Mehr Frauen im Vatikan denkbar

Erzbischof Gerhard Müller im Interview

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 437 klicks

In einem Interview der Nachrichtenagentur KNA vom vergangenen Mittwoch mit Erzbischof Gerhard Müller, äußerte der Präfekt der Glaubenskongregation die Ansicht, in Zukunft könnten Frauen im Vatikan durchaus bestimmte Ämter in höheren Positionen übernehmen. Zwar könnten Frauen keine Kongregation leiten, aber in päpstlichen Räten sei ihre Anwesenheit durchaus vorstellbar. Während die Kongregationen für kirchliche Kernaufgaben zuständig sind – beispielsweise was den Klerus, die Bischöfe oder die Glaubenslehre betrifft –, sind die Päpstlichen Räte vor allem Förderorgane. So gibt es Räte beispielsweise für die Familie, die Seelsorge im Krankendienst, die Ökumene, den interreligiösen Dialog, für Laien, für Kultur und für Soziale Kommunikationsmittel. Bisher gibt es in diesen Aufgabenbereichen keine Frauen. Auch könnten Frauen im Bereich der theologischen Forschung, des Unterrichts, der Beratung und im Bereich der Caritas tätig sein, so Müller. Allerdings sprach sich Müller gegen eine feste Quote aus.

Der Präfekt der Glaubenskongregation sprach sich in dem Interview entschieden dagegen aus, der „konservative Gegenspieler“ von Papst Franziskus zu sein und als solcher bezeichnet zu werden. Die Gegenüberstellung „charismatischer Papst und dogmatischer Glaubenswächter“ entspreche nicht der Wahrheit. Hingegen habe er ein „mitbrüderliches, väterliches, ja herzliches“ Verhältnis zu Papst Franziskus, und ihre Begegnungen seien unkompliziert. Wiederholt habe der Papst sein Vertrauen während der zwei- bis dreimal im Monat auf Italienisch und Spanisch stattfindenden Treffen gegenüber der Glaubenskongregation und ihrer Arbeit ausgesprochen. Spekulationen darüber, dass der Papst in einigen moralischen Fragen nicht vollständig hinter der katholischen Lehre stehe, wies Müller zurück. Die Lehre von Papst Franziskus umfasse und enthalte den gesamten katholischen Glauben.

Des Weiteren äußerte sich Müller in dem Interview über eine mögliche Aussöhnung mit den Piusbrüdern. Die Glaubenskongregation gehe in den Bemühungen um eine Einigung so vor, wie Papst Franziskus es bestimmt habe: „mit Geduld und Festigkeit“. Die mögliche Wiedereingliederung der Piusbrüder in die katholische Kirche hänge von der Unterzeichnung einer „lehrmäßigen Erklärung“ über die Grundlagen der Glaubenslehre der katholischen Kirche ab, die der Vatikan der Leitung der Piusbrüder im September 2011 vorgelegt hatte.