„Mehr riskieren mit Christus“: Vorbereitung auf das Paulinische Jahr

Interview mit dem Prior der Benediktinerabtei von Sankt Paul vor den Mauern

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ROM, 27. Juni 2007 (ZENIT.org).- Kinderzeichnungen über die Gestalt des heiligen Paulus können ab sofort der Benediktinergemeinschaft zugesandt werden, die in der römischen Basilika Sankt Paul vor den Mauern das Grab dieses großen Völkerapostels betreut. Wie P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB, der Prior des Klosters, gegenüber ZENIT ankündigte, werden die eindrucksvollsten Zeichnungen auf der Webseite www.abbaziasanpaolo.net veröffentlicht.



Aus Anlass des Paulinischen Jahres, das Papst Benedikt XVI. morgen, Donnerstag, im Rahmen eines Vespergottesdienstes in Sankt Paul vor den Mauern für die Weltkirche ausrufen wird, verwies der 1960 in Wien geborene Ordensmann im Gespräch mit ZENIT auf einige Charakterzüge des Paulus von Tarsus. Darüber hinaus gab er auch ganz konkrete Hinweise, wie dieses besondere Jahr in der Familie begangen werden kann.

ZENIT: Welche Hoffnungen verbindet der Papst mit der Ausrufung des „Paulinischen Jahres“?

-- P. Abrahamowicz: Vermutlich eine weltweite Enttabuisierung solcher Themen wie „Offen sichtliche Umkehr“, „Mehr riskieren mit Christus“ und ähnliche Neubesinnungen zur christlichen Zivilcourage, und zugleich wohl auch ein Näherrücken der christlichen Konfessionen. Benedikt XVI. hat ja bereits einen Monat nach seinem Amtsantritt ausgerechnet die Benediktiner von Sankt Paul vor den Mauern, die seit 1300 Jahren dort als Grabeshüter des Völkerapostels wirken, beauftragt, ökumenisch tätig zu sein.

ZENIT: Paulus tritt uns in den verschiedenen Briefen als ein Mensch entgegen, der eine beinahe übermenschliche Stärke zu besitzen scheint. Wer ist dieser Heilige eigentlich, und wie gelangt man von diesem Eindruck der Übermenschlichkeit, die einen zu erschlagen droht, und der damit verbundenen Scheu hin zu einer innigen Vertrautheit?

-- P. Abrahamowicz: Der Eindruck der gewaltigen Stärke mag stimmen, doch wird man von ihr nicht erschlagen, wohl aber niedergeworfen, dann aber wieder aufgerichtet. Es ist die Stärke Gottes, die in Saulus/Paulus von Anfang an gewirkt hat - und auch heute weiterwirkt. Und davor haben wir Christen vielleicht eine gewisse Scheu - vor allem die Gläubigeren unter uns -, denn manchmal wäre es uns lieber, von dieser Gewalt überrascht zu werden wie der zu Boden gestürzte Saulus, anstatt ihr entgegen zu eilen.

ZENIT: Wie könnten wir der Gestalt des heiligen Apostelfürsten in diesem kommenden Jahr näher kommen? Wie kann der heilige Paulus unser Freund werden?

-- P. Abrahamowicz: Für Paulus war das Wichtigste im Leben, dass er mit eigenen Augen den auferstandenen Jesus gesehen hat. Diese Erfahrung konnte ihm niemand mehr nehmen.

Von vielen Menschen habe ich gehört - auch von nicht praktizierenden - dass sie mindestens ein Mal in ihrem Leben Gottes Hilfe ganz deutlich erfahren haben, und zwar so deutlich, dass ihnen ihr Gottvertrauen niemand nehmen kann. Wenn dieses Gottvertrauen stärker ist als die Angst vor dem Tod, dann hat man Jesus als Freund und Paulus zur Seite.

ZENIT: Leben und Gestalt des Völkerapostels sind eine Anfrage an unser eigenes Leben. Was möchte uns Paulus heute sagen?

-- P. Abrahamowicz: Furchtlosigkeit!

Heute meinen viele, die Menschheit sei dem Geld verfallen. Sind wir wirklich dem Geld verfallen? Nicht vielmehr der Angst?

Wieviel Geld wird aus Angst ausgegeben, wieviel eingespart: aus Angst vor dem Tod, aus Angst, irgendetwas zu verlieren. All die Angst löst sich in Luft auf für diejenigen, die an den Auferstandenen glauben.

Als Saulus nach Damaskus ging, hatte er eine schriftliche Christenverfolgungslizenz der Hohenpriester in der Tasche, die im Augenblick, als er zu Boden geworfen wurde, zu seinem eigenen Todesurteil wurde. Noch hatte er eine Chance, denn seine Begleiter wussten nicht, was mit ihm geschah (Apg 9,7; 22,9), und er hätte ihnen verheimlichen können, was er sah und mit wem er gesprochen hatte. Doch der Blick des Auferstandenen nahm ihm jede Angst, und er entschied sich zum furchtlosen Bekenntnis, wohl wissend, wie es eines Tages enden würde.

ZENIT: Wie werden Sie dieses besondere Jahr mit Ihrer Gemeinschaft in Sankt Paul vor den Mauern begehen?

-- P. Abrahamowicz: In erster Linie bemühen wir uns um eine gute Zusammenarbeit mit der neuen päpstlichen Verwaltung der Basilika, damit die Pilger hier weiterhin in würdiger Weise beten und die Liturgie feiern können.

Die Webseite (www.abbaziasanpaolo.net) gibt ausreichend Informationen bezüglich Öffnungszeiten usw. Dabei müssen wir Benediktiner uns wahrscheinlich den persönlichen Kontakt zu den Pilgern, die es wünschen, als besonderen Auftrag zu Herzen nehmen.

Vieles geschieht in diesem Sinn bereits während der beinahe ganztägig angebotenen Beichtgelegenheit. Ebenso wichtig ist uns die Betreuung der Pilger anderer Konfessionen, die am Paulusgrab beten wollen.

Freilich gibt es auch kulturelle Sonderveranstaltungen, zum Beispiel die Uraufführung eines Musicals, an dem sich Künstler aus aller Welt anlässlich eines internationalen ökumenischen Chortreffens aktiv beteiligen können (vgl. www.sadg.org).

ZENIT: Wie könnte dieses Jahr in den Familien begangen werden?

-- P. Abrahamowicz: Wussten Sie schon, dass beim berühmten Sturz des Paulus, von dem die Apostelgeschichte gut dreimal berichtet (in den Kapiteln 9, 22 und 26), nie von einem Pferd die Rede ist?

Das größte Geschenk, das Eltern heranwachsenden Kindern schenken können, ist bekanntlich ihre kostbare Zeit. Wir vergessen unser Leben lang nicht die Augenblicke, als uns unsere Eltern zuhörten, vorlasen, mit uns spielten, usw.

In Familien mit Kleinkindern könnten Eltern hie und da ein paar Sätze aus der Apostelgeschichte lesen und kindgerecht nacherzählen. Die eindrucksvollsten Kinderzeichnungen über Paulus, die Sie an mailto:segreteria@abbaziasanpaolo.net einsenden, werden die Benediktiner von Sankt Paul vor den Mauern gern auf ihrer Homepage (www.abbaziasanpaolo.net) veröffentlichen.