Mehr als 100.000 Gläubige bei der Papstmesse in Genua

Einheit und Mission: das Zeugnis der Kirche

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ROM, 19. Mai 2008 (ZENIT.org).- Mehr als 100.000 Gläubige nahmen am gestrigen Nachmittag in Genua an der Abschlussmesse der neunten Apostolischen Reise Benedikts XVI. in Italien teil. In seiner Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag kommentierte der Papst die Lesungen des Tages und rief die Kirche zur Einheit auf, um so ihrem Missionsauftrag gerecht werden zu können.



Der Name Gottes, der bereits Moses auf dem Sinai mitgeteilt wurde, werde von Johannes in einem Wort zusammengefasst: „Liebe“. Damit werde deutlich, dass der Gott der Bibel keine Art Monade sei, die in sich selbst verschlossen und mit ihrer eigenen Selbstgenügsamkeit zufrieden wäre. Gott ist nach Worten des Papstes Leben, das sich mitteilen will, das heißt: Beziehung. Gott als Liebe werde im Antlitz Jesu endgültig offenbar. Dieser Gott ist dreifaltig, so der Papst: „Liebe Vater – Liebe Sohn – Liebe Heiliger Geist“.

Das Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit lade die Gläubigen dazu ein, „auf den Berg“ zu steigen, wie es Moses getan habe, und den Namen Gottes zu hören, denn: „Vom Namen Gottes hängt unsere Geschichte ab; vom Licht seines Antlitzes unser Weg.“

Der offenbarten dreifaltigen Wirklichkeit Gottes entstamme dann ein Bild des Menschen: der Begriff von Person. „Wenn Gott dialogische Einheit ist, Substanz in Relation, so spiegelt der Mensch, der nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen ist, diese Konstitution wider: Er ist daher dazu berufen, sich im Dialog, im Gespräch, in der Begegnung zu verwirklichen.“

Der Mensch sei wesentlich „Kind“, so der Papst. Er verwirkliche sich nicht in einer absoluten Autonomie, indem er sich der Illusion hingibt, Gott zu sein, sondern indem er sich im Gegenteil als Kind erkennt, „als offenes Geschöpf“. Dieser Gottes- und Menschenbegriff des Christentums sei ein Modell der Menschheitsfamilie.

Der Papst erinnerte dann an die Soziallehre der Kirche, die sich ausgehend von dieser Sicht Gottes und des Menschen entwickelt habe. Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul II. und er selbst hätten von einer konkreten Nächstenliebe der Kirche gesprochen, die von „Gott-Liebe“ ausgehe.

Das Zeugnis für die Gemeinschaft der Kirche sei in einer Gesellschaft, die in der Spannung von Globalisierung und Individualismus stehe, von großer Bedeutung. Diese Gemeinschaft komme nicht „von unten“, sondern sie habe ihre „Wurzeln im Himmel“: in dem einen und dreifaltigen Gott. Die Kirche ist, so erklärte der Papst mit einem Wort des II. Vatikanischen Konzils, „in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ (Lumen Gentium 1).

Zum Schluss seiner Predigt richtete sich der Papst im Besonderen an die Katholiken Genuas. Er ermutigte sie zunächst, für eine „substantielle“ geistliche und katechetische Ausbildung Sorge zu tragen, die so notwendig sei, um die christliche Berufung in der Welt von heute leben zu können. Außerdem rief Benedikt XVI. alle dazu auf, einen „durchdachten“ Glauben zu pflegen, so dass man in der Lage sei, mit allen Menschen tiefe Gespräche zu führen: mit den nichtkatholischen Brüdern und Schwestern genauso wie mit Nichtchristen und Nichtgläubigen. Stete Inspirations- und Kraftquelle für ein solches Zeugnis komme aus der Eucharistie, bekräftigte der Papst.

Den Seminaristen und jungen Menschen, die auf einem konkreten Berufungsweg unterwegs sind, sprach der Papst Mut zu. Sie sollten sich nicht fürchten, sondern vielmehr die Anziehungskraft der endgültigen Entscheidungen sowie eines ernsthaften und anspruchsvollen Bildungsweges verspüren. Alle mahnte er an, in der missionarischen Sendung zu wachsen. „Die Dreifaltigkeit ist in der Tat gleichzeitig Einheit und Mission: Je inniger die Liebe ist, desto stärker ist ihr Drang, sich auszugießen, auszuweiten, mitzuteilen.“

Benedikt XVI. rief alle dazu auf, vertrauensvoll in die Zukunft zu blicken und zu versuchen, sie gemeinsam aufzubauen und „Parteilichkeit und Sektierertum“ zu vermeiden. Den wohl berechtigen Sonderinteressen solle das Gemeinwohl vorangestellt werden.